DFL-Chef Seifert "Werden niemals ein Punktspiel außerhalb Deutschlands spielen"

Die spanische Liga hat angekündigt, einzelne Duelle zu Vermarktungszwecken im Ausland auszutragen. Künftig auch ein Modell für die Bundesliga? Nicht, wenn es nach DFL-Boss Christian Seifert geht.

Dortmunds Julian Weigl (l.), Münchens Robert Lewandowski
AP

Dortmunds Julian Weigl (l.), Münchens Robert Lewandowski


DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hat die Verlegung von einzelnen Bundesligapartien ins Ausland kategorisch ausgeschlossen. "Wir werden niemals ein Punktspiel außerhalb Deutschlands spielen", sagte der 49-Jährige beim Fußballgipfel des Wochenmagazins "Die Zeit" in Frankfurt am Main. Zuletzt hatte die spanische Fußball-Liga angekündigt, ein Spiel pro Saison in den USA austragen zu wollen. Dabei geht es vor allem um die Steigerung der Vermarktungschancen.

Seifert sieht darin ein Zeichen "mangelnden Respekts" den Fans und auch der US-Liga (MLS) gegenüber. "In den USA brauchen sie niemanden, um den Fußball zu promoten", sagte Seifert: "Das ist eine Grenze, die wir nicht überschreiten werden." Die Bundesliga hat ihre Präsenz im Ausland in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet. Dazu zählen regelmäßige Sommerreisen der Topvereine in die USA oder nach Asien.

Neue Ausdrucksformen, neue Interessen

Die DFL schließt dennoch nicht aus, bei der Verbreitung des Produkts Bundesliga neue Wege zu beschreiten. "Wir können uns der Digitalisierung nicht verschließen. Wir müssen uns mit den neuen Ausdrucksformen der Menschen, die nachrücken, mit den neuen Interessen und Erwartungen der Zielgruppen beschäftigen", sagte Seifert.

Christian Seifert (Archiv, Juni 2016)
DPA

Christian Seifert (Archiv, Juni 2016)

Seiner Einschätzung nach wäre es "völlig blauäugig zu glauben, dass heute zehn- oder zwölfjährige Mädchen oder Jungen in zehn oder 15 Jahren 90 Minuten vor dem Bildschirm sitzen und sich ein nervenaufreibendes 0:0 anschauen". Das müsse in den bereits angelaufenen Verhandlungsgesprächen über die neuen Medienrechte ab der Saison 2021 bedacht werden. "Wir müssen uns jetzt gemeinsam überlegen, wie sich die medialen Bedürfnisse und Angebote entwickeln", sagte Seifert.

Seifert ist zudem davon überzeugt, dass sich e-Sport künftig auf dem Markt etablieren wird. "Es ist müßig, darüber zu sprechen, ob das Sport ist. Das ist eine neue Form des Wettbewerbs", betonte der DFL-Boss. Es gehöre zur unternehmerischen Verantwortung, bei solchen Dingen auch einmal "mit Mut voranzugehen und nicht zu sagen, das wird schon an mir vorüberziehen".

chh/dpa/sid



insgesamt 18 Beiträge
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mw.de 04.09.2018
1.
So lange es die Englische Premier League gibt wird sich ausserhalb Deutschlands auch niemand fuer das recht mittelmaessige Bundesliga gekicke interessieren.
windexx 04.09.2018
2. Man soll nie "nie" sagen.
Wenn die Spanier Erfolg mit einem Liga-Spiel in den USA haben, werden die anderen Ligen nachziehen. Es wundert mich, dass die Champions League noch nicht nachgezogen hat. Was die schwachen Zahlen der Bundesliga in den USA angeht: Solange der Meister schon vor Saisonbeginn feststeht, aber in der Champions League nichts zu melden hat, werden die Einschaltquoten fuer die BuLi im Ausland niedrig bleiben. Der FC Bayern ist derzeit der Totengraeber der BuLi Vermarktung im Ausland: Zu stark in Deutschland, zu schwach in Europa.
Zett 04.09.2018
3. Genau !
Ich bin dafür, Bayern München sollte seine Heimspiele in Kuala Lumpur austragen, da findet vielleicht noch jemand den Kampf um die Meisterschaft mangels Information interessant.
themistokles 04.09.2018
4.
Man sollte niemals nie sagen. Warum nicht einzelne, ausgewählte (!) Spiele mal im Ausland durchführen? Die NBA praktziert dies zB ziemlich erfolgreich. Aber wahrscheinlich haben da ein Haufen Ultras und Ewig- Traditionalisten was dagegen. Macht ja den Fußball kaputt, blablabla....
frietz 04.09.2018
5.
Zitat von windexxWenn die Spanier Erfolg mit einem Liga-Spiel in den USA haben, werden die anderen Ligen nachziehen. Es wundert mich, dass die Champions League noch nicht nachgezogen hat. Was die schwachen Zahlen der Bundesliga in den USA angeht: Solange der Meister schon vor Saisonbeginn feststeht, aber in der Champions League nichts zu melden hat, werden die Einschaltquoten fuer die BuLi im Ausland niedrig bleiben. Der FC Bayern ist derzeit der Totengraeber der BuLi Vermarktung im Ausland: Zu stark in Deutschland, zu schwach in Europa.
Was sollen die Bayern denn machen? Schlechter spielen, damit andere Mannschaften mithalten können? Was können die Bayern dafür, dass die Konkurrenz gegen Übermannschaften wie Düsseldorf, Hertha, oder Hannover Punkte verliert. So viele schwache Spiele können die Bayern über eine Saison überhaupt nicht machen. Vielleicht könnte man es so machen, dass die Bayern automatisch mit 15 oder 20 Punkten weniger starten.
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