Streit über Kosten für Bundesliga-Polizeieinsätze Für Randalierer müssen alle zahlen

Reiche Fußballvereine entschädigen die klamme Stadt Bremen für Polizeieinsätze. Das klingt gerecht? Nein, das ist absurd - dafür gibt es Steuern.

Fans von Werder Bremen
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Fans von Werder Bremen

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Am kommenden Samstag spielt Werder Bremen gegen den Hamburger SV (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), es geht gegen den Abstieg aus der Fußballbundesliga, viele Fans der Vereine hassen die des Rivalen. Nicht ausgeschlossen, dass sich am Bremer Hauptbahnhof eintreffende Anhänger aus Hamburg mit Einheimischen prügeln. Um das zu verhindern, wird die Polizei vor Ort sein.

Genau solche Einsätze der Sicherheitskräfte bei sogenannten Hochrisikospielen hat das Bundesland Bremen im Visier, wenn es seit Jahren Polizeikosten bei Fußballspielen der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Rechnung stellt. Die Liga klagt dagegen, jetzt hat das Oberverwaltungsgericht in zweiter Instanz aber die Bremer Praxis für rechtmäßig erklärt (hier beantworten wir die wichtigsten Fragen zum Bremer Urteil).

Das mag vielen Menschen intuitiv einleuchten: Warum sollten sie mit ihren Steuergeldern dafür einstehen, Auseinandersetzungen zwischen Fußballfans zu verhindern? Mehr noch: Soll das verarmte Bundesland Bremen dafür zahlen, dass die profitablen Vereine der Bundesliga dreistellige Millionenumsätze machen?

Die Antwort lautet: ja.

Aus zwei Gründen:

Ja, Klubs wie Werder Bremen verdienen sehr viel Geld mit der Austragung von Sportveranstaltungen. Klubs wie Werder Bremen zahlen aber auch sehr viele Steuern und Abgaben an den Staat. Ob die Gesamthöhe dieser Steuern ausreichend ist, darüber kann man streiten.

Das ist aber eine politische Debatte, genau wie die über den richtigen Spitzensteuersatz für Millionäre. Wie auch immer man diese politischen Fragen entscheidet (und dafür gibt es demokratisch gewählte Parlamente), es bleibt doch unumstritten: Ein reicher Mensch muss nicht extra dafür zahlen, dass ihn die Polizei mit ihrem staatlichen Gewaltmonopol vor Verbrechen schützt. Indirekt tut er das über höhere Steuern, und das ist auch gut und gerecht so. Eine eigene Sondergebühr für staatliche Hoheitsaufgaben gibt es nicht.

Grundsätzlich stellt sich aber auch die Frage der konkreten Verantwortung der Vereine. Der aktuelle Rechtsstreit betrifft wohlgemerkt nicht die Kosten für die Durchführung der Spiele selbst, die tragen die Vereine mit ihren eigenen Ordnungsdiensten ohnehin. Es geht um die Kosten, die jenseits der Stadien im öffentlichen Raum anfallen.

Ist es die Verantwortung von Werder Bremen, wenn Fußballfans im IC aus Hamburg randalieren? Nein. Ein Sportverein oder eine Fangruppierung ist keine terroristische Vereinigung. Wo läge sonst die Grenze der Verantwortung? Tragen Gewalttäter Kutten mit HSV-Wappen, muss dann der Verein HSV sich an den Polizeikosten beteiligen? Was, wenn es Hooligans sind, die unauffällig gekleidet waren, die aber Werder-Fans attackiert haben? Soll es eine bundesweite DNA-basierte Fandatei geben, mit der Straftaten Vereinen zugeordnet werden können?

Diese Fragen sind vielleicht polemisch zugespitzt. Sie sind aber nicht weniger populistisch als der Bremer Versuch, sich staatliche Hoheitsaufgaben privat finanzieren zu lassen, nur weil Fußballklubs und -fans ein schlechtes Image in der Bevölkerung haben.

