1:6-Niederlage in München: Watschn für Werder

Von Sebastian Winter, München

Frustrierte Werder-Profis: Deutliche Niederlage in München Zur Großansicht
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Frustrierte Werder-Profis: Deutliche Niederlage in München

Sechs Gegentore in München, zweitschlechteste Abwehr der Liga: Während der FC Bayern die Bundesliga dominiert, wird Werder Bremen nach hinten durchgereicht. Die Probleme der Mannschaft sind eklatant, im Sommer könnten zudem wichtige Spieler den Verein verlassen.

Aaron Hunt hatte sich nach dem Duschen eine Baseball-Mütze aufgesetzt. Sie wirkte wie ein Schutz, als der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler von Werder Bremen durch die Interviewzone lief. Auf die Frage, ob er kurz für ein paar Fragen zur Verfügung stehe, schüttelte er vehement den Kopf - und schlug den kürzesten Weg zum Mannschaftsbus ein.

Hunt, der für den grippekranken Clemens Fritz als Interimskapitän in die Startelf gerückt war, hatte nur 45 Minuten lang Zeit gehabt, sich zu beweisen. Er nutzte sie nicht, Trainer Thomas Schaaf wechselte ihn in der Halbzeitpause aus. Bremens Stürmer Marko Arnautovic kam immerhin auf fünf Torschüsse, wenn es gefährlich wurde, dann meist über den Österreicher. Doch auch Arnautovic blieb erfolglos. Er wollte sich nach dem Spiel ebenfalls nicht äußern.

1:6 (0:2) hatte Werder in München verloren, bei den zurzeit "vor Selbstbewusstsein nur so strotzenden" Bayern, wie Trainer Schaaf später erklärte, erlebte Bremen ein Debakel. Werder hatte 26 Prozent Ballbesitz gegen die von Trainer Jupp Heynckes auf sechs Positionen veränderte Elf der Bayern, bei denen Bastian Schweinsteiger nicht einmal im Kader stand. Als Heynckes in der 72. Minute Stürmer Claudio Pizarro einwechselte, da skandierten die Werder-Fans "Pizarro, Pizarro" in Richtung des ehemaligen Bremers. Es war einer der bittersten Momente für Werder in diesem Spiel.

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Grafische Analyse: Robbens Lust aufs Leder
Dabei ist das größte Manko der Bremer nicht die Offensive. Dort spielt beispielsweise der von den Bayern ausgeliehene Nils Peteresen eine starke Saison. Der Defensivverbund ist die größte Problemzone. Bremen hat nach der hohen Niederlage in München 47 Gegentore kassiert, nur eines weniger als der Tabellenvorletzte Hoffenheim, die abwehrschwächste Mannschaft der Liga.

Und die Kritik jener Spieler, die reden wollten nach der Pleite in München, war nicht zu überhören: "Das waren völlig unnötige Gegentore", sagte Petersen, Innenverteidiger Sebastian Prödl sah vor den beiden ersten Bayern-Toren durch Arjen Robben und Javier Martínez (25./29. Minute) "individuelle Fehler, wir standen zu weit weg vom Mann. Da hilft uns keine Taktik, das war einfach nur naiv."

"Wir haben Schwierigkeiten, die Konzentration zu halten"

Naiv foulte Prödl dann kurz vor der Pause Bayern-Stürmer Mario Gomez und sah dafür die Rote Karte, zuvor hatte er nur jeden fünften Zweikampf gewonnen. Das 0:3 erzielte Bremens Außenverteidiger Theodor Gebre Selassie per Eigentor (49.). Die weiteren Bayern-Treffer kamen so zustande: Ein Lupfer in den Sechzehner hebelte jeweils die Bremer Abwehr aus, Gomez, Ribéry und wieder Gomez hatten keine Gegenspieler und kaum Mühe, das Tor zu treffen. Selten wurde es den Bayern so einfach gemacht, mit immer demselben Spielzug erfolgreich zu sein.

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Fußball-Bundesliga: Zwei Platzverweise, zwei Elfmeter
Schaaf sagte später: "Wir haben Schwierigkeiten, mit dieser jungen Mannschaft die Konzentration über 90 Minuten zu halten." Gebre Selassie ist 26, Prödl 25, der zweite Innenverteidiger Assani Lukimya 27 und der gegen Robben überforderte Lukas Schmitz 24. Junioren sind das nicht mehr. Fritz und der ebenfalls grippegeschwächte Abwehrchef Sokratis fehlen Bremen natürlich, doch auch mit ihnen sah die Defensive diese Saison oft nicht gut aus.

