Bestes Hinrunden-Team der Bundesliga Vier Bayern und ein Härtefall

Es geht wieder los! Mit dem Spiel des HSV gegen Bayern beginnt die Rückrunde. Zur Einstimmung: Das Top-Team der Hinrunde, komplett aus objektiven Spieldaten gebildet. Hier sind alle Rankings - machen Sie sich auf Überraschungen gefasst!

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REUTERS


Endlich wieder Bundesliga! Mit dem Spiel des FC Bayern München beim Hamburger SV beginnt am Freitag (20.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky und ARD) die Rückrunde. Es wird Antworten geben auf wichtige Fragen: Wie wirkt sich der nahende Abschied von Pep Guardiola auf die Bayern aus? Gewinnen die Münchner den vierten Titel in Serie, oder kann Borussia Dortmund noch die Sensation schaffen? Wer kommt in die Champions League, wer kämpft gegen den Abstieg? Welche Spieler sichern sich einen Platz im EM-Kader von Joachim Löw?

Bei der Beantwortung dieser elementaren Fragen wird es immer um eins gehen: Leistung. Aber wie misst man die? Wir haben in der Hinrunde einen so neuen wie radikalen Ansatz eingeführt, der jegliche Subjektivität bei der Bewertung ausschließen soll: den SPIX. Auf Basis von Dutzenden objektiven Spieldaten wird die Leistung der Bundesligaprofis endlich realistisch abgebildet. Live. Natürlich ist das noch keine Perfektion, so kann beispielsweise noch kein Bezug hergestellt werden zu konkreten taktischen Handlungsanweisungen des Trainers. Aber wir arbeiten dran!

Dass die Ergebnisse trotzdem sehr viel Aussagekraft haben, zeigt unsere SPON11 der Hinrunde, die wir Ihnen hier präsentieren. Damit die Daten repräsentativ sind, haben wir nur Spieler berücksichtigt, die auf einer Position mindestens achtmal bewertet worden sind. Das hat Erwartbares und Überraschendes mit sich gebracht - und auch einen Härtefall. Aber lesen Sie selbst.

Tor

Dass der 1. FC Köln eine eher defensive Spielweise bevorzugt, ist kein Geheimnis. Aber wie wichtig ist Torhüter Timo Horn für den Erfolg des FC? Der SPIX weist ihn als besten Keeper der Hinrunde aus, und dieses Ergebnis wird auch von anderen Statistiken gedeckt: Obwohl lediglich vier Mannschaften mehr Torschüsse des Gegners zugelassen haben als Köln, hat das Team von Peter Stöger nur 21 Gegentore kassiert. Nicht einmal jeder zwölfte Abschluss des Gegners wurde zu einem Treffer. Einzig der FC Bayern steht noch besser da, wenn es um diese Kennzahl geht. Horn ist zudem ein sehr zuverlässiger Schlussmann ohne große Leistungsschwankungen.

Einen noch besseren SPIX-Schnitt weist übrigens Koen Casteels auf (80,05). Aber der Belgier vertrat Diego Benaglio im Tor des VfL Wolfsburg nur an den ersten drei Spieltagen und wird deshalb nicht in unserer Hinrundenelf berücksichtigt.

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Innenverteidigung

Jérôme Boateng ist der beste Innenverteidiger der Hinrunde laut SPIX. Das ist so erwartbar wie gerechtfertigt. Der Weltmeister steht als Abwehrchef der besten Defensive in Europas großen fünf Ligen vor. Dass ihm einst das Image eines fehleranfälligen Verteidigers anhaftete, klingt heute wie eine groteske Fehleinschätzung: Boateng zählt unumstritten zu den besten Abwehrspielern der Welt.

Platz zwei lässt schon eher aufhorchen: Mats Hummels folgt Boateng mit nur knappem Rückstand. Hier erinnert man sich gern an Hummels' unglücklichen Abend in Hamburg am 13. Spieltag, als sein spektakuläres Eigentor die Vorentscheidung für den HSV bedeutete. Doch der SPIX bewertet Abwehrspieler eben nicht nach dem klassischen Notenmuster, bei dem ein Fehler in 90 Minuten sofort die Schulnote fünf oder sechs nach sich zieht. Dortmunds Erfolgsgeheimnis unter Thomas Tuchel liegt sicher eher in der Offensive, die nach Toren pro Spiel die beste in Europas Top-Ligen ist. Das liegt aber nicht nur an Pierre-Emerick Aubameyang oder Henrich Mchitarjan. Sondern auch daran, dass Hummels seine Stärken in der Spieleröffnung immer wieder entscheidend einbringen konnte. Gerade seine Pässe helfen Tuchels BVB dabei, kompakte Gegner auf spielerische Weise zu besiegen. Das macht ihn zu einem Schlüsselspieler seiner Mannschaft.

