Bayern-Sieg gegen Hoffenheim Beigeschmack: Schal

Ja, der FC Bayern hat zum Rückrundenauftakt bei der TSG Hoffenheim gewonnen. Ja, die erste Hälfte der Münchner war stark. Aber es bleiben offene Fragen - und Kritik am Trainer.

Ein Schal (Bildmitte) und Niko Kovac
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Ein Schal (Bildmitte) und Niko Kovac


Das Kleidungsstück des Spiels: Phasenweise war die erste Partie der Bundesliga-Rückrunde unterhaltsam. Allerdings waren diese Phasen relativ kurz. So blieb der Twittersphäre ausreichend Zeit, sich über andere Dinge auszutauschen. Ein sehr beliebtes Thema war der voluminöse Schal des Bayern-Trainers Niko Kovac. First World Problems.

Das Ergebnis: Schal hin, Schal her - die Bayern haben bei der TSG Hoffenheim 3:1 (2:0) gewonnen. Hier geht es zur Meldung.

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Bayern-Sieg bei Hoffenheim: Der doppelte Goretzka

Der Mann der ersten Hälfte: war Leon Goretzka. Der Ex-Schalker nutzte seine Freiheiten als zentral offensiver Mittelfeldspieler in Kovacs 4-2-3-1 zu vier Abschlüssen und zwei Toren. Zunächst traf er aus spitzem Winkel, hatte dabei aber Glück, dass Kevin Vogt seinen Schuss unhaltbar abfälschte (34. Minute). Dann schloss er einen Konter nach Hoffenheim-Ecke mit einer sehenswerten Direktabnahme ab (45.+1). Für Goretzka, der vor der Pause fast 95 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler brachte, war es eine historische Leistung.

Die erste Hälfte: war so einseitig wie eine Best-Of-Bayern-DVD. Die Münchner hatten deutlich mehr Ballbesitz und kamen im Schnitt alle drei Minuten zum Abschluss. Robert Lewandowski (10.), Thomas Müller (19.) und Mats Hummels (28.) vergaben die besten Chancen, bevor Goretzka mit seinen zwei Treffern für die verdiente Pausenführung sorgte. Alles, was Sie zur Leistung der TSG in den ersten 45 Minuten wissen müssen: Torwart Oliver Baumann hatte die meisten Ballaktionen seines Teams (36).

Die zweite Hälfte: War das Gegenteil der ersten, bot nämlich unterhaltsamen und abwechslungsreichen Fußball. Julian Nagelsmann reagierte in seinem 100. Bundesligaspiel als Trainer auf die schwache Vorstellung und stellte von 3-5-2 auf 4-3-3 um. Das zeigte Wirkung. Plötzlich nahm die TSG am Spiel teil und erarbeitete sich nach passablen Möglichkeiten durch Leonardo Bittencourt (48.) und Joelinton (53.) den sehenswerten Anschlusstreffer durch Nico Schulz (59.). Fünf Minuten vor Schluss hätte Adam Szalai fast für den Ausgleich gesorgt, aber Manuel Neuer reagierte stark (85.). Kurz darauf traf Lewandowski nach Vorarbeit von Müller zur Entscheidung (87.).

Er müllert und müllert und müllert - auch im Liegen
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Er müllert und müllert und müllert - auch im Liegen

Der ewige Müller: Vor Anpfiff zog Kovac den Unmut der eigenen Fans nicht mit modischen Fragen auf sich, sondern mit der Aufstellung. James Rodríguez, der nach Aussage des Trainers "um seine Zukunft" spielt, bekam dazu keine Chance. Stattdessen durfte Müller von Beginn an ran. Das allein hätte den Hashtag #KovacOut bei Twitter fast trenden lassen.

In der ersten Hälfte tat Müller wenig dafür, seine Nominierung zu rechtfertigen. Er war zwar viel in Bewegung und hatte auch ein paar Szenen, die das Prädikat "typisch gemüllert" verdienen. Aber das ist schon lange nicht mehr rein positiv besetzt.

Zumindest vor dem 3:1 glänzte Müller - das allerdings auch nur dank eines tollen Anspiels des eingewechselten James. Dessen Zukunft bleibt ebenso offen wie die Frage, warum Kovac erst so spät auf die Hoffenheimer Umstellungen reagierte. James kam in der 78. Minute - 19 Minuten nach dem Anschlusstreffer der TSG, die das Spiel fast gedreht hätte.

