BVB-Sieg über Hoffenheim Krieg der Schwärme

Ein Top-Spiel der besonderen Art. Zwei Trainer, die in den Fokus von Europas Spitzenklubs gerückt sind. Und das leidige Thema mit den Handspiel-Regeln. Alles Wichtige zum Spiel.

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Die Ausgangslage: Vor der Partie lag Hoffenheim einen Punkt vor dem BVB. Hätte die TSG das Spiel in Dortmund gewonnen, wäre es wohl die Vorentscheidung im Rennen um Platz drei und damit um die direkte Champions-League-Qualifikation gewesen.

Duell der Umworbenen: Sowohl Thomas Tuchel als auch Julian Nagelsmann haben mit ihrer Arbeit längst das Interesse größerer Klubs geweckt. Der mediale Hype um die beiden Trainer hat mittlerweile solche Ausmaße angenommen, dass sogar schon Kleidungsvorlieben zu handfesten Indizien auf den nächsten Arbeitgeber umgedeutet werden. Während bei Nagelsmann die nahe Zukunft geklärt ist (bleibt noch mindestens eine Saison), ist die vom BVB-Coach weiter in der Schwebe. Atmosphärische Störungen zwischen Tuchel und den Vereinsoberen bestätigte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zuletzt unverhohlen. Vor dem Anpfiff wollte Dortmunds Trainer das Thema verständlicherweise kleinreden, um die Konzentration nicht zu stören.

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BVB-Sieg über Hoffenheim: Angriff abgewehrt

Die Startformationen
Dortmund: Bürki - Ginter, Sokratis, Schmelzer - Piszczek, Weigl, Castro, Guerreiro - Dembélé, Reus, Aubameyang
Hoffenheim: Baumann - Hübner, Vogt, Süle - Rudy - Zuber, Kramaric, Demirbay, Kaderabek - Wagner, Uth

Das Ergebnis: Der BVB bezwingt Hoffenheim 2:1 (1:0). Hier geht es zur Sammelmeldung der Samstagsspiele.

Die erste Hälfte:
Dortmund startete druckvoll und ging durch einen Treffer von Marco Reus aus Abseitsposition in Führung (4. Minute). Kurz darauf lag das Schiedsrichtergespann abermals falsch, als es dem BVB einen Handelfmeter zusprach. Schütze Pierre-Emerick Aubameyang setzte den Strafstoß allerdings neben den linken Torpfosten (13.). Im Anschluss zogen sich die Gastgeber zurück und lauerten auf Kontersituationen. Hoffenheim fand jedoch nur selten eine Lücke im schwarz-gelben Abwehrverbund - und folglich offensiv auch kaum statt.

Die ewige Crux mit der Regelauslegung: Wann muss ein Handspiel geahndet werden? In der 13. Minute wurde das Dilemma innerhalb von wenigen Momenten deutlich. Erst verschaffte sich Reus einen klaren Vorteil, als er einen hohen Ball mit dem Oberarm annahm. Referee Felix Brych übersah dies. Nach der folgenden Flanke, die am ausgestreckten Arm von Pavel Kaderabek landete, entschied der Schiedsrichter jedoch auf Handspiel. Absicht kann man dem Tschechen aus kürzester Distanz wohl kaum unterstellen - und das gilt laut DFB-Statuten als ausschlaggebendes Kriterium. Allerdings greifen zur Beantwortung dieser Frage mehrere Aspekte: Geht der Arm zum Ball? Konnte der Spieler überhaupt ausweichen? War es eine unnatürliche Handbewegung? Das Thema ist weiterhin so komplex, dass selbst der DFB in seinem Regelheft resigniert: "Beim Handspiel wird es immer wieder zu Situationen kommen, die man nicht einheitlich bewertet."

Die zweite Hälfte: Trotz einer bemerkenswerten Ballbesitzstatistik (61,3 Prozent in Halbzeit zwei) konnte die TSG lange kein Kapital aus ihrer Dominanz schlagen. Immer wieder fehlte es an der Präzision beim letzten Pass, um die BVB-Abwehr aus den Angeln zu heben. Torgefahr konnte Hoffenheim kaum entwickeln, erst ein verwandelter Elfmeter von Andrej Kramaric brachte der TSG ein Erfolgserlebnis, nachdem Matthias Ginter Sandro Wagner zuvor im Strafraum in bester Ringermanier umgerissen hatte (86.). Der Treffer konnte Dortmunds Heimsieg allerdings nicht verhindern, weil Aubameyang kurz zuvor zum 2:0 abgestaubt hatte (82.).

