Bayern-Sieg gegen Hoffenheim München verhöhnt die Bundesliga

0:2 nach zwölf Minuten? Kein Problem für den FC Bayern. Die Münchner machen mit der Bundesliga-Konkurrenz, was sie wollen. Und Julian Nagelsmann? Ist wohl doch ein ganz normaler Trainer.

Arturo Vidal
DPA

Arturo Vidal


Generationenduell: Vor dem Spiel richteten sich die meisten Augen auf die Trainerbänke: Der jüngste traf auf den ältesten Fußballlehrer in der Bundesliga, Meistermacher Jupp Heynckes zum ersten Mal auf seinen vermeintlich designierten Nachfolger Julian Nagelsmann. "In einer Karriere gibt es Höhen und Tiefen", sagte Heynckes vor der Partie mit Blick auf die zuletzt schwächelnden Hoffenheimer, die trotzdem selbstbewusst nach München reisten. Schließlich hatte die TSG unter Nagelsmann noch kein Spiel gegen die Bayern verloren - bis heute.

Das Ergebnis: Der Rekordmeister drehte einen 0:2-Rückstand in einen letztlich souveränen 5:2-Sieg. Hier geht es zur Sammelmeldung aller Bundesliga-Ergebnisse.

Klassentreffen: Mit Niklas Süle und Sebastian Rudy spielten bei den Bayern zwei Ex-Hoffenheimer von Beginn an. Sandro Wagner schaute den ehemaligen und aktuellen Kollegen zunächst von der Bank zu, durfte aber für die Schlusspointe sorgen. Auf der anderen Seite stand mit Serge Gnabry eine Münchner Leihgabe in der Startformation der TSG - und war in der turbulenten Anfangsphase der auffälligste Mann auf dem Platz.

Die erste Hälfte: Begann mit leichter Verzögerung, weil Arjen Robben sich seiner Kapitänspflichten nicht bewusst war. "Das bin ich nicht gewohnt, ich will nur Fußballspielen", sagte der Ersatzspielführer, als er leicht verspätet zur Seitenwahl erschien. Als es dann losging, ging es auch so richtig los: Mark Uth staubte zur frühen Führung für die Gäste ab, nachdem Gnabry mit einem Foulelfmeter an Sven Ulreich gescheitert war (3. Minute). Kurz darauf zeigte Gnabry, dass er aus 18 Meter treffsicherer ist als aus elf (12.). Robert Lewandowski (21.) und Jérôme Boateng (25.) glichen für die Bayern aus. Vier Tore in 25 Minuten - das musste fürs Erste reichen.

Serientäter vs. Einzeltäter: Lewandowski hat in allen zehn Heimspielen der Bayern in dieser Saison getroffen. Das ist Vereinsrekord bei den Münchnern und die zweitlängste Serie eines Stürmers in der Bundesliga. Der Einzige, dem Tore in elf aufeinanderfolgenden Heimspielen gelangen, ist ein gewisser Jupp Heynckes. Nicht ganz so treffsicher ist Boateng, der sein erstes Bundesligator seit November 2013 erzielte.

Die zweite Hälfte: Begann pünktlich, aber lange nicht so spektakulär wie die erste. Es dauerte knapp 20 Minuten, bis die Bayern einen Gang hochschalteten und die Partie für sich entschieden. Erst brachte Kingsley Coman die Münchner nach feiner Vorarbeit von Lewandowski in Führung (63.), dann sorgte Arturo Vidal per Kopf für die Vorentscheidung (66.). Kurz vor Schluss traf der eingewechselte Wagner mit dem Knie zum Endstand (90.).

Die Trainerfrage: Nagelsmann hat in der vergangenen Woche betont, dass er der TSG auch in der kommenden Saison als Trainer erhalten bleiben wird. Die Aussage bezog sich auf die Gerüchte über den möglichen Wechsel zu einem Top-Verein, klingt nach vier sieglosen Spielen in Folge und vier Niederlagen aus den vergangenen sechs Bundesligapartien aber fast ein bisschen vermessen. Wer sagt denn, dass die viel zitierten "Marktmechanismen" nicht auch für den 30-Jährigen greifen und die Hoffenheimer Vereinsführung ihn überhaupt halten will, wenn die Ergebniskrise weiter anhält?

