Dortmunds Unentschieden gegen Freiburg Die nächste Enttäuschung

Pfeifende Fans, dünnhäutige Spieler und ein geladener Sportdirektor: Nach dem Unentschieden gegen Freiburg droht die Stimmung in Dortmund zu kippen. Und was wird aus Pierre-Emerick Aubameyang?

Pierre-Emerick Aubameyang
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Pierre-Emerick Aubameyang


Die Passage fehlt im Musterarbeitsvertrag für Fußballprofis, aber es gehört dazu, dass sie nach Abpfiff vor die Tribüne gehen, auf der die Dauersänger stehen. Die Spieler von Borussia Dortmund erledigten das gestern pflichtgemäß, auch wenn ihre Fans trotz eines Tores in letzter Sekunde pfiffen. Das 2:2 (1:1) gegen den SC Freiburg war die nächste Enttäuschung in einer an Enttäuschungen so reichen Saison.

Vielleicht war es das letzte Mal, dass Pierre-Emerick Aubameyang den Weg vor die Südtribüne ging. Er nahm ein paar Schlucke aus der Pulle, klatschte verhalten in die Hände und schlurfte dann vom Platz. Nachdem er aus der Dusche kam, machte er das, was er immer macht: Er verschwand, ohne ein Wort zu sagen.

"Keine optimale Leistung"

Also mussten andere über ihn sprechen. Einen sachdienlichen Hinweis auf die drängende Frage, ob Aubameyang bis Mittwoch noch zu einem anderen Verein, vermutlich dem FC Arsenal, wechselt, gab es aber nicht. "Zu seiner Zukunft kann ich nichts sagen", gab BVB-Trainer Peter Stöger zu Protokoll. Zur möglichen Abschiedsvorstellung des Torjägers fand er dann Worte, die noch geschönt waren: "Er hat sich in eine größere Gruppe von Spielern eingegliedert, die heute nicht ihre optimale Leistung abgerufen hat."

In der ersten Halbzeit gab es noch ein paar Szenen, die daran erinnerten, dass Aubameyang einer der besten Stürmer der Bundesliga ist. So köpfte er nach einer Flanke auf das Tornetz. Auch beim 1:0 in der neunten Minute durch Shinji Kagawa war er ein bisschen beteiligt. Er stand immerhin in dem Knäuel, in dem der Ball von einem Bein zum anderen flipperte.

Aber in der zweiten Halbzeit war Aubameyang das Sinnbild des BVB im Winter 2017/18: kaum Bewegung, keine Torgefahr, keine Idee. "Es braucht ein bisschen Überwindung, um in gefährliche Räume zu kommen. Das hat ein bisschen gefehlt heute", klagte Trainer Stöger. Es war auf die Mannschaft gemünzt, es traf auf Aubameyang aber sicher zu.

Die Stimmung wird schlechter

Jeremy Toljans Treffer in der letzten Sekunde sorgte dafür, dass Stöger auch in seinem fünften Bundesligaspiel mit dem BVB ohne Niederlage blieb. Aber mit den Leistungen der Spieler wird auch die Stimmung unter den Zuschauern immer schlechter. Die Pfiffe des Publikums, die nach dem 1:1 durch Nils Petersen (21.) einsetzten, brachten Roman Bürki in Rage, der gegen die Fans auf den Sitzplätzen ätzte: "Die haben keine Ahnung vom Fußball."

Michael Zorc lief vor Wut an, als er von Bürkis Aussagen beim Fernsehsender "Sky" hörte. Dortmunds Sportdirektor war so geladen wie selten: "Ich empfehle jedem einzelnen Spieler, sich das nochmal 90 Minuten anzuschauen. Dann müssen sie aufpassen, dass sie nicht selbst pfeifen."

Eine der schlechtesten Aktionen des Spiels musste Bürki ausbaden. Nils Petersen schoss aus gut 40 Metern sofort, nachdem er einen Rückpass des ganz schwachen Nuri Sahin abgefangen hatte. Der Ball senkte sich hinter dem Schweizer Torhüter ins Netz (68.), die Freiburger waren auf dem besten Weg, den seit dem 1:1-Ausgleich desolaten BVB zu bezwingen.