Seit Ende November ist Bremen auf Talfahrt: 1:4 gegen Leverkusen, 1:4 gegen Frankfurt, 0:5 gegen Dortmund, 2:3 gegen HSV, 2:3 gegen Freiburg, jetzt das Debakel in München. Mit solchen Ergebnissen steht Bremen mittlerweile nur einen Punkt vor Platz 15. Auch wenn keine unmittelbare Abstiegsgefahr besteht, weil Augsburg auf Relegationsplatz 16 elf Punkte Rückstand hat, kann das nicht der Anspruch Werders sein.

Dazu kommt, dass die Zukunft von Schlüsselspielern offen ist. Sokratis hat zuletzt angedeutet, möglicherweise zu gehen, wenn Bremen sich nicht für den internationalen Wettbewerb qualifiziert. Bei Arnautovic sieht selbst Schaaf Bremen nur als Zwischenstation. Die Zukunft des von Chelsea ausgeliehenen Kevin De Bruyne, der den Bremer Ehrentreffer in München erzielte, ist ebenfalls ungewiss. Allein bei der Bayern-Leihgabe Petersen deutet sich an, dass er wohl im Sommer zu Werder wechseln dürfte. Petersen selbst sagt: "Sichere Punkte sind jetzt die oberste Prämisse, um Abstand zu den unteren Rängen zu halten."

Sie schauen nicht nach oben in Bremen, in Richtung Europa League. Ihr nächster Gegner passt gut dazu. Er heißt: FC Augsburg.

Bayern München - Werder Bremen 6:1 (2:0)
1:0 Robben (25.)
2:0 Martínez (29.)
3:0 Gebre Selassie (49., Eigentor)
4:0 Gomez (52.)
4:1 De Bruyne (58.)
5:1 Ribery (86.)
6:1 Gomez (89.)
München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Contento - Martínez (52. Timoschtschuk), Luiz Gustavo - Robben, Shaqiri (72. Pizarro), Ribery - Gomez
Bremen: Mielitz - Gebre Selassie, Prödl, Lukimya, Schmitz - Ignjovski, Junuzovic - De Bruyne, Hunt (46. Pavlovic), Arnautovic - Petersen
Schiedsrichter: Fritz (Korb)
Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)
Rote Karte: Prödl (Bremen) nach einer Notbremse (44.)
Gelbe Karten: Junuzovic (6), Pavlovic