insgesamt 189 Beiträge
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bobo7 21.02.2018
1. Verursacherprinzip
Ich teile Ihre Meinung absolut nicht - die Vereine die diejenigen mit den großen Gewinnen. Birgt ein Spiel ein zu hohes Risiko, als dass es mit normalem Polizeiaufgebot Händelbar wäre, muss der Gästeblock ansonsten einfach leer bleiben und gut. Es kann nicht sein, dass Gewinne privatisiert und Kosten verallgemeinert werden.
bobbit 21.02.2018
2. So ein Unsinn.
Bei jeder anderen Veranstalltung auch muss der Veranstalter die kosten des Sicherheitspersonals tragen, warum das beim Fussball ne ausnahme gibt erschliesst sich mir nicht - von daher fuer micht ist klar das wenn Werder das spiel veranstaltet, Werder fuer das spiel zahlen sollte - und nicht Hamburg, genau wenns in Hamburg Randale gibt der entsprechende Verein da zahlen sollte - ich weiss nich, is nicht so kompliziert fuer mich. Was ich nicht verstehe ist wie Sie dafuer argumentieren koennen das das ganze vom Steuerzahler (also mir) getragen werden soll, denn wenns nach mir ginge braeuchte es diesen Fussball-Zirkus gar nicht erst geben. Ich haette auch wenig schmerz damit zu sagen um den Steuerzahler zu entlasten wird das ganze in der Sporthallte von ner Schule unter beisein von Kammeras ausgetragen, und die fans koennen sich das zuhause streamen.
Sal.Paradies 21.02.2018
3. quid pro quo
Gut gebrüllt Hr.Raecke. Ist auch meine Meinung. Davon abgesehen, nimmt die Stadt Bremen das ganze Jahr über jede Menge Geld wegen ihres Fussballvereins ein. Nicht nur die Steuern der Clubs sind exorbitant hoch, nein, es wird ja auch jede Menge Geld eingenmmen, wenn der SV Werder spielt. An jedem 2 WE sind xx-tausen Fans auf Tour, die z.B. den Lokalen in Bremen jede Menge Umsatz bringen. Die Auswärtsfans fahren ÖNV gehen essen, übernachten sogar des öfteren, etc...! Da kommen jährlich XX-Millionen € rein. Selbst wenn wir diese Summe von >450000,-€ für das Hochrisikospiel gegen den HSV gegenrechnen, bleiben dicke Gewinne für Stadt+Land. All jene die hier meckern, sie "bezahlen" mehr Steuern wegen solcher Spiele, sei gesagt, dass das "Gegenteil" richtig ist ! Durch die Milliardengewinne des Staates durch den Krösus Fussball hat der Staat sehr viel mehr Geld als ohne. Das ist in etwa so, als würde sich ein WIrt nach einer Feier beschweren seine Clo-Bürste wäre jetzt kaputt, während er durch die Feier selbst 2000,-€ -Gewinn hatte. Und glaubt bitte nicht ich übertreibe, im Gegenteil werden die "Gewinne" durch den Fussball für unser Land noch viel höher sein. Also, bitte schaltet erst einmal euren Kopf ein, bevor ich solche haltlosen Behauptungen aufstellt.....
marty_gi 21.02.2018
4. abgezockt
an allen Ecken muss ich, der ich weder Fussballfan noch Fernsehzuschauer bin, staendig fuer den Fussball mitbezahlen. Sei es per Steuer, per Rundfunkzwangsabgabe. Der Verein, mit dem ich aber wiederum tatsaechlich Kulturschaffender bin und einem Bildungsauftrag nachkomme, und das alles wiederum komplett in meiner Freizeit und mit eigenen Mitteln, der bekommt nicht einen Cent Unterstuetzung, weder aus Stadt- noch aus Staatskasse. Weil er gute Arbeit leistet, die damit nicht mehr unterstuetzungsfaehig ist. Dabei krebsen wir mehr oder minder am Existenzminimum herum. Dafuer dann aber Dumpfbacken, die sich pruegeln wollen und randalieren, aus Steuergeldern im Zaum halten - na, das sollten Sie mir dann doch mal ein bisschen intelligenter erklaeren als mit dem Artikel dort oben. Oder sind wir einfach nur zur Brot-und-Spiele-Nation verkommen, die das Ruhigstellen der Buerger eben aus Steuergeldern finanzieren muss, wofuer dann gerne andere Themen und gerade auch die Bildung leiden soll und darf?
in-medias-res 21.02.2018
5. ohne Fußball keine Randale
sorry, aber ich muss dem Kommentar widersprechen! Gäbe es die Fußballspiele nicht, die die Stimmung anheizen, gäbe es diese Randale nicht. Und außerdem: das viele Geld, das in den Fußballspielern und für Fußballspiele bezahlt wird, rechtfertigt diese Maßnahme vollkommen.
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