BVB-Remis in Hoffenheim Eine Frage der Moral

Borussia Dortmund ist in der laufenden Saison noch immer ungeschlagen. Trotz einer schwachen Leistung in Hoffenheim reichte es noch zu einem Punkt. Ein größeres Problem sind aktuell die eigenen Fans.

Ermin Bicakcic und Christian Pulisic
ARMANDO BABANI/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Ermin Bicakcic und Christian Pulisic

Aus Sinsheim berichtet


Man musste kein Lippenleser sein, um den Dortmunder Spielern von der Tribüne aus anzumerken, wie erleichtert sie waren. Beim glücklichen 1:1 in Hoffenheim hatte der BVB in Unterzahl den Ausgleich erzielt, nachdem die Gastgeber zuvor etliche Chancen liegen gelassen hatten. Kurz vor dem Abpfiff durften sich die mitgereisten Fans darüber amüsieren, wie Ishak Belfodil den Ball aus 30 Zentimetern Entfernung übers Tor schoss.

Wenn ein Spiel so läuft, hat man als BVB-Profi zwei Möglichkeiten: Entweder, man analysiert es öffentlich so schonungslos wie es intern in den kommenden Tagen passieren dürfte. Oder man hebt den einzigen positiven Aspekt hervor: Die Tatsache, dass der BVB nach dem unberechtigten Platzverweis für Abdou Diallo (75. Minute) besser wurde und mit der zweiten Chance des Spiels den Ausgleich erzielte.

Für die Strategie der Vorwärtsverteidigung entschied sich Marco Reus, der das 1:1 durch Christian Pulisic vorbereitet hatte (84.): "Wir haben Moral gezeigt, das ist in dem Prozess, in dem wir uns befinden, gut." Auch Pulisic lobte die Moral des Teams - "am Ende wollten wir das Tor unbedingt" - wohlwissend, dass der Qualitätsunterschied bis zur 75. Minute erdrückend war.

Schon im ersten Durchgang hätte der BVB deutlich zurückliegen können. Leonardo Bittencourt (18.), Andrej Kramaric (28.) und Joelinton (37./42.) vergaben beste Chancen, ehe der Brasilianer das 1:0 erzielte (44.). Gäbe es den Videobeweis nicht, es hätte unmittelbar nach dem Seitenwechsel 2:0 (48.) gestanden, weil Schiedsrichter Harm Osmers die Abseitsstellung von Ernim Bicakcic nicht erkannt hatte.

Dietmar Hopp im Fadenkreuz - BVB-Fans in der Kritik

Die beiden anderen Fehler des Unparteiischen glichen sich allerdings aus: Während der Platzverweis für Diallo verkehrt war - der Dortmunder hatte den Ball geklärt, bevor Kramaric zu Fall kam - hätte er Mahmoud Dahoud nach einem Foul an Nico Schulz vom Platz stellen müssen (57.): "Er fällt nicht, deswegen wird es nicht bestraft", ärgerte sich Julian Nagelsmann, der nicht als Einziger die Vereitelung einer klaren Torchance gesehen hatte. Mit dem Auftritt seiner Elf war er aber dennoch "sehr zufrieden". Und das zurecht: Das Spielt zeigte, dass Hoffenheim nicht zufällig in der Champions League spielt. Außerdem wurde offensichtlich, dass in Dortmund nicht alle Probleme aus der vergangenen Saison mit dem Trainerwechsel behoben sind.

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Dortmunds Drama: Tor, kein Tor, Rote Karte, Ausgleich

War sonst noch was? Ja, die nächste Episode in dem seit zehn Jahren aufgeführten Duell zwischen stumpfesten Provokationen aus dem BVB-Fanblock und Hoffenheimer Reaktionen, die zumindest ungeschickt sind. "Ich war nicht überrascht", sagte Nagelsmann und bezog sich damit auf ein Plakat der BVB-Fans, das Dietmar Hopp im Fadenkreuz präsentierte. Selbiges hatten Fans bereits 2008 gezeigt. Schon vor der Partie wurden über 30 Dortmund-Anhänger wegen Schmähgesängen in Richtung Hopp mit einem Stadionverbot belegt.

In Dortmund hatte diese Maßnahme für Empörung gesorgt, zumal Juristen versichern, dass die angewandte Technik des Lippenlesens zwar gesprochene Wörter entschlüsseln könne, bei gesungenen aber machtlos sei. Zudem sehen die DFB-Stadionverbotsrichtlinien keine Stadionverbote bei Beleidigungen vor.