"Wenn Arsenal die Forderungen erfüllt, darf Aubameyang gehen"

Mit seinem ersten Bundesligatreffer für die Dortmunder minderte Toljan den Schaden und traf Bürkis ehemaligen Trainer ins Mark: "Das ist sehr schade für uns", sagte Freiburgs Christian Streich, "aber wenn wir stabil bleiben und unsere Kraft behalten, auch die mentale, dann können wir es schaffen, in der Bundesliga zu bleiben."

Borussia Dortmund will nicht nur in die Champions League, sondern laut Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die Saison auf dem zweiten Platz beenden. Zunächst geht es jedoch um ein anderes Ende, die Schließung des Transferfensters. "Wenn Arsenal die Forderungen völlig erfüllt, darf Aubameyang gehen", sagte Zorc vor dem Spiel, als seine Laune noch deutlich besser war.

Borussia Dortmund - SC Freiburg 2:2 (1:1)
Kagawa (9.)
Petersen (21., 68.)
Toljan (90.+3)
Dortmund: Bürki - Piszczek, Sokratis, Toprak, Toljan - Castro (46. Götze), Sahin (78. Isak), Kagawa - Pulisic (67. Yarmolenko), Aubameyang, Sancho
Freiburg: Gikiewicz - Kempf, Gulde, Söyüncü - Günter, Abrashi, Koch, Kübler - Haberer (84. Dräger), Petersen, Höler (82. Kleindienst)
Schiedsrichter: Bastian Dankert
Zuschauer: 81.360
Gelbe Karten: Castro / -



insgesamt 84 Beiträge
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Seite 1
briancornway 27.01.2018
1. Sortieren
Es ist an der Zeit, dass in Sachen Aubameyang Klarheit eintritt. Für die Mannschaft ist die Unruhe nicht hilfreich, und er selber spielt inzwischen auch etwas gehemmt, zumal ihm neuerdings jedes Lächeln zum Vorwurf gemacht wird. Die Rückrundenmannschaft muss sich sortieren und einspielen können, in anderthalb Wochen muss man überzeugender auftreten als heute gegen Freiburg. Wenn die Fans dazu etwas beitragen können, prima. Wenn nicht, dann sollen sie wenigstens nicht schaden.
zoon.politicon 27.01.2018
2.
"Es braucht ein bisschen Bewegung, um in gefährliche Räume zu kommen. Das hat heute gefehlt". Diese Bemerkung von Trainer Stöger läßt sich bezüglich Aubameyang vielleicht so umdeuten, dass Aubameyang sich nicht der erhöhten Verletzungsgefahr aussetzen wollte/ will, die ein Torjäger in dem Kampfsport Fußball desto mehr hat, je torgefährlicher er ist, dies erst recht vor einem Wechsel zu einem anderen Club. Immerhin ist auch für einen Aubameyang sein Körper sein - viele Millionen schweres und sehr verletzliches - Kapital.
gammoncrack 27.01.2018
3. Seit über 60 Jahren bin ich eingefleischter BVB-Fan und
habe viele Höhen und Tiefen miterlebt. Mich bedrückt heute sehr, dass ein Kader aus teils wirklich mehr als guten Spielern einen derartigen Müll zusammenspielen kann. Die Spieler sind total verunsichert und der Trainer, weder Bosz noch Stöger sind scheinbar in der Lage, diese Unsicherheit abzuschaffen. Im Moment sehe ich für diese Saison wirklich schwarz.
peterw 27.01.2018
4. Keine Angst, BVB
Aber auch nur, weil Leipzig, Hoffenheim und Co denselben Mist spielen. Arme Liga, wenn aktuell eine Frankfurter Eintracht auf einem CL Platz ist, so sehr ich mich für den Club auch freue.
licht_und_schatten 27.01.2018
5.
Offensichtlich war die Entlassung Tuchels ohne eine echte Alternative ein gewaltiger Fehler. Wenn man die letzten BVB-Spiele mit denen aus Klopps und Tuchels Zeiten vergleicht, kommen einem die Tränen.
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