TV-Reform im deutschen Fußball Die Kleinen kleinhalten

Die Erstliga-Klubs wollen mehr an TV-Einnahmen verdienen - auf Kosten ohnehin benachteiligter Zweitligisten. Warum koppelt man sich nicht gleich vom Fußvolk der unteren Ligen ab?

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An der Premier League kann man sich so wunderbar reiben. Der neue Fernsehvertrag garantiert den 20 englischen Erstligisten ab der kommenden Saison 2,3 Milliarden Euro. In der Bundesliga sind solche Summen utopisch. Beim neuen TV-Vertrag, der ab der Saison 2017/18 greifen wird, erhofft sich die DFL das Durchbrechen der Eine-Milliarde-Euro-Schallmauer. Macht eine Differenz von über einer Milliarde Euro, und diese wird durch die exzellente Auslandsvermarktung der Premier League noch deutlich größer ausfallen.

Das ist der Ausgangspunkt für die vermeintliche "Fußball-Revolution", die die "Bild"-Zeitung ausgerufen hat. Ein "Geheimpapier", kurioserweise mit offiziellem DFL-Logo versehen, behandelt die "Zukünftige strategische Ausrichtung der Bundesliga". Im Mittelpunkt: die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die DFL bestreitet, dass es "konkrete Handlungsaufträge" gäbe.

Der "Gelsenkirchener Gesprächskreis" unter der Führung von Schalkes Vorstandsmitglied Peter Peters hat unter Beteiligung von 15 anderen Bundesligaklubs eine Reform erarbeitet, die in erster Linie eine veränderte Verteilung der TV-Gelder vorsieht. Die Vereine der 2. Bundesliga sollen weniger als die bisher festgelegten 20 Prozent bekommen. Dafür würden die Erstligisten mehr Einnahmen erhalten - was der Konkurrenzfähigkeit im internationalen Vergleich dienen soll.

Klingt zunächst mal schlüssig. Doch bei genauerer Betrachtung bleibt von der Argumentation wenig übrig. In dem Reformpapier wird dieses Rechenbeispiel veranschaulicht: Erhielte die DFL tatsächlich eine Milliarde Euro und bliebe es bei der bisherigen 20-Prozent-Regelung für die zweite Liga, würden an die Erstligisten 800 Millionen verteilt. Bei gleichem Erlös schlägt die Reformgruppe nun aber ein Einfrieren der bisherigen absoluten Summe vor (142 Millionen Euro), die Bundesligisten bekämen dann 858 Millionen Euro. 58 Millionen Euro mehr. Verteilt auf 18 Vereine. Eine Revolution ist das nicht.

Was ist also der eigentliche Grund für diesen Vorschlag? Die Zahl der beteiligten Klubs lässt aufhorchen. 16 Vereine aus dem Oberhaus sprechen eine Empfehlung aus, die sie zwar profitieren lässt, aber vor allem den Status der 20 anderen Vereine festigt. Schon jetzt ist es schwierig, sich als Aufsteiger in der Bundesliga zu halten - auch wenn es in der aktuellen Saison mit Ingolstadt und Darmstadt zwei Gegenbeispiele geben könnte. In den vergangenen zehn Jahren sind von den 20 direkten Aufsteigern in die Bundesliga zehn gleich im ersten Jahr wieder abgestiegen.

Die Schwierigkeit, als Bundesliga-Aufsteiger die Klasse zu halten, würde mit der neuen Verteilung sicher nicht kleiner werden. Einzige Ausnahme: Vereine wie RB Leipzig, die sich durch ihren Sponsor Red Bull unabhängig von TV-Verträgen Kader zusammenstellen können, die einen langfristigen Verbleib in der Bundesliga garantieren. Ob die Attraktivität der Liga damit gesteigert wird und der übernächste Fernsehvertrag noch üppiger ausfällt, muss zumindest bezweifelt werden.

Dann hätten es die 16 beteiligen Klubs gleich in vollem Umfang machen sollen - Stichwort "Vorbild Premier League". Die hatte sich bei ihrer Gründung 1992 gleich mal komplett vom Fußvolk in den unteren Ligen abgekoppelt und muss keine TV-Gelder teilen.

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Marcus Krämer ist seit dem 1. Februar 2016 bei SPIEGEL ONLINE und arbeitet im Ressort Sport.

E-Mail: Marcus.Kraemer@spiegel.de

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Sibylle1969 12.02.2016
1. Vergleich mit Premier League oder Primera Division
In England und Spanien ist der Anteil derer, die bereit sind , für Fußball im Pay-TV zu zahlen, schon immer deutlich höher gewesen als hierzulande. In Deutschland war das Free-TV-Angebot im Fußball schon immer relativ gut, so dass viele damit zufrieden sind, mich eingeschlossen.
pevoraal 12.02.2016
2. Die bekommen den Hals nicht voll
Es ist nicht mehr normal was im Sport für Gehälter ausgespuckt werden. Hallo, da rennen 20 Mann einem Ball hinterher. Ich für meinen Teil halte es schon lange so das ich Spiele unserer ersten Herren ansehe und auch sehr gut dabei unterhalten werde. Natürlich Amateurliga. Als Ausgleich spende ich 1x jährlich 100€ in die Mannschaftskasse
andromeda793624 12.02.2016
3. Aufstockung der Bundesliga!
Vielleicht sollte man über die Aufstockung auf 20 Teams nachdenken und das bei gleichen Abstiegsmodus(2 steigen direkt ab und der drittletzte in Relegation). Dann könnte dich Chance größer sein für kleinere Klubs.
Freidenker10 12.02.2016
4.
Es geht doch nur darum, den Spielern noch mehr Geld in den Rachen zu schieben und dafür unternehmen die Vereine mittlerweile alles! Warum unternimmt man nichts um eine Gehaltsobergrenze einzuführen und somit den Wahnsinn zu stoppen? So schnell wie sich das Rad gerade dreht verdienen die Top Spieler in 2 jahren 30-40 Mio und der durchschnitt in Liga 1 wohl 5-6 Mio/Jahr und dann wären wohl alle von der Pleite bedroht egal wie der TV Vertrag aussieht! Gehaltsobergrenze einführen und die ganz gierigen dürfen sich dann aus rein "sportlichen gründen" nach China aufmachen!
ambulans 12.02.2016
5. nö -
gegenargument, herr krämer: zwar hat RB leipzig z.zt. (noch) "unbegrenzte" finanzmittel, um die vision von RB-mateschitz (durchmarsch von ganz unten bis in die 1. liga) einmal durchzuziehen. wenn allerdings RB leipzig etwa anfangen sollte zu "schwächeln", ist bald zappenduster in sicht (s. z.b. aktuell das RB-team in der formel 1). und, dass ein reicher sponsor beileibe kein garant für eine "dauerhafte" karriere ist/sein muss, kann man derzeit beim FC hoffenheim gut sehen - hopp hätte sich doch schon seit einiger zeit lieber gestern als heute davongemacht ...
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