Auch Mitarbeiter der TSG sollen intern vor Stadionverboten gewarnt haben, doch Hopp, der als Privatperson Anzeige wegen Beleidigung gestellt hat, habe darauf bestanden. Als die Dortmunder Kurve Hopp erneut mit dem H-Wort besang, hatte das wütende Pfiffe des Publikums und einen Aufruf des Stadionsprechers gegen "Diskriminierung" zur Folge. Sekunden später stimmte die Hoffenheimer Kurve einen Schmähgesang auf den BVB an: "Hört ihr das Gestöhne? Dortmunder Hurensöhne..."



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korkdude 22.09.2018
1. Beschämed
Als Fan und Mitglied des BVB distanziere ich mich auf das schärfte von den Postern, Schmäh- und Hassgesängen im Stadion der TSG Hoffenheim . Was Dietmar Hopp für das Kraichgau, Deutschland und Afrika getan hat verdient eine Medaille, nichts anders. Sorry aber das waren nicht meine Fans. Ich habe mich für meine Teil geschämt. Über Teile "meines" Clubs
retterdernation 22.09.2018
2. Komisch ist es schon ...
das man der Hertha hier keinen Raum beschert. Das Spitzenspiel fand nämlich nicht in Hoffenheim statt - sondern in Berlin. Und dort zeigten beide Mannschaften ein Spiel, von dem die Dortmunder nur träumen. Was ein tolles Spiel, Neun der letzten 10 Spiele hatte die Hertha zuvor gegen Gladbach verloren. Doch diese junge Truppe, aufgefüllt mit einigen älteren Spielern, überzeugt auch im vierten Match. Wir Fans können unser Glück, aber auch das Können der eigenen Mannschaft kaum glauben. Gott sei Dank sind wir Berliner Realisten, was die Hertha anbelangt. Aber vielleicht geht ja auch was in Bremen. Anschließend kommen dann die Bayern. Danke Hertha für dieses weitere, wundervolle Wochenende. Witzig dabei ist es - dass die Fussballzerstörer mittlerweile richtig feinen Fußball spielen und vom Trainer auf das nächste Level gebracht wurden.
mannakn 22.09.2018
3. Schade.....
.....das die sogenennten Fans meines Lieblingsvereins alle geschmacklichen Grenzen immer noch einmal mühelos unterbieten können. Wozu? Wen jemand nichts hat, nichts kann und auch nichts will braucht er halt ein Feindbild. Genau wie die AFD. Fazit: wenn es diese Leute nicht gäbe, wäre die Welt besser.
gammoncrack 22.09.2018
4. Als gebürtiger Dortmunder und BVB-Fan seit weit mehr
als 60 Jahren distanziere ich mich auch von diesen "Unfans". Als Fans darf man die beileibe nicht bezeichnen. Das ist der Fehler im Artikel. Das sind geistig Minderbemittelte, die so ihre Minderwertigkeitspomplexen versuchen zu verstecken. Eigentlich bemitleidenswert.
skeptikerjörg 22.09.2018
5. Wie lange noch?
Ich bin BVB-Mitglied und Fan, deshalb schäme ich mich für diese Asozialen, die sich leider auch Fans nennen. Langsam frage ich mich, wie lange die Verantwortlichen im Verein diesem Treiben noch tatenlos zusehen wollen? Herr Watzke, Herr Dr. Rauball, stört es Sie nicht, dass diese geistigen Tiefflieger das gelbe Trikot durch die Gegend tragen und es gleichzeitig mit Dreck beschmieren? Es gibt unter den Fan Clubs so viele kreative, und es gibt die anderen. Die, die den Namen BVB deutschlandweit immer wieder in den Dreck ziehen - wie auch heute wieder. Niemand bracht die! Weder der Verein noch die echten Fans noch die Süd in den Heimspielen. Leider ist heute wieder so ein Tag, an dem ich keine Lust habe über das Spiel und die Mannschaft zu reden, weil mir einfach nur übel ist. Wenn einer, nur einer von denen so viel leisten würde, wie Dietmar Hopp es geleistet hat, jemals soviel soziales und kulturelles Engagement zeigen würde ... Aber die meisten von denen ziehen eher mit den Neonazis durch Dortmund Marten und Dorstfeld.
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