Drei Thesen zur Bundesliga Bayern trifft zu viele falsche Entscheidungen

Die nächste enttäuschende Vorstellung: Der FC Bayern hat gegen Freiburg erneut große Schwächen offenbart. Leipzig könnte in den Titelkampf eingreifen - und Schalke vertraut auf einen Rückkehrer.

Robert Lewandowski
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1. Bayerns Probleme sind zahlreich

Die Bilanz des FC Bayern in den vergangenen zwei Wochen könnte fast nicht besser sein: vier Siege, ein Unentschieden, nach einem zwischenzeitlichen Tief wieder auf einen Champions-League-Platz vorgerückt. Aber: Die Münchner spielten erschreckend schwach. Das Unentschieden gegen Freiburg ist der Tiefpunkt einer eigentlich erfolgreichen Saisonphase.

Der Rekordmeister hat offensichtliche Probleme. Gegen Freiburg spielte Joshua Kimmich auf der Sechserposition, wie er es auch neuerdings bei der Nationalmannschaft tut. Und die Statistiken sind auf den ersten Blick imposant: 116 Ballaktionen, 100 Pässe, 94 Prozent erfolgreich. Aber: Die meisten davon ohne nennenswerten Raumgewinn. Im Dreieck mit James Rodríguez und Renato Sancheskonnte Kimmich nicht die erhofften Impulse nach vorne setzen. In Spielen, in denen Bayern gegen tiefstehende Mannschaften agiert, wie es in den vergangenen Wochen der Fall war, bedarf es eines offensiveren Spielertyps.

Dazu hat Bayerns Starangreifer Probleme: Robert Lewandowski. Bezeichnend seine Chance gegen Freiburg, als er allein vor Freiburgs Torhüter Alexander Schwolow nicht ganz zu wissen schien, welchen Fuß er benutzen solle. Er nahm den rechten, traf neben dem Ball auch viel Rasen - und Schwolow konnte halten.

Bayern trifft momentan zu viele falsche Entscheidungen und hat selbst gegen schwache Gegner große Probleme. In der kommenden Woche kommt Borussia Dortmund, spätestens dann könnte es in dieser Verfassung nicht nur große Probleme, sondern auch eine weitere Niederlage geben.

2. Leipzig im Windschatten an die Spitze

Borussia Dortmund ist die Geschichte der bisherigen Saison. Mit einem neuen, aber altbekannten Trainer und jungen Profis spielte sich der BVB an die Spitze der Bundesliga. Eine Mannschaft geht bei all dem Hype um Schwarz-Gelb aber unter: RB Leipzig.

Denn auch die Leipziger haben einen neuen, aber altbekannten Trainer - und auch RB hat junge Talente, die schönen Fußball spielen. Der Unterschied: Leipzig brauchte etwas mehr Anlaufzeit, um den Übergang von Ex-Trainer Ralph Hasenhüttl zu Rangnick zu bewältigen. Spätestens seit dem 3:0 bei Hertha BSC steht aber fest: Mit den Sachsen ist zu rechnen.

Ralf Rangnick
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Ralf Rangnick

Das liegt auf der einen Seite an einem Coach, der noch immer zu den besten in Deutschland gehört. Rangnick spekulierte auf die Berliner Dreierkette, die sie auch schon gegen den BVB in der Woche zuvor gespielt hatten, und stellte dem eine Mittelfeldraute entgegen. Das Ergebnis: Leipzig überrannte die Hertha zu Beginn des Spiels. Und selbst nach einer Umstellung von Berlins Trainer Pál Dárdai ließ sich Leipzigs Offensivpower nur schwer bändigen.

Dazu kommen starke Einzelspieler, die ihren Zenit noch nicht erreicht haben. Zum Beispiel der erst 19-jährige Matheus Cunha, der erneut zeigte, welch großes Potenzial in ihm steckt. Die Prognose: Mit Leipzig ist zu rechnen. Sogar im Kampf um die Meisterschaft.

3. Schalke brauchte nur Stambouli

Schalke 04 hat einen bemerkenswert schlechten Saisonstart hinter sich. Sechs Niederlagen aus den ersten neun Spielen, bei nur zwei Siege gegen Mainz 05 und Fortuna Düsseldorf. Seit einer Woche ist eine der wichtigsten Stützen zurück: Benjamin Stambouli. Der Franzose verpasste die ersten acht Spieltage wegen eines Syndesmosebandrisses - und fehlte der Mannschaft. Der spielerisch starke Innenverteidiger ist der Stabilisator des Schalker Defensivspiels und zudem treibende Kraft im Aufbau.

