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Top-Spiel-Sieger Dortmund: Mit Ultra-Pressing zum Erfolg

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Fotostrecke: Und alle Mann auf Dante Fotos
Bongarts/Getty Images

Das ist den Bayern lange nicht passiert: Im Heimspiel gegen Borussia Dortmund wurden sie vom Gegner dominiert. Der BVB machte taktisch alles richtig und unterband das gewohnte Kombinationsspiel der Münchner schon im Ansatz.

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Im Fußball gelten die Minuten direkt nach dem eigenen Torerfolg mitunter als besonders tückisch. Einige Spieler werden leichtsinnig, andere benötigen einen Moment, um wieder Spannung aufzubauen.

Erst am vergangenen Mittwoch in der Champions League lieferte Manchester United ein gutes Beispiel dafür. Nach dem 1:0 durch Patrice Evra kassierten die Engländer umgehend den Ausgleich durch Mario Mandzukic. Der 3:0-Triumph von Borussia Dortmund beim FC Bayern hat gezeigt: Nie war eine Mannschaft weiter davon entfernt als der BVB, solche Fehler zu begehen.

In der 21. Minute, Dortmunds Henrich Mchitarjan hatte Augenblicke zuvor das 1:0 erzielt, stürmten die Bayern, um eine direkte Antwort auf den Gegentreffer bemüht, nach vorne. Philipp Lahm dribbelte über die Mittellinie, passte vor zu Bastian Schweinsteiger. Als dieser 35 Meter vor dem Dortmunder Tor den Ball annehmen wollte, war er umzingelt von neun Borussen. Neun!

Es war vielleicht die Szene des Spiels, auch wenn kein Tor daraus resultierte. Doch sie zeigte in beeindruckender Weise, wie modernes Verteidigen funktioniert, und wie man die Bayern-Maschine stoppen kann. Die Abwehrspieler schieben vor, die Flügelspieler rücken ins Zentrum, die Angreifer sprinten zurück. Die Evolution der Raumverknappung, Ultra-Pressing.

Der BVB lässt Dante ungedeckt - und schlägt dann zu

Dortmund ließ die Münchner Offensive harmlos wirken, wie es sonst kaum eine andere Mannschaft vermocht hatte. Drei Schüsse aufs Tor ließ der BVB zu. Im Schnitt kommt Bayern in dieser Saison auf 7,7 Versuche pro Bundesliga-Spiel. Dies allein damit erklären zu wollen, der längst feststehende Deutsche Meister habe nicht die nötige Motivation aufgebracht, um die Borussia zu bezwingen, wäre ein Fehler. Ja, Bayern fand nie richtig in die Partie. Doch das lag auch und vor allem am Gegner.

Jene Momente, in denen der Ball erobert werden sollte, wie in der 21. Minute, waren planvoll vorbereitet worden. Beim Spielaufbau der Gastgeber formierte sich die Borussia in einer bemerkenswerten Anordnung: Pierre-Emerick Aubameyang auf der linken Seite und Marco Reus im Angriffszentrum standen sehr hoch, sie orientierten sich dabei an ihren Gegenspielern, die meist Javier Martínez und Philipp Lahm hießen. Auf der rechten Dortmunder Seite agierte Jonas Hofmann dagegen leicht versetzt; Bayerns Dante blieb dadurch stets ungedeckt. Durch diese Asymmetrie provozierte der BVB Pässe auf den Brasilianer. Und schlug dann zu.

Ein kurzer Blickkontakt zwischen Hofman und Reus, stilles Einverständnis über das, was folgen wird: Gemeinsam machen sie Jagd auf Dante. Der Verteidiger wirkt zwar meist cool, ihm unterlaufen jedoch unter Druck Ungenauigkeiten. Mehrfach spielte er entweder Fehlpässe, oder er brachte Mitspieler in Bedrängnis. Das lag nicht nur an den beiden Borussen, die ihn pressten, sondern auch an der schwarz-gelben Welle, die dahinter auf ihn zuschwappte. Sobald Dortmunds Angreifer nach vorne stürmten, machten die Mitspieler mit. Alle. Hinter Hofmann rückte Rechtsverteidiger Kevin Großkreutz auf, der großartig aufspielende Sebastian Kehl schob vor und wurde von Mats Hummels abgesichert.

Jagd auf Bayern-Verteidiger Dante: Viele Fehlpässe Zur Großansicht
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Jagd auf Bayern-Verteidiger Dante: Viele Fehlpässe

So ergab sich oft die für die Bayern-Spieler kaum gekannte Situation, dass bis zu sieben Gegenspieler zwischen Mittellinie und Münchner Strafraum verteidigten. Es war der Schlüssel zum Erfolg: Bayern gelang es nicht, geordnet aufzubauen: Das Zirkulationsspiel zwischen erstem und zweitem Felddrittel, das das Ziel hat, sich den Gegner zurechtzulegen, ihn planvoll zu verschieben, fand nicht statt. Im Gegenteil: Gelenkt wurden die Bayern.

