Formcheck vor Saisonfinale Was für die Rettung von Mainz und Hamburg spricht

Das Bundesliga-Finale steht an: Neun Teams ringen um die Europacup-Plätze, vier kämpfen gegen den Abstieg. Wer hat die beste Form? Wer das leichteste Programm? Wer wird zum Schlüsselspieler? Der Überblick.

Pablo De Blasis (u.)
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Pablo De Blasis (u.)

Von Tim Pommerenke


Noch zwei Spieltage in der Fußball-Bundesliga - und bis auf die Meisterschaft sind die spannendsten Entscheidungen noch offen.

Der Kampf um die Königsklasse zum Beispiel: Hoffenheim hat sich spät in das Rennen um die Champions-League-Teilnahme gemischt und plötzlich gute Chancen auf die direkte Qualifikation. Schlechter sieht es bei RB Leipzig aus, die erneute Teilnahme am Europapokal ist in den vergangenen Wochen in Gefahr geraten. Und der Hamburger SV setzt zum kaum noch für möglich gehaltenen Endspurt um den Ligaverbleib an.

Wer erreicht seine Ziele? In der Schlussphase der Saison kommt es besonders auf die aktuelle Form an - und die kann schon mal im Widerspruch zur Tabellensituation stehen. Aber sehen Sie selbst - das sind die aktuellen Formkurven vor dem Saisonfinale.

Champions League

Ausgangslage: Bayern München steht als Deutscher Meister bereits fest. Schalke (57 Punkte) würde mit nur einem weiteren Punkt die Königsklasse sicher erreichen, dem Rivalen aus Dortmund (55) würden wohl zwei Punkte reichen. Hoffenheim (52) und Leverkusen (51) streiten sich um den letzten Champions-League-Platz.

Formcheck: Hinter dem FC Bayern ist die TSG Hoffenheim die Mannschaft der Stunde. Das Team sammelte in den vergangenen fünf Spielen 13 Punkte, schoss 17 Tore und kassierte nur vier. Schalke spielte zuletzt zweimal unentschieden. Dortmund schwankt permanent zwischen Sieg und Niederlage, Leverkusens Formkurve zeigte zuletzt nach unten.

Bundesliga-Form-Tabelle 28. bis 32. Spieltag

Platz Klub Spiele Tordifferenz Punkte
2 TSG Hoffenheim 5 13 13
4 Schalke 04 5 3 8
9 Leverkusen 5 1 7
10 Dortmund 5 -1 7

Restprogramm: Schalkes Aufgaben gegen Augsburg (A) oder Frankfurt (H) fallen in die Kategorie "machbar". Der BVB empfängt zunächst die abstiegsbedrohten Mainzer und reist dann zum direkten Konkurrenten aus Hoffenheim. Das Team von Julian Nagelsmann tritt vor dem Champions-League-Endspiel gegen den BVB in Stuttgart an. Leverkusen muss in Bremen und beim Heimspiel gegen Hannover Punkte sammeln, um noch mindestens einen Platz gutzumachen.

Schlüsselspieler: Mit Daniel Caligiuri hat Schalke einen besonders verlässlichen Spieler. Ob per Elfmeter oder aus dem Spiel heraus - der Flügelspieler sicherte dem Team von Domenico Tedesco zuletzt wichtige Punkte. Der BVB hofft auf Mario Götze und Marco Reus, die sich noch für die WM empfehlen wollen. Hoffenheims Höhenflug hing zuletzt stark mit dem Formhoch von Serge Gnabry zusammen, der allerdings für die letzten Saisonspiele ausfallen wird. In der vergangenen Partie gegen Hannover sprang Andrej Kramaric ein und traf dreifach. Leverkusen muss darauf hoffen, dass Top-Torjäger Kevin Volland (14 Treffer) zum Saisonende in Form ist.

Prognose: Schalke wird sich die Vizemeisterschaft nicht mehr nehmen lassen. Der BVB und die formstarken Hoffenheimer werden am letzten Spieltag Platz drei und vier ausspielen. Leverkusen wird die Champions League nicht mehr erreichen.

Andreas Beck (l.) und Ademola Lookman
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Andreas Beck (l.) und Ademola Lookman

Europa League

Ausgangslage: Die Plätze fünf und sechs berechtigen für die Teilnahme an der Europa League. Sollte der FC Bayern den DFB Pokal gewinnen, wäre auch der Siebte qualifiziert. Platz fünf geht wohl sicher an Hoffenheim (52 Punkte) oder Leverkusen (51 Punkte). Dahinter haben noch RB Leipzig (47), Eintracht Frankfurt (46), der VfB Stuttgart (45), Borussia Mönchengladbach (44) und Hertha BSC (43) Chancen.

