BVB-Triumph nach Derby-Frust Die Sorgen für einen Abend vergessen

Beim Kantersieg gegen Bayer Leverkusen hat Borussia Dortmund endlich wieder berauschenden Fußball gezeigt. Das Team verzückte seine Fans für ein Spiel, die Konflikte jedoch bleiben.

Jadon Sancho
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Jadon Sancho

Von Tim Pommerenke


Die Szene des Spiels: In der 63. Minute schlug der als Außenverteidiger eingesetzte Manuel Akanji einen punktgenauen Ball auf den enteilten Jadon Sancho. Der nahm ihn perfekt mit und bediente Maximilian Philipp, der im Zentrum vollstreckte. Es war blitzschneller, technisch sauberer Fußball, nach dem sich die BVB-Fans so sehr sehnen. Und es war nicht die einzige dieser gelungenen Aktionen.

Das Ergebnis: Philipps Treffer war der dritte des BVB. Am Ende stand es 4:0 (1:0). Hier geht es zur Meldung.

Die erste Hälfte: War ein Wechselbad der Gefühle für die Gastgeber. Zunächst scheiterte Sancho kläglich an Ramazan Özcan (12. Minute), um keine Minute später das 1:0 zu erzielen. Den zweiten Treffer des BVB durch Marco Reus nahm der Schiedsrichter nach Absprache mit dem Videoassistenten zurück (34.). Dann scheiterte der Nationalspieler auch noch per Elfmeter (37.).

Young Jadon: Sancho erzielte bei seinem vierten Startelf-Einsatz für den BVB sein erstes Tor. Für den 18-Jährigen war es der erste Treffer im Profibereich. In die Geschichte der Bundesliga geht er als bislang jüngster englischer Torschütze ein. Die Konkurrenz ist allerdings nicht gerade groß, da bisher nur fünf andere Engländer trafen: Ademola Lookman (2 Tore), Owen Hargreaves (5), Peter Hobday (5), Kevin Keegan (32) und Tony Woodcock (39).

Die zweite Hälfte: War ein dauerhaftes Glücksgefühl für die Fans der Gastgeber. Denn der BVB spielte endlich wieder BVB-Fußball. Zunächst zeigte Mario Götze bei der Vorlage zu Reus' 2:0 Ansätze alter Klasse (55.). Dann traf Philipp nach Vorarbeit von Akanji und Sancho (63.). Zum großen Finale hob Sancho den Ball gefühlvoll durch den Strafraum zu Reus, der zum 4:0-Endstand einnickte (79.).

Immer wenn ich gerade...: Dortmunds verletzter Stürmer Michy Batshuayi schien selbst nicht damit gerechnet zu haben, dass der BVB in seiner Abwesenheit so treffsicher ist. Das gab er über Twitter offenherzig zu. In zehn Spielen für Borussia Dortmund hatte der Belgier bisher siebenmal getroffen. Mehr als die Hälfte aller BVB-Treffer hat er seit seiner Ankunft entweder selbst erzielt oder aufgelegt. Aber: Die Kollegen können es auch ohne ihn.

Stimmungsschwankungen: Auch der BVB-Anhang hatte wohl nicht mit solch einer Leistung gerechnet. Angesichts der aktuellen Situation und nach der verdienten Derby-Niederlage schienen die Fans verschnupft. Für das Spiel gab die Südtribüne ihrer Mannschaft auf einem Banner nicht gerade motivierende Wort mit auf den Weg: "Niemand verkörpert Borussia Dortmund so wenig wie ihr". Diese Risse kann auch ein Kantersieg nicht kitten.

Rekord-Reus: Marco Reus hat seinen 60. und 61. Bundesliga-Treffer für Borussia Dortmund erzielt. Damit zieht er Jan Koller davon und an Reinhold Wosab vorbei. Der 28-Jährige hat nun nur noch sieben Spieler in der ewigen Torjägerliste des BVB vor sich. Um weiter zu klettern, hätte ihm ein verwandelter Elfmeter heute allerdings auch nicht gereicht. Auf Platz sechs der Liste steht Andreas Möller mit 71 Toren.

