BVB-Sieg gegen Gladbach Große Gefühle und ein völlig verrücktes Eigentor

Was für ein Spiel! Die Stimmung im Stadion war prächtig, Dortmund zauberte zu Hause wie in besten Zeiten - und dann diese Pointe mit dem Eigentor von Christoph Kramer. BVB-Trainer Jürgen Klopp scheint seine erste Elf gefunden zu haben.

Aus Dortmund berichtet

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Es waren große Gefühle, die aus ihm hervorbrachen, als Schiedsrichter Felix Brych die Partie zwischen Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach nach 94 Minuten abpfiff, aber Jürgen Klopp nahm sich noch einen Moment für den Verlierer des Abends. Nachdem er seine Freude über den 1:0-Sieg herausgebrüllt hatte, begab sich der BVB-Trainer zu Christoph Kramer, der dieses mitreißende Fußballspiel mit einem ganz und gar skurrilen Eigentor entschieden hatte. Klopp tröstete den traurigen Weltmeister.

Die Dortmunder hatten die bis zu diesem Spieltag noch ungeschlagenen Gladbacher 90 Minuten lang nach allen Regeln der Fußballkunst beherrscht, nur ein Tor ist keinem Dortmunder dabei gelungen. Die Gastgeber benötigten Kramers Unterstützung, der den Ball nach knapp einer Stunde mit einem völlig verunglückten Rückpass aus mehr als 40 Metern ins eigene Tor beförderte. "Anscheinend musste heute so ein verrücktes Tor fallen", sagte Klopp, nachdem er ausgiebig mit der bebenden Südtribüne gefeiert hatte.

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Dortmund vs. Gladbach: Viele Chancen und ein Eigentor
Klopp sang und hüpfte mit den Fans, als habe er gerade einen großen Titel gewonnen. Immer wieder warf er seine Arme in einer Mischung aus Euphorie und Erleichterung in den Abendhimmel, in den Minuten nach dem Abpfiff lag eine magische Atmosphäre über dem Stadion. Die Dortmunder sind zwar derzeit keine Spitzenmannschaft, die größten Abenteurer der Liga sind sie aber wahrscheinlich immer noch. "Man kann heute nicht nur über das Spiel sprechen, man muss auch die Fans erwähnen", sagte Klopp, "das war heute eine ganz außergewöhnliche Atmosphäre."

Das Publikum verhielt sich natürlich auch deshalb so versöhnlich, weil es eine ganz große Show von ihrem Team geboten bekamen. Ein wunderbarer Dortmunder Angriff nach dem anderen rollte auf das Mönchengladbacher Tor zu. Und das Ganze gewann an Dramatik, weil hinter der imposanten Leistung immer wieder die Schwere der Dortmunder Situation mit Platz 17 vor diesem Spieltag hervorschimmerte. Wenn es darum ging, einen der vielen feinsinnig vorgetragenen Angriffe mit einem erfolgreichen Torschuss zu veredeln, kehrten sie zurück in den Verlierermodus.

Kramer ärgerte sich über die "Grütze", die er gespielt hatte

Marco Reus traf Latte und Pfosten, Henrich Mchitarjan hatte eine sehr gute Möglichkeit, auch Lukasz Piszczek kam einmal völlig freistehend zum Abschluss. "Hätte Gladbach das Tor nicht gemacht, ich fürchte, dass wir keins mehr geschossen hätten", räumte Klopp ein. Doch dann kam Kramer, der sich später weniger über seinen Fauxpas ärgerte als darüber, dass er insgesamt "so eine Grütze gespielt" hatte, wie er sagte.

Die Borussia vom Niederrhein hatte nämlich trotz aller Rotation nach vielen englischen Wochen zum ersten Mal richtig erschöpft gewirkt. Wichtige Spieler wie Martin Stranzl, Tony Jantschke, Raffael oder Kramer müssen trotz vieler Alternativen fast immer spielen. Kein einziger der so gefürchteten Gladbacher Konter bedrohte das Tor des BVB. "Die haben so viel Druck gemacht, wir konnten kaum spielen", versuchte Trainer Lucien Favre die Chancenlosigkeit seines Teams zu erklären.

Die fast fehlerlose Defensivleistung des BVB war der Schlüssel zum Erfolg. In den vergangenen Wochen gab es immer wieder seltsame individuelle Aussetzer, die den Gegnern einfache Tore ermöglichten, das hat die Mannschaft nun abgestellt. Nach Wochen des Experimentierens scheint Klopp eine Art erste Elf gefunden zu haben. Sieht man einmal davon ab, dass Neven Subotic für den verletzten Mats Hummels in die Mannschaft rückte, spielte zum dritten Mal in Folge dieselbe Startelf. Und besonders das Defensivverhalten der Offensive ist seither stark verbessert.

