Machtverhältnisse in der Bundesliga Von wegen Jupp-Jupp-Hurra

Der Trainerwechsel hat sich für die Münchner gelohnt: sechs Spiele, sechs Siege. Trotzdem wackeln sie in fast jeder Partie. Auch Jupp Heynckes ahnt, wie schnell die Stimmung wieder kippen kann.

DPA

Borussia Dortmund trifft auf den FC Bayern (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky). Es ist noch immer: das größte Spiel im deutschen Fußball. Eines der wenigen Bundesligaspiele überhaupt, deren Bedeutung man niemandem erklären muss.

Von den vergangenen 16 Titeln im deutschen Vereinsfußball wurden 14 in München oder Dortmund gefeiert. Die acht Meisterschaften sowieso, der DFB-Pokal schaute zwischenzeitlich immerhin kurz in Gelsenkirchen (2011) und Wolfsburg (2015) vorbei. Sonst immer nur rotes oder schwarz-gelbes Konfetti. Wenn sich in den vergangenen Jahren überhaupt ein Bundesligist einigermaßen konstant mit den Münchnern messen konnte, dann war es der BVB.

41 Spiele in Folge war es keinem Gegner gelungen, im Dortmunder Stadion zu gewinnen. Dann kam am 14. Oktober Leipzig und beendete diese Serie. Seltsamerweise zweifelt kaum jemand daran, dass am Wochenende gleich die nächste Pleite folgen wird - und das ist durchaus bemerkenswert.

Hat Jupp Heynckes wirklich alles umgekrempelt?

Gerade einmal vier Wochen ist es her: Interimstrainer Willy Sagnol saß unbewegt auf der Bank, er wirkte dabei so unbeteiligt, als sei er immer noch der zweite Mann hinter Carlo Ancelotti. Der FC Bayern hatte gerade eine Zwei-Tore-Führung im Berliner Olympiastadion verschenkt, wie schon neun Tage zuvor gegen den VfL Wolfsburg. Zwischen diesen beiden Remis lag noch das am Ende sogar schmeichelhafte 0:3 in Paris, das die Münchner Verantwortlichen zur Neubesetzung der Trainerposition bewogen hatte.

Das musste sie doch sein, die Umbruchsaison des FC Bayern und damit die Chance für die Konkurrenz. Fünf Punkte fehlten dem Serienmeister nach sieben Spieltagen auf die Tabellenspitze, auf den BVB. Endlich wieder eine Saison, in der die Bayern nicht schon am 30. Spieltag die GoPros auf die Weißbiergläser montieren dürfen? Dachten alle. Hofften alle.

Gerade einmal vier Wochen ist das her. Inzwischen hat sich das Bild gedreht, inzwischen schwächelt der BVB - und Jupp Heynckes hat den FC Bayern komplett umgekrempelt. Aber, Moment, hat er das eigentlich wirklich? "Wir haben noch riesige Ressourcen, wir können noch attraktiveren Fußball spielen", sagte Heynckes am Freitag. Und er hat Recht.

Drei Mal Überzahl und ein spätes Tor in Glasgow

Sechs Spiele, sechs Siege - an den Ergebnissen lässt sich nichts kritisieren. Überzeugend waren die vergangenen Auftritte jedoch nicht:

  • Beim HSV (0:1), dem damals Viertletzten der Bundesliga, hatten die Münchner 40 Minuten lang keinen funktionierenden Offensivplan. Gegen aggressiv pressende Hamburger brachte erst ein Platzverweis gegen Hamburgs Gideon Jung einen sichtbaren Vorteil im Spiel. Corentin Tolisso erzielte schließlich den erlösenden Treffer.
  • Im Pokal in Leipzig (4:5 i.E.) war RB lange das bessere Team, ehe der Platzverweis gegen Naby Keita (53.) die Balance veränderte. Trotzdem fiel die Entscheidung erst im Elfmeterschießen, ein einziger parierter Ball von Keeper Sven Ulreich trennte die beiden Teams am Ende.
  • Im Ligaspiel gegen Leipzig (2:0) dauerte es sogar nur 13 Minuten, ehe Willi Orban Rot sah und die Münchner in Überzahl gerieten. Auch hier fielen die beiden Treffer erst im Anschluss.
  • Den Erfolg in der Champions League in Glasgow (1:2) hätte der FC Bayern schließlich fast noch aus der Hand gegeben. Ein zweitklassiges Celtic kam eine Viertelstunde vor dem Spielende noch einmal zum Ausgleich, erst der entschiedene Vorstoß von Javi Martínez rettete den Abend.

