Umstrittener Doppel-Elfmeter für Bayern: Hand, Parade, Hand, Tor

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Galdbach-Verteidiger Dominguez (2.v.r.): "Lächerlich"

Schon nach der Auftaktpartie ist die 51. Bundesliga-Saison um eine Kuriosität reicher: Gladbachs Alvaro Dominguez verschuldete gleich zwei Handelfmeter - und das innerhalb weniger Sekunden. Der Spanier nennt die Schiedsrichterentscheidungen "lächerlich".

Hamburg - Auch wenn beim 3:1-Sieg des FC Bayern gegen Borussia Mönchengladbach andere die Tore schossen, der Auftakt der Saison 2013/2014 in der Münchner Arena stand im Zeichen der Spanier.

An der Seitenlinie durfte Pep Guardiola erstmals auf der Bundesliga-Bühne zeigen, mit wie viel Einsatz man auch als Trainer 90 Minuten durchleben und durchleiden kann. Der von Guardiola spät eingewechselte Javier Martínez stellte einen neuen Rekord auf, indem er auch sein 28. Bundesliga-Spiel seit seinem Debüt in Serie nicht verlor.

Und dann war da noch Alvaro Dominguez.

Der Gladbacher Innenverteidiger war vor einem Jahr für rund acht Millionen Euro Ablöse von Atlético Madrid zur Borussia gewechselt und hat einen Stammplatz sicher. Doch ab der 67. Minute der Partie am Freitagabend erlebte Dominguez die wohl schwärzesten zwei Minuten seiner Fußballerkarriere. Er verschuldete in Rekordzeit gleich zwei Handelfmeter.

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Beim Stand von 2:1 für die Bayern war der Ball zunächst bei einem Angriff der Münchner von Thomas Müller zu Dominguez geprallt, erst gegen den Oberschenkel, dann traf der Spanier das Spielgerät im Strafraum mit der Hand. Nach einer kurzen Beratung mit seinem Linienrichter entschied Schiedsrichter Tobias Welz auf Strafstoß.

Marc-André ter Stegen konnte zwar Müllers Schuss halten, aber Dominguez war nicht zu stoppen: Der 24-Jährige schien seinen Fehler sofort vergessen machen zu wollen, sprintete dem von ter Stegen abgewehrten Ball hinterher - und verursachte den zweiten Handelfmeter, keine Minute nach dem ersten. Arjen Robben hatte dem Abpraller schnell nachgesetzt und wollte an der Torauslinie den Ball per Kopf am Spanier vorbeilegen, traf diesen aber - ja, wo eigentlich?

Nach Meinung des Schiedsrichtergespanns hatte es sich um ein erneutes Handspiel von Dominguez gehandelt, auch die TV-Bilder sahen ganz danach aus. Doch der Verteidiger selbst bezeichnete die Entscheidung als "lächerlich", wie er auf seinem offiziellen Twitter-Account schrieb. Demnach habe er den Ball "mit der Schultern, nicht mit dem Arm" berührt.

David Alaba ließ sich anders als zuvor Müller die Chance nicht entgehen und verwandelte sicher. Das 3:1 war der Endstand der Partie - aber erst der Auftakt einer kontrovers geführten Debatte über die beiden Strafstöße.

"Ich hätte sie auch gegeben"

Dominguez selbst fühlte sich schon bei der ersten Entscheidung falsch beurteilt, schließlich habe er den Ball zunächst mit dem Bein berührt, ehe er gegen seine Hand prallte. Sein Partner in der Gladbacher Innenverteidigung, Martin Stranzl, sagte: "Ich bin mir nicht sicher, ob man beide Elfmeter pfeifen muss. Geben kann man sie aber schon."

Torhüter ter Stegen war sich zumindest im ersten Fall sicher: "Den hätte ich, glaube ich, auch gegeben. Beim zweiten Elfmeter hätte ich schon während des Spiels gerne die Wiederholung gehabt." Ähnlich äußerte sich Bayerns Toni Kroos: "Beim ersten Handspiel war der Arm nicht ganz am Körper, den habe ich ganz gut gesehen und hätte ihn auch gegeben. Beim zweiten hab ich das, ehrlich gesagt, nicht gesehen, weil der Spieler mit dem Rücken zum offenen Feld stand."