Formcheck: Geht es nach der Form, schiebt sich Stuttgart nach den jüngsten Siegen gegen Bremen (2:0) und Leverkusen (1:0) noch auf Platz sechs. Auch Hertha zeigte sich zuletzt in guter Verfassung. Gladbach ist in seinen Leistungen zu schwankend. Leipzig und Frankfurt warten seit März auf einen Bundesliga-Sieg.

Bundesliga-Form-Tabelle 28. bis 32. Spieltag

Platz Klub Spiele Tordifferenz Punkte
5 Hertha BSC 5 3 8
7 Mönchengladbach 5 0 8
8 VfB Stuttgart 5 0 8
15 RB Leipzig 5 -8 4
18 Frankfurt 5 -10 1

Restprogramm: Auf Stuttgart warten nun schwere Aufgaben. Zunächst empfängt das Team von Tayfun Korkut das zuletzt starke Hoffenheim. Am letzten Spieltag geht es zum Deutscher Meister Bayern München, der den Titel feiern will. Hertha hat es mit Spielen in Hannover und gegen Leipzig leichter getroffen. RB kann das Ziel Europa aus eigener Kraft schaffen und könnte sich am Wochenende gegen zuletzt desolate Wolfsburger eine gute Ausgangslage verschaffen. Frankfurt trifft mit Hamburg (H) und Schalke (A) auf formstarke Gegner. Gladbach spielt ebenfalls gegen den HSV (A) und gegen Freiburg (H), also gegen zwei Abstiegskandidaten, die Siege brauchen.

Schlüsselspieler: Ob Stuttgart noch einmal angreift, hängt auch von Routinier Christian Gentner und Shootingstar Erik Thommy ab, die sich zuletzt in guter Verfassung präsentierten. Hertha hofft auf die Treffer von Stürmer Davie Selke (9 Tore), Salomon Kalou (11 Tore) und Vedad Ibisevic (5 Tore). Bei Leipzig und Frankfurt wird es darum gehen, dass sich die Teams überhaupt wieder fangen.

Prognose: Stuttgart ist in guter Form, aber das Restprogramm spricht gegen den VfB. Leipzig dürfte davon profitieren - trotz der schlechten Verfassung. Gladbach und Hertha könnten mit einem guten Finish Frankfurt noch überholen und müssen dann hoffen, dass auch Platz sieben für die Europa League reicht.

Lewis Holtby
REUTERS

Lewis Holtby

Abstieg

Ausgangslage: Vier Mannschaften streiten sich um zwei sichere Plätze, die anderen beiden müssen entweder in die Relegation oder direkt in die Zweite Liga. Derzeit steht Mainz 05 (33 Punkte) vor dem SC Freiburg (33), dem VfL Wolfsburg (30) und dem HSV (28).

Formcheck: Die vergangenen fünf Spieltage sprechen deutlich für eine Rettung des Hamburger SV. Drei Siege und ein Remis erreichte der HSV in diesen Partien. Allerdings hat zuletzt auch Mainz stark gepunktet - zuletzt waren es acht Punkte aus fünf Spielen. Wolfsburgs Formkurve zeigt nach unten, zuletzt verlor das Team zweimal deutlich. Für Freiburg sieht es ebenfalls finster aus. Immerhin: Gegen Schlusslicht Köln konnten die Breisgauer wieder gewinnen - ein Aufwärtstrend?

Bundesliga-Form-Tabelle 28. bis 32. Spieltag

Platz Klub Spiele Tordifferenz Punkte
3 Hamburger SV 5 2 10
6 FSV Mainz 05 5 3 8
13 VfL Wolfsburg 5 -3 5
16 SC Freiburg 5 -6 3

Restprogramm: Mainz muss zunächst zum BVB reisen und empfängt dann Bremen. Freiburg trifft auf die soliden Teams aus Gladbach (A) und Augsburg (H). Zwei formschwache Gegner, Leipzig und Köln, warten auf formschwache Wolfsburger. Der HSV muss am Wochenende nach Frankfurt reisen und empfängt am letzten Spieltag Gladbach.

