Drei Thesen zur Bundesliga Dortmund hätte auch mit Paco Alcácer nicht gewonnen

Bei Borussia Dortmund herrscht nach dem 0:0 in Hannover Ernüchterung. Jetzt ruhen die Hoffnungen auf Zugang Paco Alcácer. Aber für die aktuelle Spielweise des BVB ist er der falsche Stürmertyp.

Marco Reus (Mitte)
FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Marco Reus (Mitte)

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1. Paco Alcácer wird diesen BVB nicht voranbringen

Er soll der Heilsbringer für das Dortmunder Offensivspiel sein, der Neuner zwischen all den Außenbahnspielern, der im Zentrum die Tore machen soll. Ohne Frage, mit Paco Alcácer wird das Spiel des BVB facettenreicher. Aber Probleme, die das torlose Unentschieden in Hannover offenbarte, kann auch der Spanier nicht lösen. Das liegt weniger an seiner fußballerischen Klasse als vielmehr an seiner Körpergröße. Das Spiel bei 96 zeigte, wie die Mannschaft von Lucien Favre reagiert, wenn sie früh angelaufen und bei eigenem Abstoß zugestellt wird. Sie schlägt lange Bälle.

Das ist sicher nicht Favres bevorzugter Spielaufbau, kann aber durchaus ein probates Mittel sein, wie der Gegner zeigte: Hannovers Niclas Füllkrug gewann viele Kopfballduelle und machte Bälle fest. 17 Luftzweikämpfe bestritt der Hannoveraner. Siebzehn. Er gewann davon acht, eine beachtliche Quote für einen Angreifer. Zum Vergleich: Dortmunds gesamte Offensivreihe ging in fünf Luftduelle und gewann davon nur zwei. Dennoch versuchte es Dortmund mit hohen Bällen, weil Hannover so gut zustellte. Das Ergebnis war schwach: Roman Bürki spielte 15 Bälle in die gegnerische Hälfte, nur drei kamen an. Für lange Bälle braucht man große Spieler, größere als Alcácer mit seinen 1,75 Metern.

2. André Breitenreiter hat Lucien Favre ausgecoacht

Nach dem spektakulären 4:1-Sieg gegen RB Leipzig wurde der neue BVB-Trainer Favre für seine taktisches Geschick gelobt. Mit Axel Witsel, Mahmoud Dahoud und Thomas Delaney bot er drei ähnliche Spielertypen auf, die die Dortmunder Mittelfeldzentrale kompakt hielten und sich gleichzeitig als Box-to-Box-Spieler im Wechsel in die Offensive einschalteten. Gegen RB ging der Plan auf, trotz schnellen Rückstands gewann die Borussia souverän und stürmte an die Tabellenspitze.

Lucien Favre
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Lucien Favre

Das Problem: Was gegen die aggressiven Leipziger gut funktioniert hat, war von den defensiv clever und kompakt agierenden Hannoveranern leicht zu entschlüsseln. 96-Trainer André Breitenreiter stellte sein Team perfekt ein. Hannover unterband das Dortmunder Kurzpassspiel im Aufbau und schaltete defensiv schnell um, zog sich im richtigen Moment zurück und ließ die Borussia nicht kombinieren. Das offenbarte eine Schwäche im neuen BVB-System: So stark Witsel, Dahoud und Delaney gegen den Ball und im offensiven Umschaltspiel sind, so groß sind ihre Probleme, gegen tiefer stehende Gegner Chancen zu kreieren.

3. Ein Pünktchen dank Anton

Ein Spieler ragte aus Hannovers starkem Defensivkonstrukt heraus und wurde zum Garanten für den verdienten Punktgewinn: Waldemar Anton. Der 22-jährige Innenverteidiger hatte die meisten Ballaktionen - wie es sich für einen Hannoveraner Kapitän gehört, waren es 96. Dazu spielte er die meisten Pässe aller Spieler auf dem Feld und hatte dabei die beste Passquote. Der Kapitän leistete sich kaum einen Fehler.

Genau das könnte zum Problem für Hannover werden. Das 96-Eigengewächs könnte schnell zu einem der prägenden Verteidiger der Bundesliga reifen und damit auch für andere, zahlungskräftigere Vereine interessant werden. Breitenreiter wird die Leistung seines Kapitäns daher wohl auch mit leichten Bauchschmerzen sehen. Denn in der Abwehrzentrale hat so mancher europäischer Topklub noch Bedarf. Bedarf nach einem wie Anton.



