Frankfurts Remis gegen HSV Vorne pfui, hinten pfui

Gut hat Frankfurt auch gegen den Hamburger SV nicht gespielt - aber immerhin nicht mehr so fahrlässig wie zuletzt. Dank des neuen Defensivdenkens holte das Team von Trainer Armin Veh einen Punkt. Den braucht es dringend.

Von , Frankfurt

Frankfurts Marco Russ (l., gegen Emir Spahic): Kaum Chancen gegen HSV
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Frankfurts Marco Russ (l., gegen Emir Spahic): Kaum Chancen gegen HSV


Heribert Bruchhagen sah aus, als wisse er ganz genau, was die Stunde geschlagen hat. Doch der Mann, der da mit leiser Stimme und leicht verdattertem Gesichtsausdruck Durchhalteparolen verbreitete, konnte ja schlecht so fatalistisch daherreden wie die Frankfurter Fans, von denen derzeit viele so tun, als sei ein Abstieg bereits ausgemachte Sache.

Dass dieses 0:0 seiner Eintracht gegen den HSV auf Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag hindeutet, wusste allerdings auch der Frankfurter Vorstandsvorsitzende. Aber er redete den nicht mal passablen zweiten Durchgang stärker, als er war, und verschwieg den schlimmen ersten fast völlig: "In der zweiten Halbzeit haben wir uns gut gewehrt und mit hoher Kampfbereitschaft dagegengehalten."

Allerdings war es diesmal tatsächlich nicht die zuletzt so anfällige Abwehr, die auf Frankfurter Seite am meisten Sorgen machte. Dafür ließ die Harmlosigkeit, mit der die Frankfurter ihre wenigen Angriffe vortrugen, wenig Raum für Optimismus. Im katastrophalen ersten Durchgang hatte die Eintracht gar keine Torchance. Im zweiten wurde es nicht viel besser: Stefan Aigner schoss HSV-Keeper René Adler an, Makoto Hasebes Verzweiflungsschuss verfehlte knapp das Tor - das war's dann auch schon.

"Da sollen sie lieber zu Hause bleiben"

Im Vergleich zum kampf- und willensstarken HSV, der fünf-, sechsmal blitzschnell vorm gegnerischen Tor auftauchte, wirkte das Frankfurter Angriffsspiel bieder, zaghaft und ideenlos.

Armin Veh war in den letzten Wochen ja zusehends ein Alexander-Zorniger-Syndrom zugeschrieben worden: ein Freund des schönen Fußballs sei der langgediente Bundesliga-Trainer, einer, der das Feilen an den Defensivmechanismen vernachlässige und wie der ehemalige Stuttgarter Coach Zorniger zu wenig an die Absicherungen denke. Doch zu dieser Kritik gab es am Freitag keinen Anlass.

Die Eintracht hatte am Ende eine ordentliche Zweikampf- (53 Prozent) und eine passable Passquote (74), die letzten zehn Minuten galten nur noch der Ergebnissicherung. Das gefiel dem Publikum nicht, war aber die richtige Direktive, um am Ende eines verkorksten Abends wenigstens noch den einen Punkt mitzunehmen.

Es war deshalb allerdings auch ein Spiel, bei dem wohl den meisten Eintracht-Fans schon früh in der zweiten Halbzeit klar war, dass hier kein Heimsieg mehr zu feiern sein würde. Dass die Fans nach dem Schlusspfiff allerdings so laut und zahlreich pfiffen, wie sie das Team vorher angefeuert hatten, zeigt wohl, wie tief der Frust bei den Anhängern sitzt. Doch das wollte der Eintracht-Trainer nur bedingt gelten lassen. "Unzufrieden kann man mit der ersten Halbzeit sein, aber doch nicht nach dem Spiel", wunderte sich Veh über den Zeitpunkt des Pfeifkonzerts: "Da sollen sie doch lieber zu Hause bleiben."

