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Neuer BVB-Trainer Tuchel: Zwischen Guardiola und Klopp

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Für welchen Fußball steht Thomas Tuchel? Der neue Trainer von Borussia Dortmund macht kein Geheimnis daraus, dass er Bayern-Coach Pep Guardiola verehrt. Doch auch zu seinem Vorgänger Jürgen Klopp gibt es Parallelen.

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Als Thomas Tuchel sich im Dezember 2014 in einer Münchner Bar mit Josep Guardiola traf und dabei mit Gläsern alte Barcelona-Taktiken nachstellte, war das nicht wirklich ein "Geheimtreffen", wie die "Bild"-Zeitung damals schrieb. Es war Teil einer perfekten Inszenierung. Monatelang hatte der ehemalige Mainzer Trainer keine Interviews gegeben, doch dieses Rendezvous sagte mehr über ihn als alle Worte: Tuchel, 41, sieht sich auf Augenhöhe mit einem der weltbesten Trainer des 21. Jahrhunderts.

Der heutige Bayern-Coach Guardiola und dessen einstiger Barça-Fußball ziehen sich wie ein roter Faden durch Tuchels Karriere, seit dieser 2009 überraschend vom U19-Coach zum Cheftrainer des Bundesligisten Mainz 05 befördert wurde. Schon damals betonte er, dass ihn das Gegenpressing der Katalanen beeindrucke, im März sagte er im Interview mit der "Zeit", er habe von Guardiolas Barcelona "alles lernen" können, "was dieses Spiel ausmacht".

Guardiolas Spiel: Das ist Ballbesitz, geduldiger Aufbau, im Grunde das Gegenteil des Vollgas-Fußballs, den Borussia Dortmund in den sieben Jahren unter Trainer Jürgen Klopp praktizierte. Hat sich der BVB mit Tuchel nun für die Antithese zu Klopp entschieden?

Fußballerische Parallelen zu Klopp

Nicht ganz. Er selbst stehe "für eine aktive Spielweise, für mutiges Verteidigen, schnelles Spiel in die Spitze", sagte Tuchel der "Zeit". Ohne die floskelartigen Beteuerungen, "offensiv" und "aktiv" spielen zu wollen, die heutzutage von fast jedem Trainer aus Imagegründen erwartet werden, bleibt noch ein Attribut, das genauso gut den BVB der Ära Klopp beschreiben könnte.

Tatsächlich finden sich jenseits der ähnlichen Trainer-Vita (Mainz als erste erfolgreiche Trainerstation, dann Dortmund) auch einige fußballerische Parallelen zwischen Klopp und Tuchel. Da ist vor allem die hohe Intensität des Spiels, der große läuferische Einsatz, die enorme Fitness, der starke Fokus auf Pressing und Gegenpressing, auf die Umschaltsituationen des Fußballs.

Allerdings zeichnet Tuchel seit Beginn seiner Laufbahn als Profi-Trainer eine extreme Flexibilität aus. Zwar lässt sich auch bei ihm eine Lieblingsformation erkennen: ein 4-3-1-2 mit Mittelfeldraute, das Wert auf Überzahl im Zentrum legt. Doch Tuchel richtet sein System meistens stark am jeweiligen Gegner aus. Und nicht nur das. Auch während eines Spiels analysiert er stets, was gut und was schlecht läuft, er stellt um und wechselt neue Spieler ein. Er ist ein Fußballwissenschaftler. In dieser Hinsicht ähnelt Tuchel seinem Idol Guardiola wesentlich mehr als seinem Vorgänger Klopp.

Denn mit Umstellungen und Ad-hoc-Maßnahmen ein Spiel zu drehen, ist nicht unbedingt dessen Stärke. Von 15 Bundesligaspielen, in denen der BVB in dieser Saison in Rückstand geriet, verlor die Mannschaft 13, holte ein Unentschieden gegen Stuttgart und gewann das Heimspiel gegen Mainz.

Höhere Ansprüche beim BVB

Gerade in diesem Punkt darf sich der BVB von seinem neuen Trainer Tuchel eine deutliche Steigerung erhoffen. Als Mainzer Coach brachte er etwa seinen Schlüsselspieler Eric-Maxim Choupo-Moting in der vorigen Saison in 15 Spielen nur von der Bank - um in entscheidenden Spielphasen noch echte Impulse setzen zu können.

