Dortmunds 0:2 in Frankfurt So spielen Absteiger

Borussia Dortmund stolpert an das Tabellenende. Die Fans schimpfen, die Spieler reden nicht, der Trainer wirkt immer verzweifelter. Nun korrigiert der Verein das Hinrundenziel.

AP/dpa

Von Ronny Zimmermann, Frankfurt


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Hamburg - Als die Spieler von Borussia Dortmund nach Abpfiff zur Gästekurve schlichen, kippte plötzlich die Stimmung. Die Fans hatten ihre Zaunfahnen und Banner abgehängt. Sie pfiffen und schimpften. Einige Anhänger streckten ihrer Mannschaft den Stinkefinger entgegen. Der Frust musste einfach raus.

Erneut hatte der BVB ein Bundesliga-Spiel verloren, dieses Mal 0:2 bei Eintracht Frankfurt. Dortmund ist nun erstmals in dieser Saison Tabellenletzter. "Es war klar, dass das jetzt passieren würde. Wir können das nachvollziehen", sagte Trainer Jürgen Klopp über die Fanproteste: "Es gibt momentan wenig Gründe, um uns zu feiern. Wir müssen uns das Vertrauen zurückerarbeiten."

Eigentlich wollten sie damit schon in Frankfurt anfangen. Aber mal wieder machte das Team katastrophale Fehler: Beim 0:1 rückten die Verteidiger Neven Subotic und Matthias Ginter viel zu weit auf. Ein langer Ball reichte und Eintracht-Stürmer Alex Meier lief alleine auf das Tor zu. Dem zweiten Treffer ging ein Missverständnis zwischen Ginter und Torwart Roman Weidenfeller voraus - der Slapstick-Einlage folgte der 0:2-Endstand. Auch im Aufbauspiel leistete sich der BVB immer wieder Fehlpässe. Dortmund patzt wie ein Absteiger.

"Wir machen viel für nichts"

"Wir machen es dem Gegner viel zu leicht, das ist unfassbar", sagte Klopp: "Wenn du frühzeitig so einen Nackenschlag kassierst, geht das an keinem Team spurlos vorbei." Bereits zur Halbzeit liefen die Spieler mit hängenden Köpfen in die Kabine. Das Selbstvertrauen scheint spätestens mit Anpfiff regelmäßig zu verschwinden. Auch die Offensive - eigentlich Dortmunds Prunkstück - wirkt völlig verunsichert.

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Borussia Dortmund: Tiefer geht es nicht mehr
Shinji Kagawa, Henrich Mchitarjan und Pierre-Emerick Aubameyang - regelmäßig versagen sie vor dem Tor. Knapp 50 Millionen Euro gab der BVB für dieses Trio aus - der Ertrag ist momentan gering: Nur drei Teams (Hannover, Köln und Hamburg) treffen noch seltener als Dortmund. Zugang Ciro Immobile, vergangene Saison mit 22 Treffern bester Torschütze in Italiens Serie A, sucht weiterhin seine Form. In Frankfurt fehlte er aufgrund einer Erkältung. Die Probleme häufen sich.

Auch eine andere Statistik belegt die mangelnde Dortmunder Effizienz: Im Schnitt laufen sie etwa 120 Kilometer pro Spiel - mehr als jeder andere Bundesligist. Trotzdem punkten die Gegner. "Wir machen viel für nichts. Das zu durchbrechen, ist eine große Herausforderung", sagte Klopp. Der Trainer selbst sieht sich in der Verantwortung. Einen Rücktritt schließt er weiterhin aus. Auch Michael Zorc zweifelt nicht: "Wir sind hundertprozentig überzeugt, dass wir mit Jürgen da unten rauskommen." Der BVB-Sportdirektor räumt dagegen an anderer Stelle auf.

"Zweite Liga, Dortmund ist dabei"

"Spätestens heute ist endgültig Schluss damit, die Abstände zu den Champions-League-Plätzen auszurechnen", sagte Zorc: "Wir sind mitten im Abstiegskampf angekommen." Bis Weihnachten sei es das Ziel, die Abstiegsränge zu verlassen. Eine ganz neue Realität in Dortmund.

