Dortmund schlägt Leipzig Glückliche Sieger, zufriedene Verlierer

Ein schönes Tor, Fan-Entgleisungen und Last-minute-Dramatik: Dortmunds Sieg gegen Leipzig hatte einige Aufreger zu bieten. Am Ende waren alle glücklich und zufrieden. Das Wichtigste zum Spiel.


Die Ausgangslage: Bei Borussia Dortmund grummelte es zuletzt gewaltig. Trainer Thomas Tuchel wurde unter anderem im "Kicker" spürbar angezählt. Sportdirektor Michael Zorc ließ sich mit den Worten zitieren, die Unruhe rund um den BVB sei "größer als vor zwei Jahren, als wir unter Jürgen Klopp Tabellenletzter waren." Solche Probleme kennt man in Leipzig nicht. Die Vereinshistorie ist weder lang noch facettenreich genug für derartige Vergleiche. Durch das überraschende Unentschieden des FC Bayern gegen Schalke hatte RB Leipzig die Chance, bis auf einen Punkt zum Rekordmeister aufzuschließen.

Das Ergebnis: 1:0 (1:0). Hier geht es zum Spielbericht.

Die Startaufstellungen:
Borussia Dortmund: Bürki - Piszczek, Sokratis, Bartra - Weigl - Durm, Dembélé, Guerreiro, Schmelzer - Aubameyang, Reus.
RB Leipzig:
Gulácsi - Bernardo, Orban, Compper, Halstenberg - Ilsanker, Khedira - Kaiser, Keita - Poulsen, Selke.

Die erste Hälfte: Hatte über weite Strecken ein ähnliches Niveau wie das Freitagabendspiel zwischen dem HSV und Bayer Leverkusen - auch wenn das schockierend klingen mag. Zum Glück für den BVB und RB haben Thomas Tuchel und Ralph Hasenhüttl das Positiv-Image von Taktikfüchsen. Die Mannschaften selbst gelten als Meister des Tempo- und Kombinationsfußballs. Deswegen wird eine spielerisch schwache Leistung beider Teams nicht zwingend allzu kritisch kommentiert, sondern als "intensives Spiel" etikettiert.

Ein echtes Highlight hatte die erste Halbzeit dann aber doch noch zu bieten: In der 35. Minute gab Ousmane Dembélé den Roadrunner und degradierte Marvin Compper und Willi Orban zu Wile-E.-Coyote-Darstellern. Als er dann auch noch aus vollem Lauf von der Grundlinie punktgenau auf Pierre-Emerick Aubameyang flankte, konnte der Gabuner den Kopf am Fünfmeterraum nicht mehr schnell genug wegziehen und traf zum Tor des Tages. Aubameyang stand dabei fast schon lächerlich frei, weil sich die beiden Innenverteidiger ja vorher als Fahnenstangen versucht hatten.

Der Glückliche: Zur Pause lag RB zurück, hatte 40 Prozent Ballbesitz, eine magere Passquote von 56,4 Prozent und kam auf ganze zwei Abschlüsse, von denen nur einer in die grobe Richtung des Dortmunder Tors ging. Durchschnittliche Bundesliga-Co-Trainer hätten angesichts dieser Werte Halbzeitinterviews nach Möglichkeit vermieden oder eventuell personelle Änderungen angekündigt. Doch RB Leipzig ist eben ein bisschen anders. "Wir sind glücklich und zufrieden, wie das gelaufen ist", flötete Zsolt Löw in der Halbzeit in ein Sky-Mikrofon.

Marco Reus
Bongarts/Getty Images

Marco Reus

Die zweite Hälfte: Hätte zur großen Marco-Reus-Show werden können. Doch der Stürmer gab das besonders bockige Pferd und verweigerte gleich dreimal vor dem ganz niedrigen Oxer, als der aussichtsreiche Dortmunder Konter frei vor Torwart Peter Gulácsi vergab. Von RB kam dagegen rein gar nichts mehr. Bis zur vierten Minute der Nachspielzeit. Dann steckte Stefan Ilsanker im Strafraum auf den eingewechselten Federico Palacios-Martinez durch. Der 21-Jährige traf aus sechs Metern, stand beim Pass aber hauchdünn im Abseits. Glück für den BVB, dass der Ausgleichstreffer nicht gegeben wurde. Und Glück für Marco Reus, dass er sich kein ganz, ganz tiefes Loch buddeln muss.

Die Reaktionen: Hasenhüttl und Tuchel waren scheinbar unterschiedlicher Auffassung darüber, ob man den Last-minute-Ausgleich hätte geben sollen oder nicht. Der RB-Coach stürmte gemeinsam mit der Hälfte seiner Spieler auf den Schiedsrichterassistenten zu, um ihn davon zu überzeugen, seine Abseitsentscheidung zu überdenken. Währenddessen führte Tuchel in Richtung der gegnerischen Bank seine Version des Ententanzes auf. "Wahrscheinlich wollte er hören, was ich zu sagen habe", sagte Hasenhüttl, als ihm die Geste später zugespielt wurde.

RB trifft auf die Südtribüne
Bongarts/Getty Images

RB trifft auf die Südtribüne

Der Aufreger: Für den Tiefpunkt des Abends sorgten die Dortmunder Fans. Vor Beginn zierten etliche Beschimpfungsbanner die Südtribüne. Nun kann man über das RB-Geschäftsmodell trefflich streiten. Genauso darf man auch darüber diskutieren, ob sich Fans einer Fußball-AG über die Kommerzialisierung des Sports beklagen sollten. Unabhängig davon waren einige der Spruchbänder schlicht geschmacklos und ernteten in den sozialen Netzwerken den verdienten Shitstorm.



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