In Dortmund gelten nun für Tuchel andere Ansprüche als in Mainz. Das Erreichen der Champions League ist keine Option, sondern vorgesehen. Auf diesem Level reicht Flexibilität allein nicht mehr aus. Die perfekt zum Kader passende Spielidee - Klopps über Jahre durchgehaltenes 4-2-3-1 - hat dem BVB nicht umsonst zu so vielen Erfolgen verholfen.

Doch Klopp konnte sie nicht weiterentwickeln beziehungsweise anpassen, stattdessen scheiterte er genau in der Saison, in der er ebendas versuchte. Eine wirklich gut funktionierende Alternativformation hat der BVB bis heute nicht gefunden.

Nun ist Tuchel am Zug. Er hat die Gelegenheit zu zeigen, dass er zu Recht mit Guardiola in Verbindung gebracht wird: Der Katalane vereint Grundphilosophie und flexible Anpassungen fast perfekt. Der neue BVB-Trainer hat viel vor.

Zusammengefasst: Thomas Tuchels Vorbild ist Bayern-Coach Pep Guardiola, von ihm hat er sich vor allem das Ballbesitz-orientierte Spiel abgeschaut. Zudem steht der neue BVB-Trainer für schnellen Fußball in die Spitze - und Flexibilität.

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insgesamt 81 Beiträge
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1.
noonecares 19.04.2015
Die Duelle zwischen Guardiola und Tuchel nächste Saison versprechen dann ja garantiert Spannung, beide versuchen Ball und Gegner zu dominieren, wollen beide mehr Ballbesitz als der Gegner. Besonders viele Tore werden zwischen Dortmund und Bayern dann wahrscheinlich nicht fallen, mit Sicherheit wird es hart umkämpft und das Ergebnis knapp!
2. So ein Zufall.
pefete 19.04.2015
Nachdem sich Herr Tuchel (laut Medien) mit dem HSV fast einig war, hat er im letzten Moment abgesagt. Einige Tage später dann kündigt Herr Klopp, überraschend, seinen Rücktritt an. Jetzt wird Herr Tuchel Engagiert...
3. Es ist keine Schande
ronald.68 19.04.2015
Fan von Pep Guardiola zu sein. Als Sympathisant des FC Barcelona war ich auch sein Fan. Bis er dann leider zu Bayern ging. Tuchel sollte sich jedenfalls davor hüten, Guardiolas Stil kopieren zu wollen, denn das Original wird einer Kopie immer überlegen sein. Seine einzige Chance ist, eine gute Alternative zu suchen, mit der man Peps Taktiken entzaubern kann. Das haben in Peps letzter Barca-Saison ja auch viele spanische Clubs geschafft. Jedenfalls müssen sich BVB-Fans wohl mit Tuchel auf einen andere Art Fussball einstellen. Schade irgendwie.
4. klopp geht nach München, leider
tomrau1973 19.04.2015
peps Zeit in München ist abgelaufen. ein no Name team wie es Dortmund vor Klopp war, zu einem Weltklasse team zu formen, ist viel schwerer als Weltklasse Spieler erfolgreich zu machen. wenn Bayern aus der Champions league fliegt, fliegt auch PEP. und das zu recht die Niederlagen gegen Wolfsburg und Gladbach haben gezeigt das er dieses team nicht zu den grossen erfolgen führen kann. wenn kloppo nach München geht, dann kann sie niemand mehr stoppen. ich sehe Klopp vor PEP, er hatte immer Weltstars. mit barca hätte sogar labbadia die Champions league gewonnen.
5.
Alias_aka_InCognito 19.04.2015
Ich bin mir sicher, unter Tuchel werden wir einen intelligenteren Fußball sehen beim BVB. Auf jeden Fall mehr Ballbesitzt und weniger brenzlige Situationen als unter Klopp. Wahrscheinlich einen abgeklärteren, weniger euphorischen Fußball. Das kann Vorteile haben, dass so ein Fußball auch für die Spieler besser durchzuhalten über eine ganze Saison mit allen drei Wettbewerben und weniger Verschleißerscheinungen auftreten. Das ist wie ein Haushalten mit den Kräften, so als ob man einen Marathon läuft. Andererseits werden nicht alle BVB-Fans diesen Fußball mögen. Gegen andere starke Mannschaften (Bayern, Leverkusen, Wolfsburg) könnte oft ein 0:0 rauskommen, aber ein hochwertiges, welches Taktikliebhaber einem 4:4 vorziehen. Aber das ist eben nicht jedermanns Fall.
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