Gladbach-Trainer Lucien Favre sprach später davon, dass man sich als Team Elfmeter verdienen müsse. Mache eine Mannschaft Druck und daraus resultiere eine regelwidrige Aktion des Gegners, so sei ein Strafstoß angemessen. Das, so der Schweizer, sei in den beiden Fällen nicht so eindeutig gewesen: "Die Szenen, die zu den Elfmetern geführt haben, waren sehr ungewöhnlich. Das Reglement ist in diesen Fällen nicht ganz klar. Aber ich respektiere die Entscheidungen. Die Schiedsrichter haben einen schwierigen Job, einen viel schwierigeren als wir Trainer."

Nur Pep Guardiola schien die Diskussionen nicht so ganz nachvollziehen zu können. Der 42-Jährige war sich sicher: "Bei beiden Elfmeter-Entscheidungen lag der Schiedsrichter richtig, ich hätte sie auch gegeben."

luk/sew

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insgesamt 72 Beiträge
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    Seite 1    
1. einfach blöd
bugs bunny 10.08.2013
wer 2 elfmeter innerhalb kürzester zeit verursacht, ist einfach blöd. das auf den schiedsrichter zu schieben lächerlich. aber: das 2. tor der bayern durch mandzukic war ganz klar abseits. beim pass auf robben stand mandzukic klar im passiven abseits, kein problem. aber nach der unmittelbar folgenden torwartabwehr griff mandzukic aktiv in das spiel ein, indem er den abpraller ins tor schob. Fehlentscheidung des schiedsrichters.
2. Verstehe die Aufregung nicht
hubie 10.08.2013
Ich hab das Spiel, wie viele andere denke ich mal, gesehen und muss sagen: Für mich waren beide Elfmeter (in der Zeitlupe des Handspiels) ganz klar zurecht gepfiffen worden :-/. Beim ersten sonnenklar, beim zweiten geht der Herr eben, wahrscheinlich etwas erbost, auch extra mit angelegtem Oberarm zum Ball... nix von wegen "angeschossen" oder "Zufall". Wer sich nicht im Griff hat erweist seiner Mannschaft eben einen Bärendienst.
3. Im Zweifel für unseren geliebten Rekordmeister !
liquimoly 10.08.2013
Wo immer sich die Gelegenheit ergibt, nimmt der FCB die Geschenke der "Unparteiischen" gerne mit. Wer wird sich schon trauen, eine Entscheidung GEGEN den DFB, äh, FCB zu fällen, die Schirikarriere wäre dann ziemlich schnell vorbei.
4. Alleine, wenn ich das Bild betrachte,...
rolfseul 10.08.2013
gehörte den 4 Spielern die gelbe Karte und wenn sie sich dann nicht beruhigen, die Gelb-Rote. Denn was sich in den letzten Jahren abspielt, was das protestieren gegen Schiedsrichterentscheidungen betrifft, tut dem Respekt vor diesen, bestimmt nicht gut. Hier wären die Regelausleger gefragt, den Schieri's bessere Möglichkeiten zu geben, sich dagegen zu wehren. Denn je nach dem wer das ist, der sich da beschwert, denn auch das hat sich mittlerweile rausgestellt, ist ein vernünftiges, regelgerechtes Spiel nicht mehr gewährleistet!
5. Unberständnis
Akuram 10.08.2013
Ich verstehe dem Favre nicht. Einem Elfmeter muss kein besonders schweres Foul oder eine spezielle Spielsituation vorausgehen, damit auf den Punkt zeigt. Ein Elfmeter wird gepfiffen, wenn ein Foul, egal wie schwer, in der neuralgischen Zone des (ACHTUNG) Strafraums begangen wird. Nicht die Schwere des Fouls ist für den Elfmeter entscheidend, sondern der Ort an dem es passiert. Und weil man gerade da kein Foul spielen sollte, weil die Nähe zum Tor besonders spielentscheidend sein kann, wird dort jegliches Foul härter bestraft. Hier hat sich, und das schon seit Jahren, eine falsche Wahrnehmung der "Bestrafung" Elfmeter entwickelt, die allerdings gerade von den Experten, wie Spieler und Trainer nicht auch noch gefördert werden sollte. Hier müssen wohl einige erneut zur Regelkunde! Auch sie, Herr Favre!
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