Bayern, Hoffenheim und der Videobeweis Es geht schon wieder los

Erstes Spiel der neuen Bundesligasaison - und gleich gibt es beim Sieg der Bayern über Hoffenheim wieder Aufregung um den Videobeweis. Wenn das so weitergeht, steht uns eine lustige Saison bevor.

Schiedsrichter Bastian Dankert
Bongarts/Getty Images

Schiedsrichter Bastian Dankert

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Ausgangslage des Spiels: Im Vorfeld war in der Öffentlichkeit so oft darauf hingewiesen worden, dass Julian Nagelsmann mit seinen Hoffenheimern Meister werden wollte, dass der junge Coach das am Ende wahrscheinlich selbst fast geglaubt hat. Dabei hätte er ja nur in den Medien nachlesen brauchen, wer wirklich Meister wird. Da steht schließlich der FC Bayern bereits als neuer Titelträger fest.

Ergebnis des Spiels: Der amtierende und wohl künftige Meister gewinnt gegen den Möchtegern-Meister 3:1. Tore durch Thomas Müller (23. Minute), Robert Lewandowski (82.) und Arjen Robben (90.). Zwischendurch sorgte Adam Szalai für den Ausgleich. Für den ausführlichen Spielbericht geht es hier entlang.

Die erste Hälfte: Es ging gemessen los in diese 56. Bundesligasaison. Oder wie ZDF-Livekommentator Bela Réthy sagte: "Ein Spiel, das vor allem im Mittelfeld seine Ereignisse hat." Bis zur 23. Minute, als Müller das erste Saisontor nach einer Ecke köpfte. Danach hatten die Bayern alles im Griff, und die Hoffenheimer verlegten sich auf die Grätsche. Der der bis dahin überragende Kingsley Coman kurz vor der Pause zum Opfer fiel.

Die zweite Hälfte: Man könnte sie unterhaltsam nennen. Erst glich Szalai zum 1:1 aus, als seinem Gegenspieler Jérome Boateng möglicherweise schon die Bocuse-Restaurants in Paris im Kopf herumgingen, die er für sein neues Lifestyle-Magazin zu testen hat. Danach wurde es turbulent, und welch Überraschung, dafür sorgte der Videobeweis. Eine Schwalbe von Franck Ribéry wurde anstandslos als Strafstoß durchgewinkt. Der anschließende Lewandowski-Elfmeter wurde nach Intervention aus Köln jedoch wiederholt, weil Arjen Robben zu früh in den Strafraum gestürmt war. So durfte Lewandowski noch einmal anlaufen und treffen. Dann wurde ein Müller-Tor nach Einspruch aus dem Kölner Keller aberkannt. Alles dabei aus dem VAR-Katalog.

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Bundesliga-Auftakt: Ein Elfmeter, zwei Videobeweise, vier Tore

Szene des Spiels: Der Flug von Franck Ribéry, den Schiedsrichter Bastian Dankert als strafstoßwürdig anerkannte. Wer mit 35 Jahren so abheben kann, ist noch fit genug für einen Anschlussvertrag.

Spieler des Spiels: Coman hat verletzungsbedingt die WM verpasst und damit auch die große Chance, Weltmeister zu werden. Als sei dies nicht Unglück genug, verletzte sich der Franzose, nachdem er eine formidable erste Hälfte hingelegt hatte, bei einer üblen, wenn auch wohl nicht übel gemeinten Grätsche von Nico Schulz. Nach 43 Minuten war Comans Bundesliga-Comeback schon wieder vorbei. Besserungswünsche sind höchst angebracht.

Lied des Spiels: Nicht der Stern des Südens. Zu den Gepflogenheiten des Saisonbeginns gehört, dass vor dem ersten Spiel die Nationalhymne gesungen wird. Das fiel in diesem Jahr in die Kompetenz des Musiksternchens Max Mutzke, der den Ältesten hier eventuell noch in Erinnerung ist. Während Mutzke sich im schreiend gemusterten Hemd an Einigkeit und Recht und Freiheit abmühte, ging der Kontrollblick hektisch in die Gesichter der Profis. Wer mitgesungen hat, dürfte seine Chancen, am Mittwoch von Joachim Löw für die nächsten Länderspiele nominiert zu werden, dramatisch erhöht haben.

Wechsel des Spiels: Mats Hummels blieb 90 Minuten Bankdrücker. Möglicherweise wollte Bayern-Trainer Niko Kovac Jérôme Boateng noch ein Abschiedsspiel vor eigenem Publikum gönnen. Der Wechsel des Nationalspielers zu PSG und Thomas Tuchel steht immer noch im Raum. Seinem Nebenspieler Niklas Süle wird das alles egal sein. Er ist ohnehin der kommende Mann, und er weiß es.

