HSV-Niederlage in Bremen Und der Abstieg rückt so nah

Der Hamburger SV taumelt dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte entgegen. Der Tabellen-17. verlor das Nordderby gegen Werder Bremen. Zwischendurch stand das Spiel kurz vor dem Abbruch, weil Pyrotechnik gezündet wurde.

Gotoku Sakai
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Der Moment des Spiels: Ereignete sich kurz vor dem Ende. Ein Schuss von Bremens Aron Jóhannsson trudelte in Richtung Tor und wurde anschließend nach einem hart geführten Zweikampf zwischen Ishak Belfodil und Rick van Drongelen über die Linie gedrückt. Der Treffer war umstritten: Mit bloßem Auge war kaum zu erkennen, ob sich Belfodil vor dem Treffer im Abseits befunden hatte. Dementsprechend groß war die Aufregung auf Seiten der Hamburger.

Ergebnis: Bremen gewann dank des späten Eigentors von van Drongelen. Hier geht es zur Meldung.

Die Auflösung: Im Anschluss an die Partie gaben kalibrierte Linien Aufschluss darüber, dass Belfodil nicht im Abseits gestanden hatte. HSV-Chef Heribert Bruchhagen wollte das jedoch nicht wahrhaben: Im Interview mit Sky-Reporter Patrick Wasserziehr echauffierte sich der 69-Jährige über die Leistung der Videoassistenten in Köln. "Was sind das denn für Leute in Köln? Das ist doch ganz klar Abseits. Die haben kein Gespür für Fußball", sagte Bruchhagen.

Erste Hälfte: War erschreckend schwach. Sowohl der HSV als auch Werder taten sich im Spielaufbau extrem schwer, die Nervosität war beiden Mannschaften deutlich anzumerken. Die beste Chance ergab sich - wenig überraschend - nach einem Eckball. Niklas Moisanders Versuch aus zehn Metern wurde jedoch vor der Linie geklärt (32.). Dass kein echter Spielrhythmus aufkommen sollte, lag auch an den Zuschauern im Weserstadion.

Fans des Hamburger SV im Nordderby
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Fans des Hamburger SV im Nordderby

Pyro-Unterbrechungen: Nicht nur die Spieler des HSV machen negative Schlagzeilen. Auch die Anhänger des Traditionsklubs sorgen für Ärger. Weil Zuschauer im Gästeblock wiederholt Pyrotechnik zündeten, musste Schiedsrichter Felix Zwayer die Partie kurz vor der Pause unterbrechen. Die Drohung, das Spiel bei weiteren Vergehen gar abzubrechen, schien bei den "Fans" nicht den erhofften Effekt ausgelöst zu haben. Auch im zweiten Durchgang flog Pyrotechnik auf das Feld.

Zweite Hälfte: War insgesamt etwas besser als die erste, vor allem Maximilian Eggestein sorgte für Gefahr. Sein Schlenzer aus 18 Metern flog zunächst knapp am Tor vorbei (71.), wenig später parierte Christian Mathenia einen Kopfball des Angreifers (82.). Hamburg blieb harmlos. Auch deshalb war der Siegtreffer kurz vor dem Ende nicht unverdient.

Der Abstieg rückt näher: 2014 und 2015 verhinderte der HSV mit schmeichelhaften Erfolgen in der Relegation den ersten Abstieg in der Vereinsgeschichte, im vergangenen Jahr vermied Hamburg das Relegations-Triple durch einen späten Treffer am letzten Spieltag. Aktuell ist es nur schwer vorstellbar, dass dem HSV ein erneutes Wunder gelingt. Der Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz beträgt acht Punkte, der Relegationsrang ist sieben Punkte entfernt. Das 108. Nordderby könnte vorerst das letzte gewesen sein.

Was macht Hoffnung? Wenig bis nichts. Der HSV ist seit elf Spielen sieglos und hält mit 18 erzielten Toren einen ligaweiten Negativwert. Spielerisch überzeugte die Mannschaft zuletzt im November beim 3:0-Erfolg gegen Hoffenheim. Hinzu kommt ein schweres Restprogramm: Die nächsten fünf Gegner heißen: Mainz 05, Bayern München, Hertha BSC, VfB Stuttgart und Schalke 04.

Und Bremen? Drei der vergangenen vier Spiele gewann Werder, trotz der ebenfalls schwachen Vorstellung im Nordderby überzeugte das Team von Trainer Florian Kohlfeldt zuletzt auch fußballerisch. Mit Max Kruse hat die Mannschaft einen verlässlichen Angreifer in ihren Reihen (sechs Tore, fünf Assists). Ein direkter Abstieg ist nach dem wichtigen Erfolg sehr unwahrscheinlich geworden - dennoch beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz nur zwei Punkte.

SV Werder Bremen - Hamburger SV 1:0 (0:0)
1:0 van Drongelen (86., Eigentor)
Weder: Pavlenka - Gebre Selassie, Veljkovic, Moisander, Augustinsson - Bargfrede (90.+2 Gondorf)- M. Eggestein, Delaney - Junuzovic (84. Johannsson), Kainz (73. Belfodil) - Kruse
HSV: Mathenia - Sakai, Papadopoulos, van Drongelen, Douglas Santos - Jung (90. Arp), Walace - Jatta (77. Wood), Hunt, Kostic - Hahn
Schiedsrichter: Zwayer
Gelbe Karten: Augustinsson / Jatta
Zuschauer: 42.100



insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
gammoncrack 24.02.2018
1. Sehr schön!
Endlich mal eine Saison ohne HSV-Chaoten auf den Plätzen in der ersten Bundesliga. Noch nie habe ich mir das so sehr gewünscht wie nach dem heutigen Spiel. Kinder mit Raketenbeschuss zu gefährden - das ist ja wohl das Allerletzte. Ich hoffe, dass man über Video-Aufnahmen einige von den identifizieren und bestrafen kann. Bitte die Namen auch an deren Arbeitgeber. Der kann dafür sorgen, dass die sich in Zukunft dieses Feuerwerk nicht mehr leisten können.
aurichter 24.02.2018
2. Dies noch -
aber eins, aber eins das bleibt bestehn, der SV Werder wird nicht untergehn!
stevemax 24.02.2018
3. Bruchhagens Gespür für Fußball
Nur dank der schwachen Leistungen der "Leute in Köln" hat Hollerbach überhaupt schon Punkte geholt. Und Bruchhagen fühlt sich durch diese noch benachteiligt. Das ist wirklich Comedy vom Feinsten. Der HSV ist nur noch erbärmlich...
pirx64 24.02.2018
4.
Oh, wie ist das schön, oh, wie ist das schön, den HSV verlieren/absteigen zu sehen, so schön, so schön. Ja, die Häme hat sich der HSV in den letzten Jahren redlich verdient.
kaiservondeutschland 24.02.2018
5. Nächstes Nordderby kommt bestimmt
Auch Holstein Kiel ist ein Nordverein, gegen den man derbyen kann. Das wird zweimal spannend! Und die Lokalderbys gegen FCSP. Genial! Ich freu‘ mich drauf!
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