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insgesamt 40 Beiträge
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1. ein weiterer Umbau
robin-masters 23.02.2013
nachdem schon Naldo, Pizarro, Mertesacker, Özil, Harnik, Wiese etc. gegangen sind braucht Werder wohl bald einen weiteren Umbau. Ein Aufbau auf Basis von Leihspielern wird wohl nicht viel bringen. Desweiteren sollte Schaaf dann doch mal überlegen ob man nicht etwas mehr in die Defensive investiert - könnte ein Grund für einen Trainerwechsel sein. Ich bin selbst ein Fan von Schaaf aber wenn man nicht die Mannschaft hat um totalen Ballbesitz-Offensiv-Fußball zu spielen dann muss man erstmal mit der Defensive anfangen.
2. wichtige spieler den verein verlassen?
hinzkunz001 23.02.2013
Zitat von sysopSechs Gegentore in München, zweitschlechteste Abwehr der Liga: Während der FC Bayern die Bundesliga dominiert, wird Werder Bremen nach hinten durchgereicht. Die Probleme der Mannschaft sind eklatant, im Sommer könnten zudem wichtige Spieler den Verein verlassen. Bundesliga: Bremen kassiert deutliche Niederlage beim FC Bayern - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-bremen-kassiert-deutliche-niederlage-beim-fc-bayern-a-885217.html)
sorry aber bei Werde ist keiner wichtig das sind alles versager und grossmaeuler. Wer hat sich denn gegen die niederlage gestemmt? Wer ist wichtig? Arnatovic? das ich nicht lache ueberbezahlter durchschnittsfussballer Hunt? hatte 1-2 gute Jahre aber auch nur mittelmass Sorry aber das Bremen team is so farblos wie der erste schwarzweiss Fernseher. Wichtige spieler.....wichtig sind leute wie Grosskreuz / Schweinsteiger ...etc in Bremen ist jeder ersetzbar und auch nur durchschnitt
3. wenn ich
hinzkunz001 23.02.2013
Zitat von robin-mastersnachdem schon Naldo, Pizarro, Mertesacker, Özil, Harnik, Wiese etc. gegangen sind braucht Werder wohl bald einen weiteren Umbau. Ein Aufbau auf Basis von Leihspielern wird wohl nicht viel bringen. Desweiteren sollte Schaaf dann doch mal überlegen ob man nicht etwas mehr in die Defensive investiert - könnte ein Grund für einen Trainerwechsel sein. Ich bin selbst ein Fan von Schaaf aber wenn man nicht die Mannschaft hat um totalen Ballbesitz-Offensiv-Fußball zu spielen dann muss man erstmal mit der Defensive anfangen.
Schaaf waehre wuerde ich gehen, Bremen wurde ich mir nicht mehr antun, ich bin sogar sicher das die naechste saison gegen den Abstieg Kaempfen werden. da sind keien typen, nur luschen und moechtegern Weltklasse spieler. Die letzten spiele der mannschaft grenzen schon an arbeitsverweigerung, man kann ja verlieren, aber sogar Augsburg hat sich nicht abschlachten lassen von Bayern.
4.
verdammteaxt 23.02.2013
[QUOTE=sysop;12090899]Sechs Gegentore in München, zweitschlechteste Abwehr der Liga: Während der FC Bayern die Bundesliga dominiert, wird Werder Bremen nach hinten durchgereicht. Die Probleme der Mannschaft sind eklatant, im Sommer könnten zudem wichtige Spieler den Verein verlassen. Joa, die Klatsche ist verdient. War aber so gesehen auch gegen die Bayern, nicht wahr?! Vielleicht verliert der Spiegel, der ja immer von Hause ausgerne schlecht über BRemen schreibt, auch mal was zu dem 5:1, das es heute gegen "nur" Hannover gab?! ;-) So gesehen sind 6 Punkte vor Bremen auch nicht die Welt, und sich gegen Hannover ein 5:1 zu holen ist mit unter noch schlechter als das 6:1 gegen die Batzis :P Spiegleich vergiss nicht, wie daneben es auch oft für euren Hausclub steht seit Jahren. Wir sitzen alle im Glashaus und sollten nicht mit Steinen werfen =)
5. Typisch...
LucianBF 23.02.2013
Warum schreiben die Hamburger Spiegelreporter nicht über ihre peinliche Niederlage gegen die 96iger? Weil es natürlich etwas fast genauso peinliches gab: Eine deutliche Niederlage der Rivalen beim derzeit besten Team Europas. Bremen kassiert diese Saison mal wieder zu viele Gegentore, aber die Auszeichnung für die zweitschlechteste Abwehr wechselte an den letzten Spieltagen auch einige Male zwischen uns, Hannover und Stuttgart. Weil der Abstand bei den Gegentoren jetzt mal etwas größer geworden ist muss man das nich gleich so groß bringen. Sokratis fehlte und das merkte man heute, wie auch schon letzte Woche gegen Freiburg. Am nächsten Spieltag wird er wieder dabei sein und wird die Abwehr wieder sicherer stehen. Nachdem jetzt auf zwei Siege zwei Niederlagen folgten , werden wir die nächsten vier Spiele gewinnen (Augsburg, Gladbach, Fürth und Mainz) und wird die Tabelle dann schon wieder ganz anders aussehen. 6 Punkte Rückstand auf die EL sind kein unaufholbarer Abstand. Was die Spieler angeht: Petersen wird bleiben, falls Sokratis geht haben wir mit Pavlovic einen guten Jungen parat. de Bruyne wird vielleicht noch ein Jahr an uns ausgeliehen, wenn nicht wird Eichin mit Ivanschitz einen fast gleichwertigen Ersatz holen. Arni ist auch wertvoll, aber falls er geht dann nur für eine saftige Ablöse, die sich dann wieder gut investieren lässt. Heute war kein guter Tag, aber ein 1:6 ist besser als ein 0:5, und wenn man 45 Minuten in Unterzahl und auswärts gegen Bayern spielt sind 4 Gegentore irgendwie zu erwarten. Dass wir den Bayern aber ihr erstes BL-Gegentor in 2013 reingeknallt haben ist allerdings etwas worauf man stolz sein kann :-)
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