BVB-Remis gegen Augsburg Unglück ohne Ende

Einen Neustart hatte sich Borussia Dortmund zum Auftakt der Rückrunde gewünscht. Doch statt eines Erfolgserlebnisses musste der BVB die nächsten Schicksalsschläge hinnehmen: nur Remis gegen Augsburg und ein Knieverletzter. Trainer Klopp wirkt ratlos.

Von , Dortmund

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Es war ein geradezu hellseherischer Fauxpas, der dem Dortmunder Stadionsprecher am Samstagnachmittag um kurz vor halb vier unterlief. "Wir wollen das neue Jahr beginnen, wie das alte aufgehört hat", rief Norbert Dickel vor dem 2:2 (1:0) gegen den FC Augsburg ins Mikrofon. Eine reichlich unpassende Aufforderung. Schließlich war 2013 mit einem 1:2 gegen Hertha BSC zu Ende gegangen, der Dezember war geprägt von Verletzungen, Selbstzweifeln und einer Serie mit nur vier Punkten aus sechs Partien.

Der Wunsch nach einem Neustart wäre also passender gewesen, aber vielleicht ahnte Dickel irgendwie schon, dass sich diese Hoffnung nicht erfüllen würde.

Gerade einmal vier Pflichtspielminuten waren im Jahr 2014 absolviert, da musste Jakub Blaszczykowski mit einer schweren Knieverletzung ausgewechselt werden. Möglicherweise sei das vordere Kreuzband im rechten Knie gerissen, lautete die erste düstere Diagnose. Und das darauf folgende Spiel hellte die Stimmung auch nicht auf, der ganze Verlauf des Nachmittags fühle sich "sehr bescheiden" an, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp.

Dortmund ist verunsichert

Dabei lautete einer der zentralen Vorsätze fürs neue Jahr, die Schwere des Herbstes endlich abzuschütteln. Die enorme Anzahl von Verletzungen sollte sich deutlich reduzieren und überhaupt sollten wieder die alte Begeisterung für den speziellen Dortmunder Spielstil und der Glaube an das vor einem Jahr noch in ganz Europa gefeierte schwarz-gelbe Projekt zurückkehren. Nun musste Klopp mit düsterer Miene verkünden: "Wir haben uns viel vorgenommen, aber heute hat man gesehen, dass es auch zu Verkrampfungen führen kann, wenn man sich viel vornimmt." Ein besorgniserregender Befund.

Als Klopp gefragt wurde, wie er denn verlorene Tugenden wie Leichtigkeit und spielerischen Einfallsreichtum reanimieren wolle, wirkte der Trainer ratlos wie selten. "Das ist die Quadratur des Kreises", sagte er. Lediglich Mittel, auf deren Anwendung er verzichten werde, konnte er benennen: "Wir werden nicht im Kreis tanzen und kommende Woche in Braunschweig auch nicht mit bunten Kappen auflaufen."

Einer verkrampften Mannschaft wieder die passende Mixtur aus Ernsthaftigkeit, Selbstvertrauen, Freude und Leichtigkeit zu vermitteln, ist eine der kompliziertesten Herausforderungen, vor der ein Fußballtrainer stehen kann. Wenn der Kern des Problems nur ein Mangel an Einsatzbereitschaft wäre, ließe sich wahrscheinlich mit ein paar Motivationsmaßnahmen und dem Einsatz frischer Spieler gegensteuern, aber "an der Leidenschaft liegt es nicht", versicherte Kapitän Sebastian Kehl.

Ausgleich nach Drehbuch

Die Borussia scheint unter einem atmosphärischen Problem zu leiden, gerade vor diesem Hintergrund wäre ein Sieg zum Rückrundenauftakt von enormer Bedeutung gewesen. Das zarte Selbstvertrauen, dass das Team im Trainingslager entwickelt hatte, sollte weiter wachsen, nun ist es eher beschädigt worden. "Man hat gespürt, wie verunsichert die Dortmunder sind", sagte Augsburgs Jan-Ingwer Callsen-Bracker. Und Blaszczykowskis schwere Verletzung passt ins Gesamtbild dieser Dortmunder Befindlichkeiten. Am Sonntagmorgen um zehn Uhr soll eine Untersuchung Aufschluss über die Schwere der Blessur geben.