Labbadia hat den HSV zu einer soliden Mannschaft gemacht

Wenn man verstehen kann, dass Fans enttäuscht sind, weil man im zehnten Heimspiel doch ziemlich weit vom vierten Heimsieg der Saison entfernt war, muss man auch einen Trainer verstehen, der sich im Abstiegskampf die größtmögliche Unterstützung wünscht. Es wäre die Unterstützung für ein Team, das es zur Zeit einfach nicht besser kann. Dass das für drei, vier andere Mannschaften im Tabellenkeller auch gilt, könnte aus Frankfurter Sicht die beste Nachricht im Februar sein.

Eine schlechte Nachricht gab es allerdings auch noch. Tabellarisch ist ja auch der HSV mit 27 Punkten nach dem 22. Spieltag noch ein Abstiegskandidat. Doch so selbstbewusst und zielstrebig, wie die Hamburger im ersten Durchgang attackierten (und so stabil, wie sie im zweiten verteidigten), liegen dann doch Welten zwischen dem Team von Trainer Bruno Labbadia und den echten Problemfällen der Liga.

Wenn man den HSV nicht an seiner gloriosen Vergangenheit im letzten Jahrhundert misst, sondern daran, was er im letzten Jahrzehnt zustande gebracht hat, dann muss man Labbadia ein großes Kompliment dafür zollen, was er aus dem fußballerischen Trümmerhaufen gemacht hat, den er im April 2015 vorfand.

Der HSV hat zwei Remis und einen Sieg aus den letzten drei Spielen geholt und wirkt deutlich stabiler, als es der Tabellenstand aussagt. Bei der Eintracht ist es definitiv umgekehrt.



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Seite 1
klogschieter 20.02.2016
1. Dankeschön
Man muss Bruno Labbadia nun wirklich nicht mögen und ihn auch nicht für ein verkanntes Genie halten, aber was der Mann unter allerübelsten Voraussetzungen und immer noch anhaltend schlechten Bedingungen von jetzt auf gleich in Hamburg geleistet hat und weiterhin leistet, ist ganz einfach aller Ehren wert.
lionffm 20.02.2016
2. Die Diva vom Main
Sollte einfach mal wieder absteigen. Schad wärs net drum ??
dieter 4711 20.02.2016
3. Unfähige Vereinsführung
Lieber lionffm, das sehe ich auch so. Erst Schaaf rausgeekelt, nun müssen sie schon zu Hause mit einem Unentschieden zufrieden sein. Die heutigen Spiele werden zeigen, was das Unentschieden wert ist. Das haben sie einer unfähigen Vereinsführung zu verdanken.
ftb7 20.02.2016
4.
Wo Veh ist, ist unten. Mal schauen ob er bald mal wieder zurück trit
bach-herbert, 20.02.2016
5. Schuld hat nicht Veh!
Veh trägt keine Schuld, schuld an einem erneuten Abstieg, der kaum zur verhindern sein wird, trägt der Manager Hübner, der eine vollkommen falsche Einkaufspolitik betrieben hat. Wie kann man einen Ungarn, der in Hannover ausgemustert wurde und in China spielte, einkaufen. Dann der Einkauf von Hatiri von der Hertha, ein Witz! Schast den Herrn Hübner. Na ja immerhin hat sein Sohn in Ingolstadt ein Tor geschossen und so verhindert, dass Werder Punkte mitgenommen hat. Die Eintracht ist keine Mannschaft, das aber hat Labbadia zumindest in Hamburg geschafft aus Einzelspielern eine Mannschaft zu formen. Holtby hat das Vertrauen und spielt eine gute Rückrunde. Bei der Eintracht fehlt vor allem ein Spielmacher wie Holtby der das Spiel lenkt. Gegen den HSV jedenfalls muss man gewinnen, wenn man zuhause spielt und nicht absteigen will. Die erste Halbzeit war eine Zumutung. Ich hatte vorher den FSV gegen St. Pauli gesehen, die kombinierten jedenfalls besser in der 2. Halbzeit wie die Eintracht während des gesamten Spiels und haben verdient 3 Punkte aus Hamburg auf die Rückreise mitgenommen.
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