FC Bayern München Die gnadenlose Bestie

Schonungslos fertigen die Bayern ihre Gegner ab: Trotz einer durchwachsenen Leistung haben die Münchner in Wolfsburg ein halbes Dutzend Tore geschossen - davon fünf in 17 Minuten. Der VfL war phasenweise stärker, dann aber chancenlos. Alle Höhepunkte im Spielfilm.

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Ausgangslage: 15 Bundesliga-Spiele in Folge hatte der FC Bayern gewonnen, zuletzt jeweils mit vier Toren Unterschied. Der noch ungeschlagene Tabellenführer war klarer Favorit in Wolfsburg. Der VfL, Fünfter in der Liga, hatte am vergangenen Wochenende eine böse 2:6-Klatsche in Hoffenheim hinnehmen müssen.

Bangen ums Spiel: Ein Stromausfall legte am Vormittag weite Teil Wolfsburgs lahm. Laut Polizei stand die Partie gegen die Bayern auf der Kippe. Schnell herrschte jedoch Klarheit: Das Spiel konnte stattfinden.

Ergebnis: Die Bayern holten sich mit dem 16. Sieg in Serie den nächsten Rekord. 6:1 (1:1) gewannen die Münchner - obwohl sie phasenweise die schwächere Mannschaft waren.

Erste Hälfte: Gegen Hoffenheim war Wolfsburg extrem schwach, gegen die Bayern dagegen extrem stark. Ähnlich wie schon Arsenal in der Champions League presste der VfL die Bayern in der Anfangsphase sehr früh und gewann auch die meisten Zweikämpfe. Verdient gingen die Gastgeber durch Naldo (17. Minute) in Führung. Neun Minuten später gelang den Münchnern das zu diesem Zeitpunkt schmeichelhafte 1:1 durch Xherdan Shaqiri. Auch danach war es ein absolutes Spitzenspiel - nur ohne weitere Treffer.

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Zweite Hälfte: Wolfsburg legte stark los, die Bayern konnten sich kaum befreien. Ja, wirklich, diese Bayern. Zwischen der 50. und 60. Minute hätte der VfL auch treffen können, doch vor dem Tor blieben die Gastgeber zu harmlos. Das sollte sich rächen. Innerhalb von 17 Minuten traf der FCB fünfmal: Thomas Müller (63./78.), Mario Mandzukic (66./80.) und Franck Ribéry (71.) erzielten die Tore.

Rückzieher vor dem Spiel: Das Wortgefecht Matthias Sammer versus Jürgen Klopp ging nicht in die nächste Runde. Der Bayern-Sportvorstand verzichtete auf weitere Sticheleien und sagte bei Sky: "Die Stärke von Bayern München ist, dass wir uns auf uns konzentrieren und fokussieren. Das ist meine Antwort dazu." Er habe in der Passage sogar noch gesagt, dass er "auf keinen Fall irgendwelche Kritik äußern möchte". "Motzki" also ganz zahm. Vielleicht ja auch, weil ihn Klopps Antwort doch getroffen hat?

Wechsel des Spiels: Thiago für Shaqiri (56.) und Mandzukic für Toni Kroos (57.). Bayern-Coach Pep Guardiola konnte zu Beginn der zweiten Hälfte nicht mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden sein, also stellte er um. Mit den neuen Kräften lief es bei den Bayern sofort besser: Thiago bereitete das 2:1 von Müller vor, Mandzukic traf doppelt.

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Billardtor des Spiels: Überaus glücklich war der zwischenzeitliche Ausgleich von Shaqiri. Zumal es ein Bayern-untypischer Treffer war. Nach einer Kroos-Ecke köpfte zunächst Dante aufs Tor, Ochs klärte, dann versuchte es Boateng, der wiederum Ochs anschoss. Von dort prallte der Ball zu Shaqiri, vom Oberschenkel des Schweizers ging der Ball über die Linie. VfL-Keeper Diego Benaglio bugsierte ihn zwar noch einmal zurück, doch Müller beseitigte mit seinem Nachschuss die letzten Zweifel.