Außenverteidigung

Zwei Wolfsburger Außenverteidiger hatten in der Hinrunde die besten SPIX-Werte: Ricardo Rodríguez auf der linken und Christian Träsch auf der rechten Seite. Während sich Träsch durch den Verkauf von Kevin de Bruyne nach Manchester und Vierinhas Verletzung erst ab September einen Stammplatz erkämpfte, verpasste Rodríguez zum Ende der Hinrunde wegen verschiedener Verletzungen ein paar Begegnungen. In beiden Fällen reichte die Anzahl der bewerteten Spiele aber aus, um ihre Leistungen als repräsentativ für die Stärken des VfL anzuerkennen. In der Offensive bereitet nur Hoffenheim eine noch größere Anzahl seiner Angriffe über die Außenbahnen vor als Wolfsburg. Das geht aber nicht zulasten der Defensive, was für die taktische Klugheit beider Spieler spricht - und für das gute Zusammenspiel mit dem Mittelfeld und der Innenverteidigung.

Interessant ist noch ein Blick auf die beste Einzelleistung eines Außenverteidigers in der Hinrunde: Kein Bundesligaspieler erzielte auf dieser Position bisher eine bessere Bewertung als Tobias Levels am achten Spieltag beim Ingolstädter 2:0 gegen Frankfurt (79,69). Noch vor zwei Jahren wurde Levels von den eigenen Fans in Düsseldorf angefeindet, weil er vermeintlich zu viele Fehler beging. Jetzt spielt die Fortuna gegen den Abstieg in die 3. Liga. Und Levels darf mit Ingolstadt von der Europa League träumen.

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Mittelfeld defensiv

Gemessen an den Erwartungen vor der Saison müsste man wohl Julian Weigl zum besten defensiven Mittelfeldspieler der Liga küren. Vielleicht hat noch nie ein Bundesligadebütant so schnell in diese anspruchsvolle Rolle hineingefunden wie der Neu-Dortmunder. Der SPIX bewertet aber nicht relativ, sondern absolut, und da landet Weigl nur auf Platz drei. Allerdings zeigte er beim 3:0 gegen Leverkusen die beste Einzelleistung in einem Hinrundenspiel (86,29).

Über 17 Spiele gesehen, fielen die Werte von Xabi Alonso und Arturo Vidal noch etwas besser aus. Im Schatten auffälligerer Zugänge wie Douglas Costa und Kingsley Coman hat Vidal eine zentrale Rolle fürs Bayern-Spiel eingenommen. Thomas Müller und Robert Lewandowski sind die einzigen Münchner Feldspieler, die noch mehr Minuten in der Hinrunde gespielt haben. Vidals Image gemäß foult er recht oft. Tatsächlich begehen nur vier Spieler in der gesamten Liga im Schnitt noch mehr Foulspiele als der Chilene. Dass er dafür aber in 15 Spielen nur eine Gelbe und keine Rote Karte sah, zeigt, dass es hier nicht um Mentalität oder Fairness geht, sondern um eine bestimmte taktische Rolle. Auch das trägt dazu bei, dass Bayern so wenige Kontergegentore kassiert.

Mittelfeld außen

Die Leistungsexplosion von Henrich Mchitarjan unter seinem neuen Trainer Thomas Tuchel spiegelt sich auch in seinem Hinrunden-Bestwert im SPIX wider. Dass er ein überragender Fußballer ist, daran gab es auch zuvor keine Zweifel. Was sich geändert hat, ist die Konstanz, mit der Mchitarjan seine Fähigkeiten entscheidend zur Anwendung bringt. Sechs Tore und acht Vorlagen (nach Zählung der Opta-Statistiken) zeugen davon. Kein Spieler der Liga hat mehr Treffer direkt vorbereitet.

Auf Platz zwei landet nicht etwa Douglas Costa. Das liegt daran, dass der Münchner in sieben Spielen als Außenbahnspieler und in fünf Spielen als Stürmer registriert wurde, also auf keiner Position die erforderlichen acht Begegnungen zusammenbrachte. Stattdessen ist Hakan Calhanoglu der nächstbeste infrage kommende Spieler. Es gibt nicht wenige Beobachter, die Calhanoglus vermeintliche Inkonstanz für die Schwächen von Bayer 04 verantwortlich machen. Allerdings ist er erst 21 Jahre alt und schon jetzt einer der besten Vorbereiter von Torchancen in der Bundesliga.

