Dortmunds Remis gegen Wolfsburg Die Geduld ist aufgebraucht

Borussia Dortmund ist im Kampf um einen Champions-League-Platz auf Tore von Pierre-Emerick Aubameyang angewiesen. Blöd nur, wenn der keinen Wert darauf zu legen scheint. Der Sportdirektor findet klare Worte.

Dortmunder Spieler nach dem Abpfiff
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Dortmunder Spieler nach dem Abpfiff

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Dritter Trainer, dritte Suspendierung: Pierre-Emerick Aubameyang wurde vor dem Rückrundenauftakt gegen den VfL Wolfsburg erneut aus disziplinarischen Gründen aus dem Kader gestrichen. Der Gabuner soll laut Peter Stöger einer Mannschaftssitzung ferngeblieben sein. Die Ausrede, Aubameyang habe die geplante Besprechung vergessen, wollte der Coach nicht gelten lassen. Immerhin gab Stöger zu verstehen, dass er nicht nachtragend sei. In den Jahren zuvor war "Auba" auch schon von den Trainern Peter Bosz und Thomas Tuchel aus dem Kader gestrichen worden. Wie lange geht das noch gut?

Ergebnis: Nicht mehr lange, wenn der BVB seine Spiele nicht gewinnen sollte. Gegen Wolfsburg kam Dortmund nicht über ein 0:0 hinaus. Damit verpasste der Pokalsieger den Sprung auf Rang zwei. Hier geht es zum Spielbericht.

Chance(n) des Spiels: Des einen Leid ist des anderen Freud. Alexander Isak, dessen Qualitäten nicht selten mit denen von Landsmann Zlatan Ibrahimovic verglichen werden, durfte stattdessen erstmals seit seinem Wechsel zum BVB von Beginn an in der Bundesliga stürmen. Auch der 17-jährige Jadon Sancho stand in der Startaufstellung und vertrat den erkrankten Christian Pulisic. Doch Aubameyang sollten die beiden Talente nicht ersetzen können.

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Remis zwischen BVB und Wolfsburg: Der achte Spieltag endet mit einem Pfeifkonzert

Erste Hälfte: Dennoch war Dortmund auch ohne 13-Tore-Mann Aubameyang in der Anfangsphase das etwas bessere Team. Doch viele Hereingaben von Lukasz Piszczek, der nach dreimonatiger Verletzungspause auf der rechten Seite sein Comeback feierte, verfehlten ihr Ziel. Die beste Möglichkeit vergab Isak, als er nach einem Zuspiel von Mario Götze nur das Lattenkreuz traf (42.), zuvor war Wolfsburgs Daniel Didavi am stark parierenden Roman Bürki gescheitert (37.). Das Chancenverhältnis betrug somit zur Pause 1:1.

Stöger'scher Fußball: Das Ballbesitzverhältnis hingegen fiel zur Pause völlig überraschend zugunsten der Gäste aus (52:48). Während der BVB die Konkurrenz unter Thomas Tuchel noch müde gespielt hatte, überlässt man heute auch gern mal dem Gegner das Spiel. Das verwundert umso mehr, wenn man bedenkt, dass die Borussia ihre letzten fünf Partien gegen Wolfsburg mit einer Torbilanz von 18:3 gewonnen hatte.

Zweite Hälfte: Begann mit zwei Großchancen der Dortmunder. Zunächst kombinierte sich der BVB über Sancho und Götze in Richtung des gegnerischen Strafraums, dort vergab Andrij Jarmolenko freistehend (48.), kurz darauf setzte Sancho den Ball aus spitzem Winkel an den linken Pfosten (52.). Auch Wolfsburg sollte noch mal gefährlich werden: Unter anderem lenkte Roman Bürki einen gefühlvollen Schuss von William mit den Fingerspitzen über das Tor (77.).

Bundesliga-Jubiläum: Renato Steffen kam in der Winterpause vom FC Basel nach Wolfsburg, um das Mittelfeld der Werkself zu verstärken. Gleich im ersten Spiel im VfL-Trikot schrieb der Schweizer Geschichte: Steffen ist der 6000. Spieler, der in der Bundesliga zum Einsatz kam. Kaum auf dem Platz, bot sich dem Neuling gleich eine Riesenchance: Sein Flugkopfball aus kurzer Distanz ging jedoch am Tor vorbei (66.).