Nicht einmal die beiden Führungstreffer zum 1:0 (Sven Bender, 6. Minute) und zum 2:1 (Nuri Sahin, 66.) stabilisierten den BVB gegen den bestens sortierten Gegner, der sich mit zunehmender Spieldauer immer mehr zutraute. Erst unterlief Bender ein Eigentor (56.) und dann traf auch noch Dong-Won Ji zum verdienten Ausgleich (72.).

Dieses 2:2 war so etwas wie der Höhepunkt der Dortmunder Tragödie, der Treffer folgte nämlich einem "Drehbuch, das eigentlich schon vorher geschrieben war", wie Augsburgs Manager Stefan Reuter sagte. Ab dem Sommer wird Ji bei Borussia Dortmund spielen, er kommt dann ablösefrei vom AFC Sunderland. Weil die Engländer aber schon jetzt keine Verwendung mehr für den 22-Jährigen hatten, konnten die Augsburger den Angreifer, der in der vorigen Saison schon für den Club spielte, günstig für die Rückrunde ausleihen. Und prompt wurde der künftige Dortmunder zu einem Protagonisten des schwarz-gelben Unglücks, das einfach kein Ende finden will.

Borussia Dortmund - FC Augsburg 2:2 (1:0)
1:0 Bender (6.)
1:1 Bender (56., Eigentor)
2:1 Sahin (66.)
2:2 Ji (72.)
Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Bender, Sokratis, Schmelzer - Sahin, Kehl - Blaszczykowski (6. Aubameyang), Mchitarjan (84. Schieber), Reus - Lewandowski
Augsburg: Hitz - Verhaegh, Callsen-Bracker, Klavan, Ostrzolek - Baier - Hahn, Vogt, Altintop (35. Milik, 88. Hong), Werner - Bobadilla (70. Ji)
Schiedsrichter: Welz
Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Bender (2), Sokratis (2) - Hahn (6), Werner (3)

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insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
tylerdurdenvolland 25.01.2014
1. Kopf hoch, BVB!
Zitat von sysopDPAEinen Neustart hatte sich Borussia Dortmund zum Auftakt der Rückrunde gewünscht. Doch statt eines Erfolgserlebnisses musste der BVB die nächsten Schicksalsschläge hinnehmen: nur Remis gegen Augsburg und ein Knieverletzter. Trainer Klopp wirkt ratlos. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-borussia-dortmund-fehlt-weiterhin-das-selbstvertrauen-a-945565.html
Es geht doch aufwärts... nach längerer Zeit ein Heimspiel nicht verloren! Respekt! Die schwachen Bayern hingegen haben, wenn man den Medien glauben darf, mal wieder mal keine Glanzleistung hingelegt...
decebalus911 25.01.2014
2. Armin Vehhhhäääh
Zitat von sysopDPAEinen Neustart hatte sich Borussia Dortmund zum Auftakt der Rückrunde gewünscht. Doch statt eines Erfolgserlebnisses musste der BVB die nächsten Schicksalsschläge hinnehmen: nur Remis gegen Augsburg und ein Knieverletzter. Trainer Klopp wirkt ratlos. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-borussia-dortmund-fehlt-weiterhin-das-selbstvertrauen-a-945565.html
Echt übel, wir holen den BvB auf die Erfolgsspur zurück...
Levator 26.01.2014
3. Bitter
diese Verletzung eines Leistungsträgers... Dieser Verein hat ja nicht so viele.
_Mensch_, 26.01.2014
4.
Leider muss ich sagen, dass Aubameyang und Mikhitaryan die für sie bezahlten Ablösesummen nicht rechtfertigen und einer der Hauptgründe für die Ineffektivität des BVB sind. Lewandowski ist wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Viel interessanter ist aber, dass die BVB-Gegner aus sehr wenigen Chancen ein bis zwei Tore schaffen.
austübingen 26.01.2014
5. Gute Besserung Kuba
Zitat von sysopDPAEinen Neustart hatte sich Borussia Dortmund zum Auftakt der Rückrunde gewünscht. Doch statt eines Erfolgserlebnisses musste der BVB die nächsten Schicksalsschläge hinnehmen: nur Remis gegen Augsburg und ein Knieverletzter. Trainer Klopp wirkt ratlos. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-borussia-dortmund-fehlt-weiterhin-das-selbstvertrauen-a-945565.html
Der BVB scheint in dieser Saison ja wirklich das "Rundum-All inclusive-Alles geht schief"-Abo gebucht zu haben. Dennoch: "Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist". Das pflegte meine Oma immer zu sagen.
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