Deutscher Meister Borussia Dortmund: Triumph der Vollgas-Fußballer

Aus Dortmund berichtet Felix Meininghaus

Sie sind Meister - und haben seit 26 Spielen nicht mehr verloren: Borussia Dortmund ist unaufhaltsam zur Titelverteidigung marschiert. Bayern, Schalke, Gladbach - keiner konnte den BVB stoppen. Jetzt müssen die Vollgas-Fußballer in der Champions League beweisen, wie gut sie wirklich sind. 

DPA

Wahrscheinlich ist nichts normal an diesem Abend in Dortmund. In der altehrwürdigen Kneipe Haus Semmler erhob sich irgendwann ein kleiner, untersetzter Mann und bat um Gehör. Er heiße Steven, und obwohl er Schotte sei, werde er gleich eine Lokalrunde geben, verkündete der Gast unter dem Gegröle der Anwesenden. Allerdings habe er eine Bedingung: Alle Anwesenden müssten sein Lieblingslied "Gehe auf mein Stern Borussia" anstimmen.

Natürlich wurde gesungen, immerhin gab es Dortmunds Titelverteidigung zu feiern. Die Fans wirkten wie losgelöst - und der Schotte zahlte.

Auch in Hunderten weiteren Kneipen und auf den Straßen wurde es eine lange und unvergessliche Nacht. Der BVB hat Geschichte geschrieben und sich hinter Bayern München (22 Titelgewinne) und dem 1. FC Nürnberg (9) auf den dritten Platz in der Liste der erfolgreichsten deutschen Vereine geschoben. Seit 1963 die Bundesliga eingeführt wurde, holte die Borussia zum fünften Mal die Meisterschaft, als Lohn wird es in der kommenden Saison den zweiten Stern auf dem Vereinstrikot geben.

Bayern, Schalke, Gladbach - keiner konnte den BVB aufhalten

Niemand in der Republik wird daran zweifeln, dass den Dortmundern dieser Triumph zusteht: "Wir haben binnen zehn Tagen den Zweiten, Dritten und Vierten geschlagen", sagte Sportdirektor Michael Zorc stolz: "Es gab selten einen verdienteren Meister als in dieser Saison." 2:0 hatte der BVB nach den Toren von Ivan Perisic (23.) und Shinji Kagawa (59.) den finalen Akt gegen die Borussia vom Niederrhein gewonnen. Der Sieg gegen die Gladbacher folgte den vorentscheidenden Erfolgen gegen Bayern München und dem FC Schalke 04.

Dortmund hat seine unglaubliche Erfolgsbilanz nun auf 26 Spiele ohne Niederlage ausgebaut, eine eine solche Serie in einer Saison hat es in der fast 50-jährigen Geschichte der Bundesliga noch nie gegeben. Da geraten sogar die BVB-Verantwortlichen in Erklärungsnot, wenn sie die Taten dieser schwarz-gelben Truppe beschreiben sollen. "Das ist eine außergewöhnliche Mannschaft", jubelte Trainer Jürgen Klopp, "wozu diese Mannschaft in der Lage ist, das ist einfach verrückt."

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Mannschaftkapitän Sebastian Kehl sprach von der Krönung einer überragenden Saison: "Dieser Titel ist höher zu bewerten als der aus dem Vorjahr, weil wir jetzt bei allen auf dem Tippzettel waren und trotzdem unsere Leistung bestätigt haben." Auch Mario Götze, den Klopp nach langer Verletzungspause kurz vor Ende brachte, ergänzte: "Was diese Mannschaft in der Rückrunde geleistet hat, ist einfach phänomenal."

Dortmunder Erlebnisfußball

Jung, begeisterungsfähig, mitreißend: Borussia Dortmund bietet einen attraktiven Erlebnisfußball. Es ist ein Stil, der seine prägende Wirkung auf die gesamte Liga entfaltet. Weil die Erfahrung gezeigt hat, dass eine Mannschaft nicht an ihre Grenzen stößt, wenn sie immer weiter marschiert.

Das Team des BVB wird von der Euphorie eines Publikums getragen, das in Deutschland und Europa seinesgleichen sucht. Und es wird von einem Trainer geführt, der das totale Engagement vorlebt. Klopp hat die von ihm so titulierten "Vollgasveranstaltungen" zum Programm erhoben, als er vor vier Jahren seinen Job als Trainer in Dortmund antrat - und seine Spieler folgen ihm.

Zahllose Experten hatten prognostiziert, diese Mannschaft werde ihr kräftezehrendes Spiel niemals durchhalten können. Sie wurden eines Besseren belehrt. Die Dortmunder traten das Gaspedal durch, und zwar bis zum Anschlag. Trotz des Einbruchs zu Saisonbeginn - nach sieben Spieltagen hatte der BVB bereits dreimal verloren und dümpelte auf Rang elf - fanden Spieler und Trainer zurück in die Spur.