Sven Bender
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Sven Bender

Manni im Herzen: Für die Bayer-Profis gab es nach dem Spiel wenig Grund zur Freude. Die Ausnahme: Sven Bender. Der ehemalige BVB-Spieler in Leverkusener Diensten wurde von den Heimfans gefeiert. Im Anschluss an das Spiel nach dieser Liebesbekundung des Publikums gefragt, schob er das Wohlwollen der Südtribüne auf sein Verhalten in der Zeit beim BVB. Auch wenn es heute wieder lief beim BVB - Typen wie Sven Bender würden Mannschaft und Fans gut tun.

Borussia Dortmund - Bayer Leverkusen 4:0 (1:0)
1:0 Jadon Sancho (13.)
2:0 Marco Reus (55.)
3:0 Maximilian Philipp (63.)
4:0 Marco Reus (79.)
Dortmund: Bürki - Piszczek, Sokratis, Toprak, Akanji - Weigl, Götze - Pulisic (72. Dahoud), Reus (87. Gómez), Philipp (81.Toljan) - Sancho
Leverkusen: Özcan - Tah (42. Jedvaj), Sven Bender, Retsos - Henrichs, Kohr, Aránguiz, Bailey (46. Havertz) - Brandt - Volland, Alario (69. Bellarabi)
Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
Gelbe Karten: keine
Zuschauer: 81.360 (ausverkauft)



