Spiel in Hamburg BVB-Fan stört Schweigeminute mit Nazi-Ruf

Es geschah während der Schweigeminute für Hamburgs Kult-Masseur Hermann Rieger. Ein mutmaßlicher Fan von Borussia Dortmund störte das Gedenken mit einem "Sieg heil"-Ruf. Gegen den Mann wurde Strafanzeige gestellt, der HSV kündigte ein Stadionverbot an.

HSV-Fans: Choreografie für verstorbenen Kult-Masseur
DPA

HSV-Fans: Choreografie für verstorbenen Kult-Masseur


SPIEGEL ONLINE Fußball
Hamburg - Der Hamburger SV trug am Samstag Trauer. Im Gedenken an den am Dienstag verstorbenen Kult-Masseur Hermann Rieger liefen die Profis des Traditionsvereins bei der Partie gegen Borussia Dortmund (3:0) mit Trauerflor auf. Vor dem Anpfiff präsentierten die Fans auf der Nordtribüne des Hamburger Stadions eine beeindruckende Choreografie: Mit schwarzen Pappschildern verdunkelten sie den gesamten Fan-Bereich. Im Oberrang war ein großes Bild von Rieger zu sehen. Auf einem Plakat über die ganze Breite der Tribüne stand: "Für immer unser bester Mann, den niemand je ersetzen kann." Und darunter: "Ruhe in Frieden, Hermann!"

Auch eine Schweigeminute in Gedenken gab es. Doch die Ruhe im Stadion wurde jäh unterbrochen. Aus dem Gästebereich war ein einzelner "Sieg Heil!"-Ruf zu hören. Mehrere im Stadion Anwesende bestätigten hinterher, den Ruf vernommen zu haben. Einige Fans reagierten mit Pfiffen.

Ein Sprecher der Hamburger Polizei bestätigte den Vorfall auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE. Demnach handelte es sich bei dem Übeltäter um einen 33-jährigen Mann, der stark alkoholisiert war. Der Mann wurde von Ordnungskräften des Vereins aus dem Fanblock des BVB geholt und später des Stadions verwiesen. Bei der Aufnahme seiner Personalien soll der Mann den Vorfall bedauert und von einer Dummheit gesprochen haben. Es wurde Strafanzeige erstattet.

Borussia Dortmunds Pressesprecher Sascha Fligge hatte SPIEGEL ONLINE am Samstagabend gesagt, dass ein Teambetreuer den Ruf vernommen habe, er selbst jedoch nicht. "Borussia Dortmund verurteilt jede Form von Rassismus aufs Schärfste, wir haben zum konkreten Fall aber keine Informationen", so der Vereinssprecher.

Sollte sich herausstellen, dass es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen BVB-Fan handelt, "werden wir den HSV darin bestärken, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um diesen Mann so lange wie möglich von allen Bundesliga-Stadien fernzuhalten", sagte Fligge. Hamburgs Pressesprecher Jörn Wolf sagte am Montag, dass dem Mann ein Stadionverbot erteilt werde.

buc/max

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