Guardiola erkannte das, und er versuchte einzugreifen. So beorderte er wahlweise Bastian Schweinsteiger oder David Alaba während des Spielaufbaus nach hinten links, Dante agierte fortan aus dem Zentrum heraus. Da lag seine Elf aber bereits zurück. Einen Konter später stand es 0:2, und als Hofmann in den Rücken der hoch verteidigenden Abwehrkette der Bayern gelangte und das dritte BVB-Tor erzielte, zogen sich die Gäste zurück, um Kräfte zu sparen. Die Partie war zeitig gewonnen, nun konnten sich die Profis ein wenig schonen für das DFB-Pokalspiel gegen Wolfsburg am Dienstag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Die Intensität, mit der Dortmund presste, die Kohärenz zwischen den Mannschaftsteilen sowie die Konstanz, mit der diese physisch wie mental herausfordernde Spielweise bis dahin durchgehalten worden war, war für Guardiolas Mannschaft in ihrer aktuellen Verfassung zu viel. Diese Erkenntnis dürfte manchen Club grübeln lassen, ob der Stil der Borussia als Blaupause für das eigene Team gelten kann. Ist das richtige Mittel gegen die Über-Bayern gefunden?

Vermutlich nicht. Etwas wie die universell richtige Taktik gegen den FC Bayern dürfte es nicht geben; schließlich sollte sich das taktische Profil einer Mannschaft an ihren Stärken und Schwächen orientieren. Gegen den Rekordmeister derart zu verteidigen, speziell im Moment nach dem Führungstreffer - das schafft derzeit wohl nur ein Bundesligist.

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loma 13.04.2014
2:0 gegen Real, 3:0 gegen Bayern... der BVB spielt gross auf wenn es nichts mehr bringt
2.
roflxd 13.04.2014
Der lässige Ruhrpott-Trainer im Jogginganzug ist offensichtlich ein cleverer Taktiker als der elegante Anzugträger aus Spayern. Ist nicht das erste Mal, dass Klopps Mannschaft die mit Abstand teuerste Mannschaft der Bundesliga vorführt.
3. Salzburg hat's doch vorgezeigt
malcolmitm 13.04.2014
Ich habe es nie verstanden, daß niemand diesen Stil angewendet hat. Salzburg hat es Jänner vorgezeigt, dass Bayern gegen extremes Pressing anfällig ist. Das soll nicht heißen, dass man Bayern so automatisch schlägt, aber nur hinten drinnen zu stehen ist ja offensichtlich auch zu wenig. Dafür gibt es genügend Beispiele in der heurigen Saison. Dann schon lieber versuchen, mit fliegenden Fahnen unterzugehen oder eben doch zu gewinnen.
4. Und?
lordofaiur 13.04.2014
Zitat von roflxdDer lässige Ruhrpott-Trainer im Jogginganzug ist offensichtlich ein cleverer Taktiker als der elegante Anzugträger aus Spayern. Ist nicht das erste Mal, dass Klopps Mannschaft die mit Abstand teuerste Mannschaft der Bundesliga vorführt.
Was bringts? Wie Pep sagte. Die Bundesliga haben wir gewonnen. Von den Bayern grätschte nicht mal einer nach dem Ball. Einige Spielermussten nach dem Spiel wohl nicht mal duschen, man sah dass sie keinen Bock hatten. Wertloser Sieg des BVB.
5. optional
WhereIsMyMoney 13.04.2014
Oder man könnte sagen, Bayern kriegt kein Spiel hin ohne Kroos hin. Es sei denn sie spielen gegen einen Gegner der das Spiel macht und sie können reagieren, wie gegen Barca letzes Jahr. Doch man muss schon kritisch hinschauen. Guardiola lässt viel zu vorsichtig spielen. Die vertikalen Pässe kommen fast gar nicht mehr. Gerade das war doch Heynckes' größte Leistung, er hatte sie weggeholt von der van Gaal-Philosophie des Ballbesitzes und das Umschaltspiel a la Dortmund forciert. Für eine weile dachte ich ja dass es mit Guradiola noch besser werden könnte. Der Ballbesitz von Barca, dazu können sie durch schlichte Flanken Tore erzielen und mit Weitschüssen treffen, was Braca ja nie hatte. Doch das scheint irgendwie nicht zu funktionieren. Bayern schaut leider mehr und mehr genau wie Barca aus. Hinten sehr anfällig und nach vorne träge. Mir gefiel das United-Spiel nach dem Gegentor. Da hatte die Mannschaft die Schnauze voll von der Guardiola-Taktik, nach dem Gegentor habe ich das Heynckes-Team gesehen. Dortmund hat zwar toll gespielt, doch das haben sie im letzen Jahr auch und die Jahre davor. Doch diesmal war Bayern schwach. Und man kann nicht alles auf die fehlende Motivation schieben, da sind ein paar Fehler im System. Jemand soll sich auch das Hinspiel in Dortmund anschauen. Da hatte Dortmund bis zum Gegentor deutlich mehr Chancen, sie haben sie einfach nicht genutzt.
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