Gladbacher Sieg gegen Wolfsburg Sie wollen mehr

Seit zehn Spielen nicht verloren, Leverkusen überholt - Mönchengladbach ist derzeit in Top-Form. Der Erfolg gegen Wolfsburg hat gezeigt: Für die Borussia ist in dieser Saison mehr drin als Platz drei.

Von , Mönchengladbach

Gladbach-Star Kruse (v.): Geht er oder bleibt er?
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Gladbach-Star Kruse (v.): Geht er oder bleibt er?


Selbst eine Viertelstunde nach dem Abpfiff war der Jubel der Fans im Gladbacher Stadion noch nicht verklungen. Dass die Borussia gerade dem FC Bayern München zu seiner 25. Deutschen Meisterschaft verholfen hatte, gefiel den Anhängern zwar weniger. Doch das war Nebensache. Was für sie zählte, war der Moment der Ekstase, für den Gladbachs Max Kruse zuvor mit seinem 1:0-Siegtreffer in der Schlussminute gegen Wolfsburg gesorgt hatte.

"Das ist der Wahnsinn, so ein Tor in der 90. Minute zu erzielen", sagte der Held des Tages, nachdem er ausgiebig mit den Fans gejubelt hatte. Die Leute feierten nicht nur den Sieg, sondern auch das Erreichen des vorläufigen Saisonziels: Die Borussia wird nach 34 Spieltagen mindestens auf Rang vier stehen, der zur Teilnahme an der Qualifikationsrunde der Champions League berechtigt.

Fabian Johnson, der Kruses Treffer mit einem prächtigen Pass aufgelegt hatte, sprach über einen "schönen Erfolg", Sportdirektor Max Eberl von einer "großartigen Sache". Dabei klangen die Gladbacher allerdings mehr zurückhaltend denn euphorisch. Denn die Borussia ist noch nicht am Ziel. Sie will mehr. "Jetzt schauen wir auf den dritten Platz", sagte Mittelfeldspieler Granit Xhaka, in zwei Wochen gastiert Tabellennachbar Bayer Leverkusen zu einer Art Finale um die direkte Champions-League-Qualifikation im Borussia-Park.

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Gladbach-Sieg gegen Wolfsburg: Kruse macht die Bayern zum Meister
Die Chancen, dass die Borussia ihren Zwei-Punkte-Vorsprung auf Bayer bis zum Saisonende verteidigt, stehen günstig. Gladbach hat einen Lauf. Seit zehn Spielen ist die Mannschaft ungeschlagen, siebenmal hat sie in dieser Phase gewonnen. Gegen Wolfsburg waren Geduld und Beharrlichkeit der Schlüssel.

In der ersten Hälfte wirkte der VfL noch etwas gefährlicher, aber nach der Pause griff die Borussia an, planvoll und einem feinen Gespür für die richtige Dosis Risiko. "Dieses Spiel war ein Ausdruck unserer bisherigen Saison", sagte Sportdirektor Eberl, "wir haben hinten kaum etwas zugelassen, haben guten Fußball gespielt und waren sehr geduldig." Trainer Lucien Favre, der lobende Adjektive mit äußerster Sparsamkeit einsetzt, nannte die Leistung des Teams "phantastisch". Die austarierte Mischung aus Besonnenheit und Zähigkeit hatte dem Schweizer gefallen.

Geht Kruse oder bleibt er?

Neben der Willensstärke und taktischen Qualitäten spielt ein Faktor einen eine Rolle, über das der Trainer nicht so gerne spricht: das Sturmduo Max Kruse und Raffael. Die Angreifer, die rund um die Winterpause nur selten überzeugten, blühen auf in diesem Frühjahr. Raffael hat nun sechs Tore in den zurückliegenden sieben Partien geschossen, Kruse gab in den zehn ungeschlagenen Spielen fünf Vorlagen und erzielte zwei Treffer.