insgesamt 8 Beiträge
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RalfHenrichs 22.04.2018
1. Sage immer
man soll eine Saison nicht nach einem (dem gerade letzten) Spiel oder einer Phase beurteilen sondern nach dem ganzen Jahr. Danach: Dortmund ist in einer schweren CL-Gruppe Dritter geworden (allerdings näher an Nikosia als an Tottenham und Real) und wird in der BL am Ende wohl auf einem CL-Platz landen (auch wenn das noch nicht sicher ist). Heißt: die Erwartungen Achtelfinale in der CL, Platz 2 in der BL nicht erfüllt, aber nicht so weit weg. Die Mannschaft ist in der Lage auch ohne Verstärkung beides in der nächsten Saison zu erreichen, wenn sie konstant ihre Leistung zeigt (und bei einer glücklicheren Auslosung in der CL). Warum sie diese nicht gezeigt hat, weiß ich nicht und muss von den Verantwortlichen geklärt werden. Verstärkungen sind aber nötig, eben um auch schlechte Phasen zu überstehen, aber bei dem Festgeldkonto auch möglich. Nur sind sie nicht in dem Ausmaß nötig, wie manche Leute glauben. Allerdings nur wenn man die oben genannten Ziele akzeptiert. Will man wirklich Platz 1 in der BL oder gar CL-Titel anstreben, wäre viel mehr möglich. Beides halte ich aber für die nächsten Jahre für ausgeschlossen. Hierfür wäre ja auch ein Heimsieg gegen Bayer kein Maßstab.
spiegelhasser111 22.04.2018
2. Sehr schön
Anzusehen. Und schön dass der Trainer endlich die auf der Bank gelassen hat die keine Lust mehr haben oder es einfach nicht mehr packen. Jetzt muss nur noch Watzke die Konsequenzen ziehen und Sahin, Schmelzer und Schürrle loswerden und verkaufen!!!!
Papazaca 22.04.2018
3. Dieser Sieg macht deutlich, was seit Klopp passiert ist
Erstmal freue mich über den Sieg. Und wie er erspielt wurde. Und ich hoffe auf weitere gute Spiele, damit sich der BVB für die CL qualifiziert. Sofort danach kommen aber Gedanken an die vergangene Zeit und an alle Baustellen hoch. Und der BVB hat einige. Und um es klar zu machen: Ich will mich jetzt nicht auf Watzke + Zorc stürzen Die haben insgesamt eine gute Arbeit geleistet. Aber zuletzt eben leider nicht. Sie schulden dem BVB, den Fans, der Mannschaft, ja selbst den gegnerischen Vereinen und Fans einiges. Ich hoffe, das Sie uns wieder mit guter Arbeit überzeugen. Schwächeperioden hat fast jeder.. Aber jetzt ist es wieder Zeit, einen BVB zu erleben, der seinen eigenen Ansprüchen und Möglichkeiten gerecht wird. Wenn selbst schon Bayern-Fans Mitleid mit uns haben, sagt das viel aus.
Papazaca 22.04.2018
4. Experten, die wissen, welche Köpfe rollen sollten ...
Zitat von spiegelhasser111Anzusehen. Und schön dass der Trainer endlich die auf der Bank gelassen hat die keine Lust mehr haben oder es einfach nicht mehr packen. Jetzt muss nur noch Watzke die Konsequenzen ziehen und Sahin, Schmelzer und Schürrle loswerden und verkaufen!!!!
Mich hat Schmelzer weder als Spieler noch als Kapitän zuletzt überzeugt. Das gilt auch eingeschränkter für Schürle und Sahin. Aber wenn man gerecht ist, gilt das auch für viele andere Spieler. Watzke und Zorc waren in der letzten Zeit sicher nicht gerade erfolgreich. Aber sie haben viel für den BVB geleistet. Von dieser "Laßt Köpfe rollen-Methode"halte ich nicht viel. Dazu braucht es sehr viel mehr Kenntnisse. Haben Sie die? Eher geht es darum, wer als Trainer kommt, wie er die Mannschaft motivieren kann, wie die Mannschaft verstärkt wird und wie sie dann spielt. Klar muß man eine Mannschaft verändern, das liegt in der Natur des Fußballs. Aber mit so einem "Laßt Köpfe rollen -Kommentar " kann ich nicht viel anfangen. Man läßt natürlich dabei nur an die Köpfe der anderen rollen. Der eigene Kopf wird nie in Frage gestellt. Nach manchen Kommentaren kann man aber an dieser Einstellung so seine Zweifel haben.
immerfroh 22.04.2018
5.
Zitat von PapazacaMich hat Schmelzer weder als Spieler noch als Kapitän zuletzt überzeugt. Das gilt auch eingeschränkter für Schürle und Sahin. Aber wenn man gerecht ist, gilt das auch für viele andere Spieler. Watzke und Zorc waren in der letzten Zeit sicher nicht gerade erfolgreich. Aber sie haben viel für den BVB geleistet. Von dieser "Laßt Köpfe rollen-Methode"halte ich nicht viel. Dazu braucht es sehr viel mehr Kenntnisse. Haben Sie die? Eher geht es darum, wer als Trainer kommt, wie er die Mannschaft motivieren kann, wie die Mannschaft verstärkt wird und wie sie dann spielt. Klar muß man eine Mannschaft verändern, das liegt in der Natur des Fußballs. Aber mit so einem "Laßt Köpfe rollen -Kommentar " kann ich nicht viel anfangen. Man läßt natürlich dabei nur an die Köpfe der anderen rollen. Der eigene Kopf wird nie in Frage gestellt. Nach manchen Kommentaren kann man aber an dieser Einstellung so seine Zweifel haben.
Da stimme ich zu. Wir wissen nicht ob das bei einigen als Frustabbau dient oder ob sie Genugtuung aus dem Scheitern anderer ziehen. Offenbar ziehen einige Zeitgenossen so missmutig durchs Leben, dass sie ihre Unzufriedenheit und Selbsthass auf andere, hier Bundesligaspieler, projezieren müssen. Man sollte langjährige Borussen nicht verreißen und der Meute zum Fraß vorwerfen. Es gibt würdigere Abschiede. Und gerade Marcel Schmelzer hat sich bisher immer zum BVB bekannt . Ein grandioser Fußballer war er noch nie. Aber so schlecht wie er von einigen gemacht wird, kann er gar nicht sein. Immerhin war er bei Klopp gesetzt, Tuchel machte ihn zum Kapitän, bei Bosz und Stöger war er, sofern nicht verletzt, auch erste Wahl. Im Prinzip irren sich seit fast 10 Jahren alle Trainer . Dass er jetzt eine schwierige Phase durchmacht, ist unverkennbar. Aber in diese schnelllebigen Zeit sollte man mehr Geduld bewahren .
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