Der große Makel Champions League

Nun fragen sich nicht nur die Verantwortlichen selbst: Wo ist das Limit eines Clubs, dessen Höhenflug längst zur Dauerveranstaltung geworden ist? Im größten Stadion der Liga werden am Ende dieser Saison durchschnittlich 80.500 Zuschauer pro Heimspiel gezählt werden. Es ist eine Marke, die weltweit ihresgleichen sucht. Selbst die Giganten aus Manchester, Barcelona oder Madrid können da nicht mithalten. "Darauf sind wir stolz", sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Ende 2009 kürte die angesehene britische Tageszeitung "The Times" die Dortmunder Arena zum schönsten Fußballstadion der Welt und empfahl der Uefa: "Jedes europäische Endspiel sollte in diesem Stadion stattfinden." In Dortmund betonen sie immer wieder, dass sie die Fans für das wichtigste Gut des Revierclubs halten. Weil sie Identität stiften, weil sie Geld bringen, und weil sie für eine einzigartige Kulisse sorgen, die Sponsoren in Scharen anlockt. Ab dem Sommer spült ein neuer Ausrüstervertrag in acht Jahren mindestens 60 Millionen Euro in die Kasse des BVB, im Erfolgsfall sogar mehr.

Doch trotz aller Euphorie - der große Makel der Saison wird nun zur größten Herausforderung: die Champions League. Um auch international zur festen Größe zu werden, muss der Club es besser machen als in dieser Saison. Als Meister in der Vorrunde auszuscheiden, ist peinlich. "Das war das Haar in der Suppe", sagte Watzke: "In der nächsten Saison werden wir international auf jeden Fall besser aussehen."

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insgesamt 122 Beiträge
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1. das größte stadion in "D" steht immer noch in berlin...
spargel_tarzan 22.04.2012
"Das Olympiastadion wurde von 1934 bis 1936 anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1936 mit einem Fassungsvermögen von 100.000 Zuschauern nach Plänen des Architekten Werner March erbaut." auch wenn es jetzt auf 74.000 plätze gestutzt wurde. ja ihre CL-gesellenprüfung haben sie im letzten herbst mit einer glatten 5 vergeigt, das klassenziel war noch nicht mal in reichweite. da waren so underdogs wie hannover, schalke oder fizekusen deutlich besser. also jungs nicht nur in der kommenden CL-saison besser aussehen, auch besser spielen.
2.
informa-ticker 22.04.2012
Zitat von spargel_tarzan"Das Olympiastadion wurde von 1934 bis 1936 anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1936 mit einem Fassungsvermögen von 100.000 Zuschauern nach Plänen des Architekten Werner March erbaut." auch wenn es jetzt auf 74.000 plätze gestutzt wurde. ja ihre CL-gesellenprüfung haben sie im letzten herbst mit einer glatten 5 vergeigt, das klassenziel war noch nicht mal in reichweite. da waren so underdogs wie hannover, schalke oder fizekusen deutlich besser. also jungs nicht nur in der kommenden CL-saison besser aussehen, auch besser spielen.
Versteckt sich hier ein frustrierter Bayernfan, der die Meisterschaft noch nicht abgeharkt hatte? Das die Championsleague nicht gerade gut gelaufen ist für den BVB steht außer Frage. In der Bundesliga waren sie aber einfach (vor allem in der Rückrunde) überragend. Und ob Sie wollen oder nicht, der Signal Iduna Park ist momentan das größte Fussballstadion Deutschlands. Zumindest von den Zuschauerzahlen her. Ihr Kommentar ist hier jedenfalls fehl am Platz.
3.
takeshiscastle 22.04.2012
Größtes Stadion hin oder her, fakt ist dass das Dortmunder Stadion zur Zeit die meisten Zuschauer aufnehmen kann. CL hin oder her, fakt ist der BvB ist Meister und man muss ja schließlich Prioritäten setzen oder? Und die lagen nun einmal auf der Meisterschaft. Jetzt holen wir noch den anderen Pott und dann hat die Borussia aus Dortmund ihr Klassenziel mehr als erfüllt. Und dieses schäbige Nazirelikt in Berlin gehört schon seit 30 Jahren wenigstens abgerissen. Ich bin auch dafür das Dortmund Hauptstadt der BRD wird, Klopp Kanzler und Watzke Präsident....so und nun nehme ich erstmal meine Tabletten :-)
4. Wayne interessiert's?
colakirsch 22.04.2012
Es ist schon verrückt, dass etwas so Belangloses so die Schlagzeilen der Medien beherrschen kann. Noch verrückter aber, dass der Pöbel gern schimpft über die pösen Manager und deren Gehälter. Wenn jemand 1 Mio. EUR pro jahr bekommt, dafür für Lohn und Brot von 1000en Mitarbeitern (und deren Familien) sorgt, scheint das heute also als absurd. Wenn ein Fußballer aber ein Vielfaches davon für ein bisserl Kicken kriegt, arrangiert sich jeder damit - und bewundert ihn noch. Absurd!
5.
rudlith 22.04.2012
Zitat von sysopREUTERSSie sind Meister - und haben seit 26 Spielen nicht mehr verloren: Borussia Dortmund ist unaufhaltsam zur Titelverteidigung marschiert. Bayern, Schalke, Gladbach - keiner konnte den BVB stoppen. Jetzt müssen die Vollgas-Fußballer in der Champions League beweisen, wie gut sie wirklich sind. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,828980,00.html
Nun brauchen nur noch die Bayern gegen Madrid stolpern, dann ist meine persönliche Fußballsaison bestens gelaufen!
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