Der Blick nach vorne: Durch den Sieg haben die Bayern den Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund zumindest für eine Nacht auf drei Punkte verkürzt. Wenn der BVB den alten Abstand wieder herstellen will, muss das Team von Lucien Favre in Leipzig gewinnen (Samstag, 18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

TSG Hoffenheim - Bayern München 1:3 (0:2)
0:1 Goretzka (34.)
0:2 Goretzka (45.+1)
1:2 Schulz (59.)
1:3 Lewandowski (87.)
Hoffenheim: Baumann - Posch, Vogt (56. Grillitsch), Hübner - Demirbay (56. Geiger) - Kaderabek, Schulz - Kramaric - Bittencourt - Joelinton (78. Szalai) - Belfodil
Bayern: Neuer - Kimmich, Süle, Hummels, Alaba - Martínez (90. Boateng), Thiago (78. James) - Goretzka - Müller, Lewandowski, Coman (73. Gnabry)
Zuschauer: 31.500
Schiedsrichter: Tobias Welz
Gelbe Karten: Vogt, Posch, Grillitsch / Kimmich, Martínez



insgesamt 55 Beiträge
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25alex67 19.01.2019
1. gewonnen ist gewonnen
Ja, das war ne echt mittelmässige Leistung des FC Bayern. Hoffenheim war klar besser.. Und Müller ein Schatten seiner selbst. Bin sehr froh, dass Spon das richtig eingeordnet hat. Wobei ich ehrlich gesagt finde, dass Hoffenheim richtig viel Schwein hatte, nicht 6:1 zu verlieren, dass ich nicht recht weiss, welches Spiel der Kollege verfolgt hat, der den Bericht schrieb. Aber was solls, morgen kann der BVB wieder auf 6 Punkte Vorsprung davonziehen. Und wenns dann am Ende zum Meistertitel reicht: Mein herzlichster Glückwunsch, dann haben sie es auch verdient. Mit sportlichen Grüssen.
Orthoklas 19.01.2019
2. Na immerhin
hat Nico Schulz dieses Mal keinen Gegenspieler in die Reha getreten.
ex_Kamikaze 19.01.2019
3. "Bayern" München hat verdient gewonnen
aber wieder bewiesen das die Puste außer bei Süle und Alaba und dem zweikampfschwachen Müller nicht für 90 min reicht. Dazu gab es einige absurde Entscheidungen: Vogt bekam für eine Zupfer Gelb, der "Münchner" Kimmich für einen Kung-Fu Tritt auch. Auch Martinez durfte nach Gelb munter weiterholzen. Lewandowski hatte nach einem Festhalten plötzlich Schmerzen am Schienbein samt spektaulärem Flug auf den Rasen. Pfiff natürlich immer pro "Bayern". Alles wie gehabt. Und es gab noch weitere absurde Pfiffe. Was soll das? Schlimm dabei ist nur, das gegen vor allem in der ersten Halbzeit schwache bis unsichtbare Hoffenheimer diese Hilfe gar nicht notwendig gewesen wäre.
verruca 19.01.2019
4. Antworten gesucht!
N. Kovac scheint nicht dazu in der Lage zu sein durch Umstellen seines Spielsystems und/oder durch taktische Wechsel noch während des Spiels auf neue Szenarien reagieren zu können. Das hat er diese Saison nun bereits mehrfach so bestätigt. Er scheint seine Bank lediglich dafür zu haben, um ab und zu einem zu kurz gekommenen und deswegen grummelnden Spieler noch fünf Einsatzminütchen schenken zu können. Oder Martinez in der 89. min. vor der Roten schützen zu können. etc. ... Hoffenheim hat nach der HZ deutlich körperlicher gespielt und damit dem FCB den Schneid abgekauft. Rund eine halbe Stunde lang hatte der menschgewordene Schal darauf KEINERLEI Antwort - kein Konzept - keine Idee! Der Sieg war zwar insgesamt verdient - aber in Anbetracht dessen, was die Hoffenheimer an wenigen aber hochkarätigen Chancen auf's Tableau brachten - trotzdem glücklich.
sltcv 19.01.2019
5. BILD-Zeitung...
...ist nicht mehr weit entfernt...
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