Bundesliga-Top-Spiel Dortmund - Bayern Schwach und schwächer

Bayern München ist keine Weltklassemannschaft mehr. Was sagt es dann aus, dass Borussia Dortmund im Spitzenspiel noch eine ganze Klasse schlechter war als die Münchner? Für die Bundesliga nichts Gutes.

Ömer Toprak (l.) gegen Robert Lewandowski
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Ömer Toprak (l.) gegen Robert Lewandowski

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Frage des Spiels: Wie gut ist die Bundesliga wirklich? Das wird vermehrt diskutiert, seit die deutschen Vertreter im Europapokal kaum noch siegen. Die Antwort nach einem der schwächsten "Klassiker" seit Langem: Bayern ist schlechter als in den vergangenen Jahren. Und Dortmund viel schlechter.

Das Ergebnis: 3:1 (2:0) gewann Bayern in Dortmund. Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Der FC Bayern ging schon nach einer guten Viertelstunde in Führung. Ein Gegentor, das aus BVB-Sicht gleich mehrfach hätte verhindert werden können, ehe Arjen Robben im Strafraum unbedrängt zum Abschluss kam. Drei sehr große Chancen gab es dann innerhalb von wenigen Minuten auf beiden Seiten: Dortmunds Andrey Yarmolenko scheiterte im Eins-gegen-eins an Sven Ulreich, Robert Lewandowski im Eins-gegen-eins an Roman Bürki. Und Shinji Kagawa traf den rechten Außenpfosten. Das nächste Tor fiel aber wieder gegen den BVB: Robben und Joshua Kimmich lösten eine Zwei-gegen-zwei-Situation auf der rechten Seite so clever auf, dass Kimmich unbedrängt flanken konnte. In der Mitte lenkte Lewandowski den Ball, obwohl direkt zwischen zwei Abwehrspielern postiert, mit der Hacke ins Netz.

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Fotostrecke: Bayrische Dominanz, ideenloser BVB

Die zweite Hälfte: Der Klassenunterschied zwischen beiden Teams, aber auch die mangelnde Klasse der Bayern, offenbarte sich kurz nach Wiederanpfiff. Robben ließ Toprak einmal mehr schlecht aussehen und flankte ungestört vors Tor. Lewandowski stieg frei hoch und köpfte aus fünf Metern - aber direkt vor die Füße von Bürki. Das dritte Tor fiel trotzdem gegen den Schweizer Keeper. David Alaba wollte wohl eigentlich flanken, aber seine Hereingabe von links wurde von Lewandowski und, natürlich, Toprak nicht mehr berührt, sodass der Ball einfach in die lange Ecke sprang. Kurz vor Schluss erzielte Marc Bartra mit dem schönsten Abschluss des Abends noch den Ehrentreffer für den BVB.

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Dortmund in der Einzelkritik: Sie waren stets bemüht

Der beste Mann des Spiels: Nicht nur in den USA wird Christian Pulisic eine große Zukunft prophezeit. Der Dortmunder gewann gegen Bayern doppelt so viele Dribblings wie die gesamte Münchner Mannschaft. Und mehr als irgendein Bundesligaspieler in dieser Saison. Vor dem Bartra-Tor narrte er drei Bayern an der Eckfahne. Gerade in einer nicht besonders guten und ziemlich alten BVB-Startelf (über 27 Jahre im Durchschnitt) repräsentiert Pulisic die Zukunft. Ist dieser unbekannte Amerikaner gut genug für den BVB, fragte man sich bei seiner Verpflichtung. Nach jetzigem Eindruck ist Borussia Dortmund nicht mehr gut genug für Christian Pulisic.

Was zu beweisen war: "Frauen begegnen im Beruf ständig gut gemeinten Demütigungen", schreibt Melanie Amann in ihrem lesenswerten Debattenbeitrag im neuen SPIEGEL. Davon kann auch Bibiana Steinhaus ein Lied singen. Die vierte Offizielle des Spiels rückte nach 80 Minuten kurz in den Blickpunkt, als sich Schiedsrichter Tobias Stieler verletzte. Steinhaus hätte vielleicht einspringen müssen. Sky-Kommentator Wolff Fuss fiel dazu nur ein: "Frau Steinhaus, in der Hoffnung, dass sie das kurze Höschen dabeihat für die letzten acht Minuten." Man kann Amann nur zustimmen: Inflationär sind zurzeit nicht Debatten über Sexismus. Inflationär ist Sexismus.