Natürlich lässt sich argumentieren, dass es auch als Ausdruck von Qualität gedeutet werden kann, den Gegner in Situationen zu verwickeln, aus denen er sich durch noch kartenwürdige Fouls befreien kann. Vielleicht ist der mahnende Unterton von Heynckes aber auch angebracht. Die Ergebnisse passen, das aber ist der größte Unterschied zum Saisonstart unter Carlo Ancelotti.

Fotostrecke

9  Bilder
FC Bayern 2017/2018: Dominant ist anders

Eines lässt sich über den Trainerwechsel mittlerweile sicher sagen: Das Timing war perfekt. Der spektakuläre 5:0-Erfolg gegen den SC Freiburg hat die perfekte Grundstimmung gesetzt, die dann einfach allen nachfolgenden Spielen übergestülpt wurde. Das wird aber nur so lange funktionieren, wie die Ergebnisse stimmen.

Sofern Borussia Dortmund also nicht schnell in Unterzahl gerät, dürfte es enger und spannender zugehen, als viele Beobachter meinen. "Man darf nicht so naiv dahinfahren und sagen, die Borussia schwächelt und man macht das so mit links", sagte Heynckes. Fällt nämlich der Siegtreffer in Glasgow nicht - und landet einen Tag darauf eine der Dortmunder Großchancen im Tor von Apoel Nikosia -, dann werden nämlich beide Geschichten ganz anders erzählt.

insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spon_2937981 04.11.2017
1. Geht's um Fußball, Herr Helms?
Zitat: 'Die Ergebnisse passen, das aber ist der größte Unterschied zum Saisonstart unter Carlo Ancelotti.' Wer so einen Schmarrn schreibt, dem geht es nicht um Fußball, sondern nur um Provokation. Natürlich wackelt die Mannschaft noch, es gibt noch viel zu verbessern. Aber auf dem Platz ist schon viel anders und vor allem besser geworden, als unter Ancelotti. Das wurde auch schon gut analysiert und lang und breit erklärt. Das zu wiederholen wäre vermutlich vergebene Liebesmüh' gegenüber Herrn Helms... geht ihm ja nicht um Fußball. By the way: heute Abend gibt's (leider!!!) einen 4:1-Sieg für den BVB, trotz positiver Entwicklung unter Heynckes. Und dann dürft ihr alle wieder den Untergang des FC Bayern herbeischreiben...
streetlevel 04.11.2017
2. 2.-klassiges Celtig?
Also ich fand Celtig bei dem Spiel gegen die Bayern überragend, mutig gespielt mit jungen Talenten in der Offensive. Vor so viele Probleme stellen die wenigsten Bundesligisten die Bayern.
doppelnass 04.11.2017
3. Recherche
"Dachten alle, hofften alle." Damit meinen sie sicher die Redaktion. Denn Bayern hat in Deutschland rund 9,2 Mio. Fans, gefolgt von Dortmund mit 5,9 Mio. Kann man bei Statista abrufen.
cmann 04.11.2017
4. Hätte, hätte, Fahrradkette,
Dieser Beitrag zeigt einmal mehr wie einseitig BvB lastig die gesamte Sportredaktion bei SPON gestrickt ist, egal ob ein Bericht über die Nazi Vergangenheit des FC. Bayern (natürlich zum passenden Zeitpunkt vor dem Spiel in Dortmund) oder der oben erwähnte Bericht von Herrn Helms (schön einseitig gelb schwarz gefärbt) damit auch jeder versteht das es mehr Zufall als Können beim FC. Bayern gibt. Es ist ein ziemlich durchsichtiges Spiel was da in der Redaktion betrieben wird. Offensichtlich tut man sich schwer die Erfolge der Bayern in den letzten Jahren zu würdigen. Es wird lieber nach Negativaspekten gesucht, auch abseits des Spielfeldes, Hauptsache man berichtet irgendetwas mit dem man dem Verein am Zeug flicken kann. Objektive Berichterstattung sieht anders aus.
widower+2 04.11.2017
5. Sie verschweigen da etwas
Zitat von doppelnass"Dachten alle, hofften alle." Damit meinen sie sicher die Redaktion. Denn Bayern hat in Deutschland rund 9,2 Mio. Fans, gefolgt von Dortmund mit 5,9 Mio. Kann man bei Statista abrufen.
Nämlich dass der FC Bayern nach RB Leipzig trotz der meisten Fans auch der zweitunbeliebteste Verein Deutschlands ist und Dortmund in der Statistik der beliebtesten Verein vorne steht. Vor Mönchengladbach und Werder. Also: Man liebt sie oder man hasst, die Bayern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.