Nachdem die Mannschaft sich in den vergangenen Wochen gute Leistungen immer wieder mit schlimmen Abwehrfehlern zerstört hatte, haben sie nun eine neue Stabilität entwickelt. "Das war ein wichtiges Zeichen für uns, dass es geht", sagte Klopp. Nun hoffen die Dortmunder, dass dieser Abend irgendwann in der Saisonchronik als großer Wendepunkt erinnert werden wird. Es gelte "diesen Schwung in die nächsten Wochen mitzunehmen", sagte Sven Bender.

Der BVB hat seine Serie von fünf verlorenen Bundesligaspielen am Stück also beendet. Und nach diesem denkwürdigen Fußballabend erscheint es umso rätselhafter, wie eine derart großartig besetzte und nicht nur in dieser Partie überzeugende Mannschaft so tief unten in der Tabelle stehen kann. Andererseits: Der Rückstand auf die Europapokalplätze beträgt auch nur noch sieben Punkte.

Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach 1:0 (0:0)
1:0 Kramer (58., Eigentor)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Sokratis (84. Ginter), Durm - Sven Bender, Kehl - Mchitarjan, Kagawa (73. Großkreutz), Reus (89. Immobile) - Aubameyang
Mönchengladbach: Sommer - Korb, Stranzl, Jantschke, Dominguez - Kramer, Nordtveit (46. Wendt) - Hahn, Herrmann (75. Traore) - Raffael (65. Hazard), Max Kruse
Schiedsrichter: Brych
Zuschauer: 80.667 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Durm, Sokratis (5), Immobile - Nordtveit, Kramer (3)

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 62 Beiträge
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thunderstorm305 10.11.2014
1. Ein Problem bleibt!
Dortmund war zwar klar die bessere Mannschaft, aber trotzdem haben sie kein eigenes Tor verwandelt. Man benötigte ein außergewöhnliches und völlig unbedrängtes Eigentor, um das Spiel am Ende zu gewinnen. Man kann nur hoffen dass sich bei anderen Spielen auch ein Gegenspieler findet, der ein Eigentor schießen möchte. Das Problem hat sich also noch nicht gelöst. Sie können kein Tor machen.
p.i.s.a. 10.11.2014
2. Starkes Spiel ...
... das der BVB abgeliefert hat. Aufgrund ihrer Überlegenheit, ist der Sieg auch vollkommen verdient!! Egal wie kurios das Tor zustande kam! Wie sagt man so schön; das Glück des Tüchtigen! Jürgen Klopp muss seinen Spielern nach dem Tor wohl zugerufen haben! "Fotografiert diese Situation und speichert sie tief in Eurem Gedächtnis ein! SO überlupft ein Spieler einen Torhüter, der zu weit vor seinem Kasten steht! Ein Lehrbuchtor für jeden Offensivspieler!!!" ;) Danke Christopf Kramer! Bestimmt wurde dies in der Reportage nach dem Spiel auch so interpretiert, oder!? Denn deutlicher ging's wohl auch nicht! DAS nenn' ich authentisch!
maxell_freedom_87 10.11.2014
3.
Und wenn du das Spiel gewinnst ganz oben stehst dann steh´n wir hier und sing´ Borussia, Borussia BVB Und wenn du das Spiel verlierst ganz unten stehst dann steh´n wir hier und sing´ Borussia, Borussia BVB Und was auch immer geschieht wir steh´n dir bei bis in den Tod und sing´ für dich für dich Borussia Borussia BVB
horstma 10.11.2014
4. Kramer Weltmeister... aha.
Kramer einen Weltmeister zu nennen, mag zwar formell korrekt sein, und sein Manager wird darauf beharren. Dennoch ist es ein Witz. Genauso wie der Jubel des BVB und seines Trainers. Will Klopp in Zukunft Eigentore des Gegners trainieren lassen? Liebe BVB-Leute, ohne dieses kuriose Eigentor hätte es wohl wieder nicht geklappt. Ich sehe da auch nicht einen winzigen Grund zum Jubeln, aus BVB-Sicht. Die nächsten Gegner werden leider keinen Weltmeister Kramer in ihren Reihen haben.
Hank Hill 10.11.2014
5. Fußball vom Feinsten
auch wenn die Dortmunder kein Tor geschossen haben. Trotzdem war das Spiel toll. Begeisternder Angriffsfußball über 90 Minuten. Auch wenn sie in der Tabelle unten stehen, aber was für ein Unterschied zwischen dem BVB und dem erfolgreichen, aber stinklangweiligem Spiel der Bayern. Die sind ja mit Alaba vom "Verletzungspech" verfolgt und müssen vermutlich noch mal 50 Millionen Euro auspacken um einen neuen Verteidiger zu verpflichten. LOL
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