Die Kunst der Verteidigung: Am heutigen Tag war es vor allem eine wahre Wonne zu sehen, mit welchem Elan und welcher Disziplin beide Mannschaften verteidigten. Nach einem Ballverlust griffen die einstudierten Mechanismen, um das Spielgerät im Eiltempo zurückzuerobern. Vogelschwärmen gleich verschoben alle Akteure diszipliniert in Richtung des Ballführenden, die Abstände zu Mit- und Gegenspielern stimmten fast immer. Die (Defensiv-)Arbeit im Trainingsalltag machte sich also bezahlt, insgesamt neun Schüsse aufs Tor (gegenüber 29 Tacklings) sind angesichts der Offensivpower, über die beide Mannschaften verfügen, ein klarer Beleg dafür.

Erkenntnis des Spiels: Dortmund kann auch Defensivfußball. Und hat nun beste Chancen, auch im nächsten Jahr ohne den Umweg der Qualifikation in der Königsklasse anzutreten.



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elisenstein 06.05.2017
1. wozu
ist eigentlich der 4.Unparteiische da? Um das Täfelchen beim Auswechseln eines Spielers hochzuhalten? Das kann auch ein Bubi. Wäre doch schön, wenn er mal einschreiten würde wenn der Schiri so blind ist wie beim Spiel Dortmund gegen Hoffenheim. Aber Hoffenheim scheint ja ohnehin nicht so sein Ding zu sein. Siehe Spiel Hoffenheim/Leverkusen vor etlichen Monaten.
mhope 06.05.2017
2. Schiedsrichterleistung eine Katastrophe
Da trainieren Profimannschaften hart um ein gutes Spiel abzuliefern und wer entscheidet so ein Spiel? Der Schiedsrichter. Und der hatte einen ganz miserablen Tag. Reus war so klar im Abseits und der Elfmeter gegen Hoffenheim. Reus nimmt den Ball mit der Hand mit und schießt einen Hoffenheimer an die Hand. Elfmeter! Das sieht aus wie ein schlechter Witz. Das war so schlecht gepfiffen, dass schon wieder ein böser Verdacht aufkommt. Als Belohnung bekommt der Schiedsrichter sicherlich ein Endspiel.
Heinz L. Meier 06.05.2017
3. Und wieder so ein Spiel
wo der DFB und DFL Liebling BVB nur mit Hilfe des Schiedrichters, nicht aber aus eigener Leistung gewinnen konnte. Sie scheinen systemrelevant zu sein und müssen daher natürlich direkt in die Champions League. Jeder andere Verein hätte in derselben Situation über die Saison gesehen 10-15 Punkte weniger auf dem Konto. Erschreckend, wie es die Schiedsrichter immer wieder schaffen, den Wettbewerb zugunsten des BVB zu verzerren.
Paul 57 06.05.2017
4. Die Schiedsrichter leistung war unterirdisch
und zumeist profitierte der BVB von den Entscheidungen des Schiedsrichters. Im Hinspiel war es genau andersrum. Auch wenn die Hoffenheimer zurecht sauer sind, gibt es doch einen bemerkenswerten Faktor: Hoffenheim hatte keine höherwertige Tormöglichkeit - es gab Distanzschüsse, aber ohne Gefahr. Ich bin BVBler und bin sehr unglücklich über Herrn Watzke, der einfach seinen Mund nicht halten kann. Auch ich habe Kritik an Herrn Tuchel, aber diese öffentlich im Saisonendspurt anzudeuten, läßt eher auf schwaches Leitungsverhalten von Herrn Watzke schließen.
george2013 06.05.2017
5. Blind war der Schiri nicht
... aber es ging bei diesem Spiel um die direkte CL-Teilnahme. Da geht es um Millionen. Und man hat ja heute gesehen, zu was der an sich gute Schiri alles fähig war. Außervewöhnlich ist das, ja, bemerkenswert. Aber mehr darf ich hier aus rechtlichen Gründen nicht sagen.
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