Es scheint, als haben die Verantwortlichen den Ernst der Lage erkannt. Aber ist auch die Mannschaft darauf eingestellt? Nach dem Spiel in Frankfurt entstand ein anderer Eindruck: Kein Profi wollte sich zur Niederlage äußern. Kein Erklärungsversuch, kein Aufbäumen. Alle Spieler verschwanden wortlos in der Kabine.

Durch den Spielertunnel war nur der Gesang der Frankfurter Fans aus dem Stadion zu hören: "Zweite Liga, Dortmund ist dabei!", skandierten sie. Zumindest die Häme ist dem Deutschen Meister von 2011 und 2012 momentan gewiss.

Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund 2:0 (1:0)
1:0 Meier (5.)
2:0 Seferovic (78.)
Frankfurt: Wiedwald - Chandler, Russ, Anderson, Oczipka - Hasebe - Aigner (90.+2 Kittel), Inui (90. Ignjovski) - Stendera (63. Lanig) - Seferovic, Meier
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek (38. Ramos), Subotic, Ginter, Durm - Sven Bender, Kehl (74. Gündogan) - Mchitarjan, Kagawa (74. Jojic), Großkreutz - Aubameyang
Schiedsrichter: Gagelmann
Zuschauer: 51.500 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Aigner (4), Lanig - Ginter, Großkreutz (2)
Ballbesitz in Prozent: 45 / 55
Schüsse: 11 / 17
Torschüsse: 3 / 6
Gewonnene Zweikämpfe in Prozent: 47 / 53

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insgesamt 141 Beiträge
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hubie 30.11.2014
1. Rückspiele
Am Ende der Saison wird Dortmund ungefährdet irgendwo im oberen Mittelfeld sein, wenn man sich nach Weihnachten mal wieder besonnen hat. Die Mannschaft hat unglaubliche Qualität, nur irgendwo liegt gerade was verquer. Ob es am Trainer liegt - wer weiß. Die werden bei anderen Vereinen ja manchmal schon profilaktisch gefeuert... besonders Kloppo hat ja gezeigt wozu er in der Lage ist was aus Mannschaften zu machen, ich denke es wäre verfrüht jetzt schon die "Notbremse" zu ziehen. Vor allem, weil man dann erstmal das sowieso schon geringe Tempo auf 0 herunter zieht.
brunoswelt 30.11.2014
2. Nicht Klopp sollte gehen
Der BVB ist diese Saison ein Beispiel dafür, wie schlechtes Management einen Verein ruinieren kann. Kassen voller Geld und doch nix Gscheites eingekauft. Da sollte der gute Zorc mal nach München in die Nachhilfe.
retterdernation 01.12.2014
3. Wer den völlig frustrierten Klopp
gesehen hat, nach der Niederlage in Frankfurt, dem kann nichts gutes einfallen! Die kommenden Spiele werden zeigen, ob aus dem Drama eine Tragödie wird. Mitleid - keine Spur - dafür erscheint das Projekt Dortmund einfach zu sehr überholt. Und das liegt wohl vor allem an den viel zu teuren Fehleinkäufen der vergangenen zwei Jahre. Dazu scheint einigen Akteuren die Show wichtiger zu sein, als der Kampf! Flachzangen nannte man sowas früher....
JBond 01.12.2014
4.
Hr Zimmermann scheint noch nicht viele Mannschaften in unteren Tabellenregionen gesehen zu haben. Wo ist denn die Stimmung "gekippt" - es gab eher vereinzelte Pfiffe...die Mehrzahl der Fans war genau wie die Mannschaft einfach rat- und wortlos. Ob die Innenverteidiger beim 0:1 zu weit aufgerückt waren - oder der Befreiungsschlag von Russ einfach ein glücklicher Kunstschuss zu Meier war, ist auch ein anderes Thema. Bei jedem anderen Verein wären längst die "XYZ raus!"-Rufe gekommen...aber nicht beim BVB - noch nicht. Jetzt heißt es am Freitag zu Hause zu gewinnen...ansonsten könnte auch die sehr geduldige Südtribüne langsam die Geduld verlieren.
knumue 01.12.2014
5.
Immer noch 1000 x spannender, mit dem BVB gegen den Abstieg zu bangen, als sich über Bayerns Vorsprung zu langweilen.
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