Schlüsselspieler: Die prägende Figur im Abstiegskampf war zuletzt Lewis Holtby vom Hamburger SV. Er traf in den vergangenen fünf Spielen dreimal und sorgte dafür, dass der HSV überhaupt noch hoffen darf. Noch treffsicherer war Pablo de Blasis, der mit vier Toren zum späten Aufschwung von Mainz 05 beigetragen hat. Freiburgs Torjäger Nils Petersen droht mit einer Knieverletzung auszufallen, was eine deutliche Schwächung für den Sport-Klub wäre. Bei Wolfsburg sucht man vergeblich nach Hoffnungsträgern.

Prognose: Mainz dürfte in der aktuellen Form die Klasse halten. Bei Freiburg und Wolfsburg wird die Frage sein, ob sie in ihrer schlechten Form überhaupt noch punkten. Sollte das nicht gelingen, könnte der HSV vorbeiziehen. Die Voraussetzung dafür: Der starke Trend der vergangenen Wochen müsste sich am Wochenende in Frankfurt fortsetzen (15.30 Uhr, alle Spiele im Liveticker von SPIEGEL ONLINE).

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Seite 1
spon-facebook-10000140154 05.05.2018
1. der SC Freiburg........
...wird wohl absteigen, denn er kann in der derzeitigen Form gegen die nächsten Gegner nicht gewinnen und vermutlich auch keinen Punkt holen. Da rächt sich jetzt brutal, dass man gegen schwächere Gegner verloren hat.
miki2005 05.05.2018
2. Ab in die 2. Liga
Der HSV ist reif für den Abstieg! Bitte, liebe Eintracht, haut sie weg. Dann wird die Uhr in Hamburg endlich abgestellt!
jean-baptiste-perrier 05.05.2018
3. Der Ball ist rund!
Eine wichtige Frage ist: Welche Ambitionen/Motivationen haben insbesondere zwei involvierte Trainer? Einerseits kann Eintracht Frankfurt über die Liga sich noch für die Europa League qualifizieren. Andererseits wäre das durch den Pokal-Sieg auch noch möglich. Bayern Übermacht hin oder her - der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Nico Kovac hat sich als Spieler beim HSV so präsentieren können, dass er daraufhin für die Bayern interessant wurde und dort (als Spieler in München) ja irgendwie auch die Grundlage für seine zukünftige Trainer-Tätigkeit in München legen konnte.
j.cotton 05.05.2018
4. Der HSV
Zitat von miki2005Der HSV ist reif für den Abstieg! Bitte, liebe Eintracht, haut sie weg. Dann wird die Uhr in Hamburg endlich abgestellt!
Dieser Verein hat in den letzten Jahren sein Glück derart überstrapaziert, dass ich irgendwie nicht so recht an sein diesjähriges "Überleben" glauben kann. Aber in ein paar Stunden sehen wir weiter...wobei ich denke, dass heute "alle, die da unten drinstehen" keine großen Früchte ernten werden. Der letzte Spieltag wird es an den Tag bringen.
spon_12 05.05.2018
5.
Zitat von spon-facebook-10000140154...wird wohl absteigen, denn er kann in der derzeitigen Form gegen die nächsten Gegner nicht gewinnen und vermutlich auch keinen Punkt holen. Da rächt sich jetzt brutal, dass man gegen schwächere Gegner verloren hat.
Ob Freiburg absteigen (kann) entscheiden sich ja zum Glück schon heute. Holen sie einen Punkt, bleiben sie drin. Verlieren sie - und sowohl Hamburg, als auch Wolfsburg gewinnen bzw. holen einen Punkt (Wolfsburg), dann kann es wirklich noch übel ausgehen für die Freiburger. Gleiches gilt aber auch für Mainz. Der Sieg letzte Woche war weniger schwierig, als es aussah. Leipzig ist von der Rolle, die schleppen sich - dem Heimspiel-Gegner Wolfsburg sei Dank - wohl gerade noch nach Europa. Allerdings ist es fast schon Slapstick, dass Hamburg gefühlt der Verein ist, der mit dem Abstieg noch am wenigsten zu tun haben wird. Die müssen halt einfach ihre Hausaufgaben machen (4 Punkte reichen für die Relegation). Und sollten sie in selbiger wirklich gegen die Unterwürfigen aus Kiel antreten (den einen Punkt für die Relegation werden sie ja wohl noch schaffen), dann kann man sich die beiden Spiele auch sparen. Das wäre ein Spaziergang für Hamburg.
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