Remis-Könige: Nur der abgeschlagene Tabellenletzte aus Köln gewann in der laufenden Saison weniger Spiele als Wolfsburg. Und dennoch liegt der Meister von 2009 noch fünf Punkte vor einem direkten Abstiegsplatz - das liegt vor allem an den vielen Unentschieden. Insgesamt teilte das Team von Trainer Martin Schmidt schon elfmal die Punkte.

Spieler des Spiels: In der Hinrunde musste Roman Bürki wegen einiger Torwartfehler Kritik einstecken. Gegen Wolfsburg deutete er an, warum Dortmund ihn vor zweieinhalb Jahren aus Freiburg geholt hatte. Mit starken Paraden in beiden Halbzeiten sicherte der 27-Jährige seinem Team immerhin einen Punkt.

Michael Zorc
DPA

Michael Zorc

Klartext im Fall "Auba": Während sich die Spieler zur Suspendierung Aubameyangs diplomatisch äußerten und die Qualitäten des Stürmers in den Vordergrund stellten, wählte Sportdirektor Michael Zorc klare Worte. "Wir stehen voll hinter der Entscheidung. Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vorgeht. Was momentan abgeht, ist nicht zu tolerieren", sagte der 55-Jährige im Anschluss an das Spiel beim TV-Sender Sky. Einen Transfer im Winter schloss Zorc nicht aus. Es scheint, als sei die Geduld endgültig aufgebraucht.

Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg 0:0
BVB:
Bürki - Piszczek, Sokratis, Toprak, Toljan - Kagawa, Weigl, Götze (56. Dahoud) - Yarmolenko (78. Sahin), Isak (68. Schürrle), Sancho
Wolfsburg: Casteels - Verhaegh, Tisserand, Uduokhai, William - Guilavogui, Arnold - Brekalo, Didavi (64. Steffen), Malli - Origi
Schiedsrichter: Stieler
Gelbe Karten: Dahoud - Guilavogui
Zuschauer: 80.600



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mullertomas989 14.01.2018
1. Konstruktiv mit ihm reden
...sollte der Verein mit Auba. Ihm einfach sagen, dass er auch abseits des Platzes seinen ob professionell machen sollte und dass er sonst überall Probleme bekommen würde. Und dann klappt es hoffentlich. Denn wie Auba spielt und trifft, macht es sicherlich jedem Zuschauer Spaß, auch wenn man kein BVB-Fan ist!
neowave 14.01.2018
2. "Einen Transfer im Winter schloss Zorc nicht aus."
"Einen Transfer im Winter schloss Zorc nicht aus." Interessante Reaktion. So macht man sich zum Vollaffen und schafft solide Vorausetzungen für ähnlich gelagerte Ambitionen anderer in der Zukunft. Die mMn. einzig richtige Reaktion wäre die klare Ansage: jede weitere Verfehlung führt unweigerlich, definitiv für mindestens den Rest der Saison auf die Tribühne. Wenn es dann noch jemanden gibt, der eine ordentliche Ablöse zahlt, kann er gehen - ansosten bekommt eine eine neue Chance, sich in der Mannschaft zu bewähren. Vergeigt er die wieder, dann ... siehe vor. Diese Typen haben doch wohl nicht mehr alle Latten auf`en Zaun.
allster 14.01.2018
3. Wen wundert es?
Man hat doch bei Dembelé gesehen,dass das Fernbleiben vom Training beim BVB den gewünschten Erfolg bringt,wenn man keinen Bock mehr auf den Verein hat. Dass dieses Verhalten Nachahmer findet ,sollte nun keinen verwirren . Schuld daran haben die Herren, die dem nachgegeben haben.
Leibdschor 14.01.2018
4. Ach nee...
ich denke bei so einem Traditionsverein identifizieren sich die Spieler bis ins Mark und malochen für nix zu Ehren der Fans? Bekommt man doch immer aufs Brot geschmiert als Fan von einem "Emporkömmling".
wolke:sieben 14.01.2018
5. Schmeißt Aubameyang raus
....und Stöger dazu, denn sonst wird das Ganze mit dem CL Platz nichts.
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