Streit um Wettbewerbsverzerrung Auch Bayern darf mal verlieren

Die Bayern haben beim Abstiegskandidaten SC Freiburg verloren. Die Konkurrenz wittert nun Wettbewerbsverzerrung. Dabei hat der SC nur die Gunst der Stunde genutzt.

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Bayern-Profi Schweinsteiger: Der Lack ist ab
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Bayern-Profi Schweinsteiger: Der Lack ist ab


So sieht das statistische Gesicht der Wettbewerbsverzerrung von Bayern München am Wochenende in Freiburg aus: 79:21 Prozent Ballbesitz zu Gunsten der Bayern, 667:127 angekommene Pässe, 17:9 Schüsse, 10:2 Eckbälle.

Da am Ende allerdings bei aller Zahlenspielerei ein 2:1 für den SC Freiburg gegen den Meister herauskam, bleibt das böse Wort von der Wettbewerbsverzerrung im Raum stehen. Weil offenbar nicht sein kann, dass der SC Freiburg den großen FC Bayern München bezwingt.

Abgesehen davon, dass dies ein ziemlich arroganter Blick auf das Team von Christian Streich ist, eine Mannschaft, die dem FC Bayern übrigens schon im Vorjahr in einer ganz anderen Saisonphase ein 1:1 abtrotzte: Die Freiburger haben einfach Glück gehabt, in dieser Saisonphase auf die Bayern zu treffen. Mehr nicht. Und Glück im Fußball ist bisher nicht dafür bekannt, etwas Verwerfliches oder gar Seltenes zu sein.

Die Bayern, die am Samstag in Freiburg aufliefen, haben zuvor das Pokalhalbfinale gegen Borussia Dortmund verloren. Eigentlich hätte das angesichts der Verfassung, in der sich der BVB in dieser Saison präsentiert, auch nicht passieren dürfen. Die Bayern sind 0:2 in Leverkusen unterlegen, sie haben das Heimspiel gegen den FC Augsburg 0:1 abgegeben, sie sind 0:3 in in Barcelona eingegangen. Ein Team, das solche Ergebnisse einfährt, kann auch in Freiburg verlieren.

Natürlich kann man den Bayern vorwerfen, in der Schlussphase der Liga nicht mehr hundertprozentig bei der Sache zu sein. So wie das auch für Eintracht Frankfurt seit geraumer Zeit gilt, wohl auch für den 1. FC Köln am vergangenen Wochenende. Es gibt einfach Mannschaften, für die es in der Endphase der Meisterschaft um nichts mehr geht. Bayern München gehört dazu.

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Wer das Spiel in Freiburg am Samstag gesehen hat, der hat ein Münchner Team gesehen, dem man das Bemühen nicht absprechen konnte, die statistischen Daten der Partie weisen das nach. Der hat aber auch eine Bayern-Mannschaft gesehen, bei der der Lack in dieser Spielzeit einfach ab ist. Die Spieler wirken ausgelaugt, geistig nicht mehr fit, dazu kommen die vielen Verletzten. Das hat aber alles mehr mit Zerrung als mit Wettbewerbsverzerrung zu tun.

Der SC Freiburg hat die Gunst der Stunde ergriffen, die Segnung des Spielplans für sich ausgenutzt. Das mag bitter für die Konkurrenz aus Paderborn, Hamburg, Berlin, Hannover und Stuttgart sein, die zuvor in dieser Spielzeit zum Teil heftige Klatschen gegen die Bayern kassiert haben.

Aber hier gilt die banale Weisheit: Niemand außer dem Gegner selbst hindert zum Beispiel den HSV daran, in Stuttgart oder in der Vorwoche daheim gegen Freiburg zu gewinnen, niemand den SC Paderborn, einen 2:0-Vorsprung gegen Werder Bremen über die Zeit zu retten oder beim FC Schalke eine seiner zahlreichen Torchancen zu verwerten.

Letztlich ist jeder Bundesligist für seinen eigenen Punktestand selbst verantwortlich. Und wenn er vor dem 34. Spieltag noch nicht genug Zähler beisammen hat, um sich die Klasse vorzeitig zu erhalten, dann ist das nicht die Verantwortung des FC Bayern München.

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majorfabs 18.05.2015
1. Das ganze Theater
gibt es am Ende jeder Saison. Dieses Mal hat angeblich Freiburg das Glück gehabt. Totaler Blödsinn. Die, die sich jetzt beschweren, vergessen völlig, dass sie selber Schuld an ihrer Situation sind. Die ganze Saison vergurken und jetzt jammern, dass andere nicht so spielen, wie man es gerne hätte. Schwach, ganz schwach...
glen13 18.05.2015
2.
Die negativ Betroffenen haben lange ihre Chancen verpasst. Bayern kann nichts dafür. Ich bin HSV Fan und bin nicht sauer auf die Bayern. Ich bin suaer auf die HSV Spieler.
biohazard 18.05.2015
3. Danke
vielen Dank SPON, für diesen Artikel. Endlich hat es mal jemand von der schreibenden Zunft erkannt, dass das Gejammer von der Wettbewerbsverzerrung - was gerade in diesem Spiel die Spieldaten eindrucksvoll widerlegen - völliger Unsinn ist.
keinexperte 18.05.2015
4. so siehts aus!
Ich bin zwar alles andere als ein Fan der Bayern, stimme dem Artikel aber zu 100% zu. Die einzigen Wettbewerbsverzerrungen waren die zum Teil katastrophalen Schiedsrichterleisungen. Und das über die ganze Saison gesehen.
MoeWHV 18.05.2015
5. Richtig
Dem ist nichts hinzuzufügen. Ich hoffe das gerade die nun jammernden Hamburger gegen Schalke auch noch eine Klatsche bekommen. Für Schalke geht es im Grunde auch um nix, aber wir wollen ja nicht das Schalke hinterher Wettbewerbsverzerrung vorgeworfen werden kann. Also Gas geben und den Erstliga-Zähler des HSV endgültig abschießen, verdient hätten sie es schon lange...
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