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BVB-Remis gegen Köln: Gefährliche Ruhe

Aus Dortmund berichtet

BVB gegen Köln: Dortmunds Defensiv-Dilemma Fotos
AFP

Vollgas? Eher Stotter-Fußball. Beim torlosen Remis gegen den
1. FC Köln agierte Dortmund harm- und ideenlos. Die Borussia hat offenbar Mühe damit, nach erfolgreicher Krisenbewältigung zu altem Biss zu finden.

SPIEGEL ONLINE Fußball
In den letzten Minuten der Partie zwischen Borussia Dortmund und dem 1. FC Köln herrschte plötzlich Aufbruchsstimmung. Hunderte Zuschauer strömten zu den Ausgängen. Es stand 0:0, beide Teams hatten bis zum Ende die Chance, das Spiel zu gewinnen, doch irgendwie war zu spüren, dass hier an diesem Tag nichts mehr passieren würde.

"Der Spaß hielt sich heute in Grenzen", sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc. Angreifer Marco Reus ergänzte: "Das war von beiden Seiten kein großer Kick." Solche Sätze sind selten in Dortmund, dem auch in dieser Saison wohl abenteuerlichsten Bundesligastandort.

Dass das Publikum an diesem Abend einen zähen und in vielen Phasen glanzlosen Fußball präsentiert bekam, lag zum einen am uninspirierten BVB und zum anderen an den kunstvoll verteidigenden Kölnern. "Das ist einfach die Art, wie die Fußball spielen, Köln macht es schon speziell", sagte Jürgen Klopp angesichts der sehr kompakten Spielweise der Gäste. Wenn nicht alles täuscht, stand dem Trainer in diesem Moment eigentlich der Sinn danach, seine Aussage mit einem despektierlichen Nebensatz zu komplettieren. Aber das verkniff Klopp sich dann doch.

Die negativen Auswirkungen der überwundenen Krise

Denn natürlich ist der Kölner Defensivfußball ein ebenso probates wie legitimes Mittel im Abstiegskampf. Und eine Herangehensweise, die einen Gegner extrem nerven kann und vielen Offensivspielern die Freude am Ballbesitz raubt. "Wir haben in den entscheidenden Momenten zu wenig offensive Zweikämpfe gewonnen", sagte Klopp in Anspielung auf die schwachen Auftritte von Henrich Mchitarjan, Shinji Kagawa, Pierre-Emerick Aubameyang und auch Reus, der erklärte: "Wir hatten keine gute Passgenauigkeit und haben uns viel zu wenig bewegt."

Die Sache mit der Bewegung war tatsächlich ein großes Problem, das zu allerlei Spekulationen einlädt. Vor dem Hintergrund der ebenfalls eher biederen Leistung beim Hamburger SV eine Woche zuvor steht der Verdacht im Raum, dass sich nach der jüngsten Erfolgsserie und dem gefeierten Derbysieg gegen Schalke ein giftiger Gedanke in den schwarz-gelben Organismus eingeschlichen hat: Haben vielleicht einige Spieler gedacht, nach den vier Siegen zwischen dem 20. und dem 23. Spieltag sei der Klub zurück in der alten Erfolgsspur, in der der BVB Spiele oft auch ohne den Einsatz maximaler Willenskraft gewinnen konnte?

Die These, dass die Krise überwunden sei und der BVB sich in ein Spitzenteam zurückverwandelt habe, ist weit verbreitet, nun sagte Klopp: "Wir haben keine 60 Punkte, das merkt man. Es läuft nicht einfach so." Und ums Überleben müssen die Dortmunder im Moment auch nicht kämpfen.

Nachdem der BVB wochenlang in einer chronischen Extremsituation gefangen war, ist zuletzt so etwas wie Ruhe eingekehrt. Eine Ruhe, die dem Spiel des Teams möglicherweise nicht gutgetan hat. Roman Weidenfeller bestätigte diesen Eindruck indirekt, als er hervorhob, dass seine Offensivkollegen "nicht unbedingt den Treffer erzielen wollten", man müsse sich eben "auch mal in den Ball reinschmeißen", so der Torhüter.

Der BVB in der Phase des Durchschnaufens

Hinzu kamen große Probleme im Spielaufbau, wo Sebastian Kehl und Ilkay Gündogan ein paar schlimme Fehler unterlaufen waren. Mehrfach konnten die Kölner nach guten Balleroberungen gefährlich kontern, doch Anthony Ujah und Deyverson scheiterten jeweils an Torhüter Weidenfeller. Es war nicht zu übersehen, welche Bedeutung die Sicherheit des verletzt fehlenden Nuri Sahin derzeit für die Stabilität der Mannschaft hat.