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Statistik des Spiels: Toni Kroos war in den vergangenen Wochen der überragende Mann bei den Bayern. Gegen Wolfsburg lieferte der Nationalspieler ein schwächeres Spiel ab. Bis zu seiner Auswechslung hatte der 24-Jährige nur 67 Ballkontakte (Saisonschnitt 82), nur 89 Prozent seiner Pässe kamen an (92). Thiago, der Kroos de facto ersetzte, war in rund 37 Minuten schon 50-mal am Ball und brachte 96 Prozent der Zuspiele zu einem Teamkollegen. (Noch mehr Statistiken finden Sie in unserer kostenlosen Fußball-App)

Erkenntnis des Spiels: Dass die Bayern noch besser und noch gnadenloser als in der Vorsaison sind, war schon bekannt. Selbst, als die Partie längst entschieden war, schien es, als ginge es für das Guardiola-Team noch um die Champions League. In Spanien wird ein Angstgegner "bestia negra" genannt, schwarze Bestie. So eine Bestie ist der FC Bayern gegenwärtig für jedes Team der Welt.

Dass ein 1:6 eine Verbesserung zu einem 2:6 in der Vorwoche ist, dürfte dagegen einmalig sein. Die Wolfsburg spielten lange stark und auf Augenhöhe mit, darauf lässt sich aufbauen.

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minga1972 08.03.2014
1. Einfach..
... nur die Leistung des FCB geniessen, Ihr Fans des Grippe Siegers und des tollen Fußballs. Und für die vielen Bayern-Hasser gilt: Einfach schön weiter ärgern und "langweilig" mosern... Von mir aus kann das immer so weiter gehen.
ChildInTime 08.03.2014
2. optional
Warum sollte Sammer "getroffen" sein? Er hat sich ziemlich sachlich und vorsichtig über die Situation in der Liga geäußert, und Klopp hat auf unterstem persönlichen Niveau zurückgekeilt. Ich glaube nicht, dass Sammer in dieser Sache sein Verhalten infrage stellen muss. Und Klopp? Naja, bei dem ist es ja immer die "Leidenschaft" ... insofern erübrigt sich jeder Kommentar.
helcynth 08.03.2014
3. Gegenpressing
Zitat von sysopAP/dpaSchonungslos fertigen die Bayern ihre Gegner ab: Trotz einer durchwachsenen Leistung haben die Münchner in Wolfsburg ein halbes Dutzend Tore geschossen - davon fünf in 17 Minuten. Der VfL war phasenweise stärker, dann aber chancenlos. Alle Höhepunkte im Spielfilm. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-der-fc-bayern-agiert-gnadenlos-beim-vfl-wolfsburg-a-957636.html
Ja richtig, es gibt Mannschaften die können mit einem ungeheuren Laufaufwand eine gewisse Zeit mithalten, aber keiner kann das 90 Minuten. Die Bayerngegner laufen sich Tod, und dann kommt die Bestie.. Effektiv und gnadenlos...
hans leerlauf 08.03.2014
4. Erfolg macht sexy
und das ist bei den Bayern der Fall. Allen Unkenrufen zum Trotz, ich schau mir mittlerweile samstags im Livestream die Bayern an, weil es einfach Spaß macht.
der_ba_be 08.03.2014
5.
Cleverer Nebeneffekt des Kaders: Um halbwegs Paroli zu bieten, muss der Gegner einen immensen Aufwand betreiben. einerseits läuferisch, andererseits mental. das haben die Wolfsburger 60min in vorbildlicher Art und Weise demonstriert und gingen verdient in Führung. das ausgleichstor war zu diesem Zeitpunkt nicht nur glücklich, sondern eigentlich auch unverdient. was danach kam war vorherzusagen: thiago ist wie kein anderer Spieler in der Lage sich aus pressingsituationen zu lösen, bzw. diese zu überspielen. somit verpuffte das (nicht mehr ganz so aggressive und laufstarke) pressing der Wolfsburger weitgehend wirkungslos. Und robben und Müller nutzen zeigen das sie hungrig sind. alles in allem war die letzte halbe Stunde ein Wahnsinn.
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