insgesamt 21 Beiträge
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gammoncrack 01.09.2018
1. Das ist schon witzig.
Da spielt der BVB auswärts gegen einen stark spielenden Gegner unentschieden, und sofort ist alles Mist. Noch vor einigen Monaten wären alle BVB-Fans froh gewesen, wenn dieser Verein mit einem Punkt wieder nach Hause gekommen wäre. Wie um die Bundesligavereine bestellt ist, wird sich wohl erst in einigen Wochen zeigen. Aber es macht natürlich Spaß, bereits nach 2 Spielen die Prognose zur Tabelle des letzten Speiltages abzugeben.
Affenhauptmann 01.09.2018
2. Mittelmaß
Der BVB hat sich mit Favre keinen Gefallen getan. Beim Spiel gegen Leipzig sind sie gegen spielerisch klar bessere Leipziger glücklich mit 2:1 in Führung gegangen und konnten sich dann auf ihr Konterspiel konzentrieren. Das wird aber nur gegen 2-3 andere Mannschaften funktionieren. Der Rest stellt sich hinten rein und dann hat Favre keine Lösungen. Hat er sowohl bei Hertha als auch bei Gladbach gezeigt. Bei beiden haben sich nach einer guten Vorsaison die Gegner wesentlich defensiver aufgestellt und die Ergebnisse sind bekannt. Das Spiel gestern zeigte aber auch die gesamte Mittelmäßigkeit der BL.
Papazaca 01.09.2018
3. Der Affenhauptmann weiß Bescheid
Zitat von AffenhauptmannDer BVB hat sich mit Favre keinen Gefallen getan. Beim Spiel gegen Leipzig sind sie gegen spielerisch klar bessere Leipziger glücklich mit 2:1 in Führung gegangen und konnten sich dann auf ihr Konterspiel konzentrieren. Das wird aber nur gegen 2-3 andere Mannschaften funktionieren. Der Rest stellt sich hinten rein und dann hat Favre keine Lösungen. Hat er sowohl bei Hertha als auch bei Gladbach gezeigt. Bei beiden haben sich nach einer guten Vorsaison die Gegner wesentlich defensiver aufgestellt und die Ergebnisse sind bekannt. Das Spiel gestern zeigte aber auch die gesamte Mittelmäßigkeit der BL.
Nach zwei Spielen wissen Sie schon alle Wahrheiten. Und Favre kennen Sie sicher besser, als der sich selbst. Trotz dieses "Superkommentars" ein Kompliment: Ihr Nutzername gefällt mir. Da ich da, wo ich wohne, jede Menge Affen hinter dem Haus habe, wäre es schön zu sehen, ob die Sie als Hauptmann akzeptieren würden. Die haben natürlich nicht Ihren Kommentar gelesen. Was meinten Sie noch zur BL, natürlich gleich zur gesamten BL - der zweite Spieltag hat gerade erst begonnen- ? Mittelmäßig? Das bringt mich auf eine Idee ....
Das_Panikorchester 01.09.2018
4. Wozu noch Reservebank?
Hannover stand gestern klasse und kompakt. Trotzdem: Wieso wechselt Favre frische Spieler nicht bereits ab der 60. Minute ein? Hat er ernsthaft glaubt, fünf Minuten vor Schluss dem Spiel noch eine entscheidende Wende geben zu können?
diewildedreizehn 01.09.2018
5. Nee, es ist eher traurig
Zitat von gammoncrackDa spielt der BVB auswärts gegen einen stark spielenden Gegner unentschieden, und sofort ist alles Mist. Noch vor einigen Monaten wären alle BVB-Fans froh gewesen, wenn dieser Verein mit einem Punkt wieder nach Hause gekommen wäre. Wie um die Bundesligavereine bestellt ist, wird sich wohl erst in einigen Wochen zeigen. Aber es macht natürlich Spaß, bereits nach 2 Spielen die Prognose zur Tabelle des letzten Speiltages abzugeben.
Also traurig ist, dass solch unsinnig wirkende Vergleiche herangezogen werden um das offensichtliche zu beschönigen. Seit der Zeit von "vor einigen Monaten" hatsich derart viel verändert, dass sich dieser Vergleich eigentlich von allein verbietet. Neuer Trainer, rundum umgepflügter Kader, lange gemeinsame Vorbereitungszeit ... all das liegt zwischen damals und heute. Also sollten wir nicht die Stögerzeit zum Maßstab nehmen sondern die unter Favre. Es ist noch früh in der Saison und es mag sich noch manches einspielen. Aber angesichts des gestrigen Auftritts muss es das auch. Denn der BVB hat andere Ziele, muss andere Ziele haben als Nizza, BMG oder die Hertha. Mal schauen, was Favre dort gelingt. Mehr als eine weitestgehend problemlose erneute CL-Teilnahme würde ich jedoch noch nicht erwarten. Und das wäre angesichts der Unsummen, die seit Jahren in diesen Kader gesteckt wurden, wahrlich noch kein Ruhmesblatt.
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