In der Bundesliga stecken die Dortmunder offenbar in einer Phase des Durchschnaufens nach dem Kraftakt, der die ärgsten Abstiegssorgen vertrieben hat. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die traditionellen BVB-Tugenden nach "Gier" und "Vollgas" nicht ausgeprägt genug vorhanden waren. Dass dieser Mangel an Durchschlagskraft auch zu einem Problem in der Champions League am Mittwoch im Achtelfinal-Rückspiel gegen Juventus Turin (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) werden könnte, ist eher unwahrscheinlich. An den besonderen Tagen waren die Dortmunder auch in dieser Krisensaison fast immer stark. "Wir haben im Hinspiel (1:2) schon gezeigt, dass wir denen ein bisschen wehtun können", sagte Klopp.

Borussia Dortmund - 1. FC Köln 0:0
Dortmund: Weidenfeller - Kirch, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Kehl - Mchitarjan (61. Blaszczykowski), Kagawa (61. Kampl), Reus - Aubameyang (76. Immobile)
Köln: Horn - Olkowski, Maroh, Mavraj, Hector - Lehmann, Vogt - Peszko (83. Svento), Risse (90. Brecko) - Deyverson (75. Osako), Ujah
Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)
Zuschauer: 80.667 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Aubameyang (3), Schmelzer (3)

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1. Angsthasenfußball.
Misantroph 15.03.2015
Das Problem ist doch, dass die Gegner vom BVB sich ganz in Di Matteo und Chelsea Manier in zwei Viererketten um den eigenen Sechzehner versammeln und lediglich 10 Meter nach hinten und vorne parallel verschieben. Das sollte verboten werden.
2.
clauebers 15.03.2015
Zitat von MisantrophDas Problem ist doch, dass die Gegner vom BVB sich ganz in Di Matteo und Chelsea Manier in zwei Viererketten um den eigenen Sechzehner versammeln und lediglich 10 Meter nach hinten und vorne parallel verschieben. Das sollte verboten werden.
finde ich auch, der gegner sollte immer gezwungen werden so zu spielen, dass der eigene verein die höchsten siegeschancen hat. aber im ernst: war doch ne gute generalprobe fürs nächste spiel, italienische manschaften sind ja auch nicht gerade bekannt für ihren offensivfussball wenn sie eine führung im rücken haben. zumindest die letzten 20 min haben ja gezeigt, dass gg solche gegner zumindest chancen erspielt werden können. vor allem, wenn man kampl nicht auf der bank anfangen lässt
3.
nighttiger 15.03.2015
Zitat von MisantrophDas Problem ist doch, dass die Gegner vom BVB sich ganz in Di Matteo und Chelsea Manier in zwei Viererketten um den eigenen Sechzehner versammeln und lediglich 10 Meter nach hinten und vorne parallel verschieben. Das sollte verboten werden.
Achwas auch so n schlauer wie klopp? Was bitte soll den köln mit deren 20 mio kader gegen den 330 mio kader bvb machen? Auf harikiri spielen oder was? Die brauchen beim abstiegskampf auch jeden punkt. Lächerlich
4. Bayern
Freifrau von Hase 15.03.2015
@Misantroph Jetzt wissen Sie und der BVB endlich, wie es den Bayern schon seit Jahren geht. 16 Mannschaften fahren nach München und denken "0:0" ist ein gutes Ergebnis und mauern (den BVB nehme ich als 17. Club ausdrücklich aus).
5.
jgwmuc 15.03.2015
Dortmund zeigt was es ist, eine höchst Durchschnittliche Mannschft. Teuer eingekauft, über 130 Millionen in 15 Moanten verbraten, für Grasrumpler. Da wähnte man sich auf Augenhöhe mit Bayern München und liegt schon über 30 Punkte zurück. Das wars wohl mit der Dortmunder Herrlichkeit, wie immer alle 10 bis 12 Jahre Köpfchen aus dem Wasser, dann wieder auf Tauschstation. Susi und Klopp gehören weg, so auch der Dampfplauderer Schwatzke, der mit seinem Gequatsche uns nur schadet. Ein BVB Fan und Mitglied
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