Benjamin Stambouli (blaues Trikot)
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Benjamin Stambouli (blaues Trikot)

Und der war zwingend notwendig: Schalke agierte in dieser Saison zunehmend mit langen Bällen. Stambouli weiß ein Spiel aber auch flach durch das Zentrum zu eröffnen. Gegen Hannover 96 hatte Stambouli 103 Ballaktionen und spielte 41 Pässe in die gegnerische Hälfte, von denen immerhin 68 Prozent ankamen. Zum Vergleich: Hannovers Spieler mit den meisten Pässen war Walace - mit insgesamt 45.

Schalkes Aufbau wirkt unter Stambouli strukturierter und sicherer in der Ausführung. Der 28-Jährige leitete dazu das 2:1 von Breel Embolo ein, den er mit einem tiefen Pass durch das Zentrum freigespielt hatte. Stambouli ist wichtig für S04. Nicht ohne Grund lief er bei seinem Verletzungs-Comeback bei Galatasaray Istanbul mit der Kapitänsbinde auf. Er ist der Stabilisator, den Schalke 04 braucht.



insgesamt 63 Beiträge
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dirk.resuehr 04.11.2018
1. Im Rückwärtsgang
also bayrisch, bloß nicht nach vorne, bloß keine 1 gegen 1 Situation, das können sie nicht. Spielen meist in die fasche Richtung und ohne Sturm geht eben nichts, wenn die Abwehr auch schwächelt.
Indigo76 04.11.2018
2.
Der FC ist auf dem zweiten Platz der Tabelle mit vier Punkten Rückstand zur Tabellenführung. Die anderen Mannschaften kommen nicht an den Bayern vorbei und die Presse hat nichts Besseres zu tun, als sich darüber auszulassen, dass die Bayern so unglaublich schlecht spielen. Merkt ihr Schmierfinken überhaupt nicht, dass ihr die komplette Liga (abgesehen vom BVB) verhöhnt? Wenn die Bayern gewinnen, wird auf ihnen rumgehackt. Gewinnen sie nicht - gleiches Spiel. Entscheidet euch mal. Ich bin übrigens kein Bayern-Fan. Ich halte Fußball für lächerlich (22 Erwachsene, die mit einem Ball spielen).
spon-facebook-10000083601 04.11.2018
3. Keine falsche Analyse zum Bayern-Problem...
...aber auch keine vollständig richtige. Es stimmt, Robert Lewandowski braucht eine kreative Pause. Er macht gerade die Hundertprozentigen nicht. Da könnte Trainer Kovac ruhig mal jemand aus der 2. oder 3. Reihe nehmen. Zum Beispiel mal Wriedt von den Amateuren. Der m.E. größere Fakt ist der offensichtliche Wunsch des Trainers Renato Sanchez über Spielpraxis zu entwickeln. Der Spieler hat Talent, kein Zweifel, aber er verliert zu oft Bälle in der Vorwärtsbewegung! Das passiert auch einem Thiago mal, aber der ist ganz schnell wieder hinter dem Ball und das ist bei Sanchez (noch) nicht so. Vielleicht sollte der Trainer auch mal eine neue Rolle für Müller finden, ihn mal als Stürmer aufstellen.
gammoncrack 04.11.2018
4. Ich frage mich angesichts diesen Kommentars,
Zitat von Indigo76Der FC ist auf dem zweiten Platz der Tabelle mit vier Punkten Rückstand zur Tabellenführung. Die anderen Mannschaften kommen nicht an den Bayern vorbei und die Presse hat nichts Besseres zu tun, als sich darüber auszulassen, dass die Bayern so unglaublich schlecht spielen. Merkt ihr Schmierfinken überhaupt nicht, dass ihr die komplette Liga (abgesehen vom BVB) verhöhnt? Wenn die Bayern gewinnen, wird auf ihnen rumgehackt. Gewinnen sie nicht - gleiches Spiel. Entscheidet euch mal. Ich bin übrigens kein Bayern-Fan. Ich halte Fußball für lächerlich (22 Erwachsene, die mit einem Ball spielen).
ob Hoeneß oder Rummenigge hier unter einem Pseudonym geschrieben haben. Wäre aber unnötig gewesen. Es wurde auf der Pressekonferenz schon alles gesagt. Wiederholungen machen diese Aussagen doch nicht besser.
sheffard 04.11.2018
5. Diese Diskussionen
Sind völlig überflüssig. Sie schlagen 3 Fliegen mit einer Klappe. Sie schonen sich und sparen Kräfte. Am Ende reicht ein Punkt Vorsprung zur Meisterschaft, es müssen nicht immer 20 sein. So wird die Bundesliga spannend und viele denken sie hätten nun eine Chance auf die Meisterschaft. Das heißt: mehr Geld wird eingenommen. Drittens, die Bayern haben mehr Kräfte für die Champions League. Es ist alles so geplant und gewollt wie es jetzt läuft. Selbstzweifel? Da kann mann nur lachen über diese Unkenntnis im Profisport.
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