Borussia Mönchengladbach Hinten hakt's

Borussia Mönchengladbach spielt eine starke Saison, kassiert aber viele Gegentore. Gegen den BVB kamen wieder drei dazu. In der Abwehr spielen Andreas Christensen und Nico Elvedi. Sie sind 19 Jahre alt, große Talente - und dürfen Fehler machen.

Aus Mönchengladbach berichtet

BVB-Spieler Reus, Gladbachs Christensen: Star gegen Talent
Getty Images

BVB-Spieler Reus, Gladbachs Christensen: Star gegen Talent


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Die Zahl 33 rief bei Max Eberl am Samstagabend unwirsche Reaktionen hervor. Durch das 1:3 gegen Borussia Dortmund war das Gegentorkonto der Borussia aus Mönchengladbach schon nach 18 Bundesliga-Spielen auf diese beeindruckende Summe angewachsen.

Aber so dürfe man das nicht rechnen: "Da musst du zwölf Gegentore aus den ersten fünf Spielen abziehen, dann hast du 18 in elf Spielen bekommen, dann ist das schon wieder eine ganz andere Statistik", sagte Eberl. Er meinte die Partien unter dem ehemaligen Trainer Lucien Favre und verschwieg dabei ganz nebenbei die gerade gegen Dortmund kassierten Treffer.

Und obwohl Andreas Christensen und Nico Elvedi gegen den BVB kein Tor direkt verschuldeten, drehten sich die Gespräche hinterher erneut vor allem um die zwei 19-Jährigen in der Innenverteidigung. Laut Eberl zu Unrecht. "Sehr ordentlich" hätten die gespielt. Die Gegentore? "Individuelle Fehler, kein strukturelles Problem". Trainer André Schubert sah ebenfalls "keinen Grund, warum ich jetzt irgendwie an Nico Elvedi zweifeln sollte". Er und Christensen hätten Topspiele gemacht, wie beim 3:0 gegen Bayern München.

Fotostrecke

14  Bilder
Mönchengladbach in der Einzelkritik: Der unglücklichste Borusse
Auch Außenverteidiger Oscar Wendt nahm die jungen Kollegen in Schutz. Durch das offensive System gebe es jetzt mehr Raum für die Gegner und mehr Druck auf die eigene Abwehr. Aber sie lernten gerade, damit umzugehen. In der Winterpause seien sie "tiefer ins System gegangen", außerdem kämen jetzt Verletzte zurück.

Zu denen gehört Martin Stranzl, der nach Monaten gegen Dortmund zum ersten Mal im Kader stand und bei der Verlesung der Aufstellung den größten Applaus bekam. Nicht wenige wünschen sich den 35-Jährigen und seine Erfahrung auf dem Platz. Doch Schubert entschied sich gegen ihn. Und wird das wohl auch künftig tun.

Stranzl sei körperlich nicht so weit, sagte der Trainer, um dann die entscheidenden Sätze nachzulegen: "Wir spielen mit der Verteidigung sehr viel höher, wir attackieren sehr viel früher. Auch da muss sich ein Spieler erst mal dran gewöhnen, wenn hier ein paar Jahre anders gespielt worden ist." Auch der 34 Jahre alte Roel Brouwers steht bei Schubert nicht hoch im Kurs. Mehr Alternativen gibt es gerade aber nicht. Álvaro Domínguez und Toni Jantschke fallen aus. Winterzugang Martin Hinteregger hat Trainingsrückstand.

Der Trumpf der Borussia war nie ihr Geld

So könnte es mit den 19-Jährigen weitergehen. "Wir sind natürlich auch ein bisschen in der Verantwortung für die Entwicklung der Mannschaft, des Vereins und zum Aufbau dieser jungen Spieler", sagte Schubert. Auch Manager Eberl sagte klar: "Sie werden Fehler machen, sie müssen Fehler machen und sollen schnell draus lernen."

Die Frage wird sein, wie viele sie machen dürfen. Würden Eberl und Schubert auf die Champions League verzichten, um langfristig erfolgreicher zu sein? Die fehlenden Einnahmen wären durch einen Verkauf von Granit Xhaka, der gegen Dortmund schmerzlich vermisst wurde, aufzufangen.

Der Trumpf der Borussia war allerdings nie ihr Geld, es ist die Perspektive für Talente, sich auf Topniveau weiterentwickeln zu können. Deswegen sind sie bereit, am Anfang ihrer Karriere auf das Gehalt zugunsten von Spielpraxis zu verzichten. Nur sollte es für die meisten schon die Königsklasse sein, sonst ist ein englischer Mittelklasse-Klub, der das dreifache Gehalt zahlt, vielleicht doch spannender.

Die Champions-League-Qualifikation ist für die Borussia auf dem Transfermarkt also wichtiger, als sich Manager Eberl das eingestehen will.

Zusammengefasst: Gegen Borussia Dortmund spielten wieder Andreas Christensen und Nico Elvedi in der Gladbacher Innenverteidigung. Die 19-Jährigen müssen sich noch an das Spiel der Borussia gewöhnen, dem 35 Jahre Martin Stranzl traut Trainer André Schubert dies nicht mehr zu.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
derkloppo 24.01.2016
1. 3:0?
Hat Mönchengladbach nicht 3:1 gegen Bayern gewonnen? (KEINE rhetorische Frage)
genaumeinding 24.01.2016
2. Irrlichternde Fohlen
Die Gladbacher können wohl nur gegen den FC Bayern gewinnen. Dasd ist auf Dauer zu wenig. Hoffentlich kommen in diesem Jahr nur Clubs ins internationale Geschäft, die auch etwas erreichen ohne sich selbst auf die Schulter zu klopfen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.