Mittelfeld offensiv

Es fällt nicht schwer, einen Spieler auszuwählen, der in der Hinrunde im offensiven zentralen Mittelfeld geglänzt hat. Um hier auf Thomas Müller zu kommen, hätte man zugegebenermaßen den SPIX gar nicht gebraucht. Kein Wunder, dass Bayern unbedingt seinen Vertrag verlängern wollte: Müller besitzt laut Transfermarkt.de mit 75 Millionen Euro den höchsten Marktwert aller Spieler auf der Welt, die nicht bei Real Madrid oder Barcelona unter Vertrag stehen. In 14 Bayern-Pflichtspielen der Hinrunde erzielte Müller mindestens ein Tor, aber seine Qualitäten erschöpfen sich keinesfalls nur darin, so eindimensional funktioniert der Fußball von Josep Guardiola nicht. Wie überragend beispielsweise Müllers Quote an entscheidenden Pässen (2,2 pro Spiel) ist, erkennt man daran, dass alle anderen Spieler der Liga, die auf einen so hohen Wert kommen, nicht einmal halb so viele Tore erzielt haben wie er.

Angriff

Gut, dass es zwei Plätze im Sturm unserer Hinrunden-Elf zu vergeben gibt! So musste der SPIX nicht zwischen Robert Lewandowski und Pierre-Emerick Aubameyang entscheiden. Aubameyangs 27 Pflichtspieltore und sechs Assists sind phänomenal und machen ihn zu einem der begehrtesten Spieler der Welt. Zu denen zählt Lewandowski schon lange. Anders als der Dortmunder verteilte der Münchner seine Treffer nicht ganz so konstant über die Hinrunde. In den vergangenen neun Ligaspielen gelangen ihm nur noch drei Tore. Aber seine fünf Treffer in neun Minuten gegen Wolfsburg stellen eine historische Leistung dar. Sie hat ihm übrigens auch den bisher höchsten SPIX der Geschichte eingebracht: 94,56. Ob diese Marke jemals übertroffen wird?

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Die SPON11

Und das ist die Elf der Hinrunde in der taktischen Aufstellung.

Sie wollen wissen, wie wir gerechnet haben? Wie die neuen SPON-Bundesliganoten entstehen? Und warum wir bewusst keine Schulnoten vergeben? Hier finden Sie alle Infos zum SPIX.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
PeterPaulPius 21.01.2016
1. Wo ist der zweite Sechser?
Die meisten Mannschaften spielen heute mit zwei defensiven Mittelfeldspielern. Diese Entwicklung ist irgendwie an der Statistik vorbeigegangen. Wieso Gündogan offensiver Mittelfeldspieler sein soll, ist mir ein Rätsel. Hat er doch in der Hinrunde meist neben Weigel gespielt. Und dort gehört er auch bewertet.
Broko 21.01.2016
2. Wer braucht sowas?
Als ich erfahren konnte, dass Neuer angeblich der sechzehntbeste Keeper der Liga sein soll, habe ich aufgehört zu lesen ...
imernst2015 21.01.2016
3. Augenscheinlich
Was für ein Märchen, Bayern hat jetzt die beste Defensive in Europa?! Was sitzen da bloß für Experten die solche Aussagen verbreiten... Bayerns Defensive ist nur so gut wie die Gegners Offensive (in der BuLi) -nämlich miserabel. In den anderen Ligen gibt es unglaublich viele starke offensivreihen, in der BuLi gibt's Aubameyang sonst nix. Boateng ist ohne Frage Weltklasse, aber Benatia, Badstuber oder Rafinha haben gegen Topteams ganz grosse Probleme. Auch wirklt längst nicht mehr souverän.
ginotico 21.01.2016
4.
Zitat von BrokoAls ich erfahren konnte, dass Neuer angeblich der sechzehntbeste Keeper der Liga sein soll, habe ich aufgehört zu lesen ...
Es ist ja auch unmöglich, die Leistungen von Neuer in der Hinrunde zu bewerten. Er bekommt dank der vielen Weltklassespieler vor sich halt nicht genug zu tun. Wenn man ein einem Spiel nur 3 Bälle aufs Tor bekommt, kann man halt keine gute Note erhalten. Und wenn die berühmte Phrase 'Ein beschäftigungsloser Torhüter muss dann wenn es darauf ankommt hellwach sein' zur Anwendung kommt, dann sieht Neuer schlecht aus. Ihm unterliefen in der Hinrunde einige Patzer. Die führten zwar meistens nicht zu Gegentoren. Aber Patzer bleibt Patzer. Ein Oliver Kahn früher war da nicht so anfällig. Der machte eindeutig weniger Fehler als Neuer.
horstma 21.01.2016
5. Fehler
Dieses neue SPIX-System hat einen entscheidenden Fehler: Es kann die Tagesform der Spieler am Spieltag natürlich nicht berücksichtigen. Und jeder Sportler weiss, wie entscheidend die Tagesform sein kann. Auch die Fehlentscheidungen der Schiedsrichter fliessen nicht ein :-)
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