Diese Leichtigkeit der beiden Borussen ist derzeit der Schlüssel zu den meisten Toren, die die Mannschaft schießt. Angesichts seiner Top-Form ist die Sorge groß, dass Kruse den Verlockungen anderer Klubs folgen könnte und Gladbach im Sommer für die festgeschriebene Ablösesumme von zwölf Millionen Euro verlässt. Angeblich sind Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und Schalke 04 interessiert. Angst vor einem Abgang des Angreifers hat Eberl allerdings nicht. "Wenn man ihn spielen sieht, wenn man die Mannschaft spielen sieht, dann habe ich keine Sorge, dass er nicht bei uns bleibt", sagte der Sportdirektor mit einem Lächeln.

"Wir sind eine reife Mannschaft"

Eine bessere sportliche Perspektive kann zumindest kurzfristig wohl keiner der genannten Klubs bieten, denn mit Gladbach befindet sich Kruse nicht nur auf dem direkten Weg in die Champions League, hier spielt er auch in einem Team, das im kommenden Jahr eventuell seinen Zenit erreicht, das vielleicht sogar um die Meisterschaft mitspielen kann.

"Wir sind eine reife Mannschaft", sagte Torhüter Yann Sommer. In der Rückrundentabelle steht die Borussia nun auf Rang zwei, lediglich einen Punkt hinter dem FC Bayern. Selbst die Vizemeisterschaft ist beivier Punkten Rückstand auf müde wirkende Wolfsburger möglich, zumal diese sich noch auf das bevorstehende DFB-Pokalhalbfinale gegen Bielefeld (Dienstag, 20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) konzentrieren müssen.

Als Lucien Favre auf die Möglichkeit angesprochen wurde, den VfL zu überholen, lächelte er nur. Ganz abwegig fand er den Gedanken anscheinend nicht.

Borussia Mönchengladbach - VfL Wolfsburg 1:0 (0:0)
1:0 Max Kruse (90.)
Mönchengladbach: Sommer - Korb, Brouwers, Dominguez, Wendt - Kramer, Xhaka - Herrmann (81. Traore), Johnson - Max Kruse, Raffael Wolfsburg: Benaglio - Träsch, Naldo, Klose (58. Knoche), Rodríguez - Luiz Gustavo, Arnold - Caligiuri, De Bruyne, Perisic (68. Guilavogui) - Bendtner
Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
Zuschauer: 52.147
Gelbe Karten: Herrmann (3), Raffael - Arnold (7), Luiz Gustavo (11)



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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
frisal 27.04.2015
1. Glückwunsch...
... für diesen Sieg. Und das sage ich als Bayern Anhänger nicht wegen der vorgezogenen Meisterschaft, das wäre sonst nächstes Wochenende gekommen. Nein das war toll gepielt, wie es MG ion den letzten Wochen öfter gezeigt hat. Es ist nur schade, dass BM diese Form nicht auch in der Euroleague abrufen konnte, aber das haben sie ja leider mit Wolfsburg gemeinsam. Bezüglich Kruse gegen Ablöse zum BVB, keine Angst. Der BVB macht so etwas gemeines doch nicht, so etwas machten doch nur die bösen Bayern.
robert_b 27.04.2015
2. Mehr als Platz 3 sei drin?
Na, vielleicht wird es noch PLatz 2. Schade nur, daß es für den zweiten Platz keinen Pott gibt.
spitzaufknoof 27.04.2015
3. Noch mehr?
Wenn die Fohlen den dritten Platz erreichen haben sie doch sehr viel erreicht. Für den Vizemeister wird es wohl kaum noch reichen. Ist auch egal. Allein das Erreichen der CL ist doch sensationell.
Wunderläufer 27.04.2015
4. Halt! Stopp!
Jawohl, das war gestern im Borussia-Park der bisherige Höhepunkt einer überaus erfolgreichen Saison. Dies sollte aber nicht zu Spekulationen um Utopia verleiten: Weder wird Gladbach den Bayern Paroli bieten könne, noch dem VFL VW, die spielen allein schon finanziell in einem andern Kosmos und werden dies der Pseudo- Konkurrenz bei Bedarf nachdrücklich klar machen. Geld schlägt den Rest!
serafino 27.04.2015
5.
Diese Saison mehr drin als Platz 3? Davon steht aber im Artikel nichts mehr... Wird auch schwierig, bei 4 Punkten auf WOB in 4 Spielen...
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