Fazit: Fast wirkt es so, als wollte der FC Bayern den Rest der Liga verhöhnen. Sogar eine schnelle Zwei-Tore-Führung reicht momentan nicht, um den Münchnern auch nur ansatzweise gefährlich zu werden. Der Rekordmeister feierte seinen neunten Pflichtspielsieg in Folge und bleibt mit 16 Punkten Vorsprung Tabellenführer. Der Gewinn der sechsten Meisterschaft in Folge ist nur noch eine Frage der Zeit.

Bayern München - TSG Hoffenheim 5:2 (2:2)
0:1 Uth (3.)
0:2 Gnabry (12.)
1:2 Lewandowski (21.)
2:2 Boateng (23.)
3:2 Coman (63.)
4:2 Vidal (66.)
5:2 Wagner (90.)
München: Ulreich - Alaba, Süle, Boateng, Kimmich (85. Wagner) - Vidal, Rudy, Tolisso (64. Müller) - Coman, Lewandowski, Robben (77. Rafinha)
Hoffenheim: Baumann - Hübner (67. Krmaric), Vogt, Bicakcic (46. Akpoguma) - Geiger - Zuber, Rupp (59. Amiri), Grillitsch, Kaderabek - Gnabry, Uth
Schiedsrichter: Manuel Gräfe
Gelbe Karten: - / Bicakcic, Hübner
Besondere Vorkommnisse: Ulreich pariert Foulelfmeter von Gnabry (2.)



insgesamt 103 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
doppelnass 27.01.2018
1. Ich glaube
Bayern verhöhnt keinen, die anderen verhöhnen sich selbst. Noch nie gab es einen schwächeren Zweiten zu diesem Zeitpunkt. Leipzig schwächelt, Schalke innerhalb seiner Möglichkeiten, Dortmund ist Chaos pur. Wo sind die Verfolger? Bayern braucht eine starke Konkurrenz, um in der CL gut vorbereitet zu sein. Ab Platz zwei ist es ein Grauen.
steingärtner 27.01.2018
2. Wertlos
Die Bundesliga ist inzwischen genauso wertlos, wie einst die DDR-Oberliga, wenn auch aus anderen Gründen. Wobei die Gründe auch egal sind. Entscheidend ist, was hinten rauskommt : Langeweile pur, egal wer "Schuld" dran hat. Meine Vermutung ist, es hat etwas mit Geld zu tun.
Skakesbier 27.01.2018
3. Außer
den Bayern ist der Rest der Liga einfach Schrott! Siehe die Resultate in den europäischen Wettbewerben von Leipzig, Hoffenheim, Doatmund etc. Und siehe generell auch die Ergebnisse der medial gehypten Laptop-Träner wie Nagelsmann, Gisdol und Co. - sang- und klanglos in der Quali rausgeflogen (Nagelsdingens) oder hochkant gefeuert (Gisdol). Übrigens: Der Heynckes Jupp hat das Laufen noch unter dem Größten von allen gelernt: Hennes Weisweiler!
aurichter 27.01.2018
4. Warum verhöhnen?
Der FCB hat eben trotz des frühen Rückstand den gewohnten Stiefel heruntergespielt und eben die nötigen Tore schon in der ersten HZ gemacht. Man sieht nun bei Hoffenheim, dass Nagelsmann auch kein Übertrainer ist und die Mannschaft nicht auf Bayern einstellen konnte. Also alles wie gehabt.
oizonaldo 27.01.2018
5. Einfach eine Klasse höher
Was die Bayern hier abliefern oder besser gesagt, der Rest der Bundesliga nicht abliefert, ist einfach mindestens eine Klasse Unterschied. Schade für alle beteiligten. Bundesliga was die Meisterschaft angeht langweilig und in der Championsleague leider nur Mittelmaß aufgrund fehlender „echter Gegner“.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.