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FC Bayern in der Einzelkritik: Robbens Rache

Was sagt die Heynckes-Tabelle? Seit Jupp Heynckes Carlo Ancelotti abgelöst hat, hat Borussia Dortmund elf Punkte weniger geholt als der FC Bayern. Aber das liegt weniger an der überragenden Klasse der Münchner als an der Schwäche des BVB: Nur ein Sieg aus den vergangenen sieben Pflichtspielen, und der gegen Drittligist Magdeburg im Pokal. Bayern spielte in Dortmund gut, aber nicht überragend. Auf keinen Fall besser als beim 3:0-Sieg auf Schalke im September - eine Woche bevor Ancelotti entlassen wurde. In dieser Verfassung ist auch der FC Bayern keine europäische Spitzenmannschaft. Aber immer noch eine Klasse besser als dieser BVB.

Borussia Dortmund - Bayern München 1:3 (0:2)
0:1 Robben (17.)
0:2 Lewandowski (37.)
0:3 Alaba (67.)
1:3 Bartra (88.)
Borussia Dortmund: Bürki - Bartra, Sokratis (42. Toljan), Toprak, Schmelzer - Weigl - Kagawa (68. Götze), Castro - Yarmolenko (80. Sancho), Aubameyang, Pulisic
Bayern München: Ulreich - Kimmich, Hummels, Süle, Alaba (74. Rafinha) - Thiago, Martínez (81. Rudy) - Robben, James (84. Vidal), Coman - Lewandowski
Gelbe Karten: Schmelzer, Toprak / Alaba, Martínez
Schiedsrichter: Stieler
Zuschauer: 81.360

insgesamt 116 Beiträge
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hanbil 04.11.2017
1. Man kann auch alles schlechtreden...
BVB der Überflieger am Anfang der Saison. Bayern haben einen Lauf. Also warum wird der Sieg der Bayern so niedergeschrieben? Sie haben Leipzig zweimal und den BVB heute geschlagen. Klasse Leistung.
romeov 04.11.2017
2. Die Bayern haben das bessere System
und die Headline suggeriert ein schwaches Spiel, was es aber nicht war.
austromir 04.11.2017
3. So what
Heinkes und Flussläufe Bayern reichen allemal für Watzke, bosz, Schmelzer und Co. Das war zu erwarten. Einzig spannende Frage: reagiert irgendjemand beim BVB noch rechtzeitig.
tomaraya 04.11.2017
4. Prognose
Bayern wird also wieder Meister. Leipzig wahrscheinlich wieder Zweiter. Dortmund, wenn sie den Trainer noch rechtzeitig wechseln , vielleicht noch Dritter. Was die CL betrifft, wird Bayern spätestens im viertel Finale rausfliegen. Die EL wird ab dem Achtelfinale ebenfalls ohne deutsche Beteiligung stattfinden. Also alles wie immer, und wie wahrscheinlich auch die nächsten 5-15 Jahre. Bundesliga go home!
spon_2937981 04.11.2017
5. Na bitte
Ha, wäre doch gelacht gewesen, lieber Herr Raecke, wenn Sie keinen Weg gefunden hätten, Ihren Frust rauszulassen und Bayern schlechtzuschreiben. Gratuliere! Ich habe ein gutes Spiel gesehen. Aber weil der BVB verloren hat, und das auch nicht so sonderlich knapp, muss es ja ein schlechtes Spiel gewesen sein. Sonst würde man ja indirekt den FCB loben, und das muss ja vermieden werden! Aber was sagen nun die vielen Dribblings von Pulisic und der schöne Abschluss aus, wenn es doch ein schwaches Spiel gegen einen schwachen Gegner war? Hm, muss ein frustrierender Abend gewesen sein...
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