Erkenntnis des Spiels: Bayern wird Meister, und der Videobewies hat nichts von seinem Entertainmentfaktor aus der Vorsaison eingebüßt. Es bleibt also alles beim Alten, und die Saison muss jetzt nur noch irgendwie zu Ende gespielt werden.

Bayern München - 1899 Hoffenheim 3:1 (1:0)
1:0 Müller (23.)
1:1 Szalai (57.)
2:1 Lewandowski (82. Foulelfmeter)
3:1 Robben (90.)
München: Neuer - Kimmich, Boateng, Süle, Alaba - Martinez (66. Goretzka) - Coman (45. Robben), Müller, Thiago, Ribéry (83. James) - Lewandowski.
Hoffenheim: Baumann - Adams (66. Akpoguma), Vogt (73. Nordtveit), Bicakcic - Kaderabek, Grillitsch, Schulz - Grifo (46. Zuber), Bittencourt - Szalai, Joelinton.
Schiedsrichter: Dankert
Zuschauer: 75.000
Gelbe Karten: Schulz, Adams, Bittencourt, Kaderabek / Müller

insgesamt 111 Beiträge
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markniss 25.08.2018
1. Müllers Handspiel -- bitte erklären!
Wann etwas unerlaubtes Handspiel ist, war mir immer schon ein Rätsel. Aber seit gestern bin ich mit meinem Verständnis wieder bei Null. Ich dachte, ich hätte endlich verstanden, dass es zwei Kriterien gibt: Handspiel ist, wenn es entweder Absicht ist oder wenn der Spieler seine Körperfläche vergrößert. Aber bei Müller war beides definitiv nicht der Fall: Der Torschuss von Goretzka war hart und Müller hat verzweifelt versucht dem Ball auszuweichen, hat sich dabei sogar zur Seite gedreht, um dadurch seine Körperfläche zu verkleinern -- und deshalb eben ganz und gar nicht vergrößert. Zusätzlich hat er versucht seinen Arm aus der Schusslinie zu bewegen, weshalb er den Ball nur an den Ellenbogen bekam, der direkt am Körper anlag und den er nun wirklich nicht mehr kleiner machen konnte. Also sind die Kriterien doch beide eindeutig nicht erfüllt, oder? Also was jetzt?
tyxh 25.08.2018
2. lustig?
nein, das ist nicht lustig. Eher ein Beleg, dass DFL und DFB ein dunkler Sumpf sind. Irgendwann werden die Gericht das alles aufarbeiten...
poly123 25.08.2018
3. Jemand Lust auf eine Runde D&D Buli?
Ich würfel die Partien nun demnächst nun aus, Story-Entwicklung ganz D&D konform, das war heute teilweise eine Farce.... irgendwie stört es den Spielfluss... da könnte man gleich wie beim Basketball, bspw., timeouts einführen ...
sachlich bleiben 25.08.2018
4. alles wie immer
Warum sollte man sich diese Lachnummer namens Bundesliga eigentlich noch antun? Jetzt gibt es bereits im ersten Spiel der Saison einen der berühmten Bayern-Elfmeter (früher wurden die mal für die entscheidenden Spiele aufbewahrt) - und die anderen 17 Klubs werden sich auch dieses Jahr zur Schlachtbank führen lassen, denn es reicht ja, Zweiter, Dritter oder Vierter zu werden, um ans große Geld zu kommen. Dabei haben sogar die Bayern inzwischen kapiert, dass es ihnen nichts nutzt, wenn die Bundesliga langweilig ist, die ersehnten Märkte in Asien und Amerika interessieren sich nicht für dieses drittklassige Produkt. Nur kommt die Einsicht leider zu spät, nennenswerte Konkurrenz gibt es inzwischen tatsächlich nicht mehr, Uli. Aber ist ja Bratwurst, der Deutsche Michel geht ja fleissig in die Stadien und/oder kauft sein Pay-TV-Abo, das reicht zumindest für ordentlichen Umsatz.
WeyrichderErste 25.08.2018
5. Eigentlich ohne Worte.
Fehlentscheidungen bei Schwalben waren schon früher schlimm genug. Dass eine solche Szene trotz modernster Technik jedoch nicht einmal überprüft wird, das ist wirklich unfassbar. So ist der VAR nichts Wert, und man darf zu Recht darüber nachdenken, ob irgendein kleiner Verein eine Chance hätte, gegen Bayern München einen solchen Elfmeter gepfiffen zu bekommen.
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