Von Birger Hamann und Nils Lehnebach
Hamburg - Langsam, aber sicher müssen sich die Anhänger des Hamburger SV ernsthaft Sorgen um ihr Team machen. 0:5 (0:3) verlor die Mannschaft von Trainer Michael Oenning am dritten Bundesliga-Spieltag beim FC Bayern. Dabei war es gar nicht das reine Ergebnis, das Angst unter den HSV-Fans erzeugen dürfte. Es war die Art und Weise, wie die Hamburger in München auftraten: ohne Mut, ohne Spielwitz und daher ohne Chance. Die Folge ist der Absturz auf Tabellenplatz 17, der den Abstieg bedeuten würde.
"Wir haben großartig gespielt", sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes nach dem klaren Erfolg: "Wenn man fünf Tore erzielt, ist das sehr positiv. Ich denke, heute gibt es nicht viel zu kritisieren." Hamburgs Mittelfeldspieler David Jarolim fand deutliche Worte: "Das Spiel hat kaum begonnen, da liegen wir schon 0:2 hinten. Wir waren überhaupt nicht da, haben viel zu ängstlich gespielt. Ich habe keine Ahnung, warum."
Dabei war Bayern gegen den HSV in der achtziger-Jahren mal ein Top-Spiel, häufig ein Duell der beiden Meisterschaftsfavoriten. Doch in meisterlicher Form präsentierten sich vor 69.000 Zuschauern in der ausverkauften Münchner Arena nur die Gastgeber. Daniel van Buyten, den Heynckes anstelle von Jérôme Boateng in der Innenverteidigung aufgeboten hatte, brachte München in der 13. Minute gegen seinen Ex-Club in Führung. Franck Ribéry (17.) erhöhte wenig später auf 2:0.
Hamburg ähnlich desolat wie bei der Blamage im März
Die Hamburger, saisonübergreifend bereits seit neun Spielen sieglos, traten ähnlich desolat auf wie beim 0:6-Debakel im März dieses Jahres, dem die Entlassung des damaligen HSV-Trainers Armin Veh gefolgt war. Und die Gäste standen auch nach dem zweiten Gegentreffer weiter mächtig unter Druck, kamen kaum einmal zu Entlastungsangriffen.
Arjen Robben, der in der achten Minute noch mit einem Kopfball an Hamburgs Torwart Jaroslav Drobny gescheitert war, erzielte mit einem sehenswerten Heber das dritte Tor der Münchner (34.). Und Thomas Müller (43.) hätte vor der Halbzeitpause sogar das 4:0 machen können, traf aber nur den Pfosten. Die junge HSV-Truppe verzeichnete dagegen nur einen gefährlichen Torschuss durch Dennis Diekmeier (28.), bei dem Bayern-Keeper Manuel Neuer auf dem Posten war.
Leverkusen siegt beim VfB Stuttgart
Nach der Halbzeit das gleiche Bild: die Bayern hochüberlegen, die Hamburger ohne Chance. Folgerichtig erzielte Mario Gomez nach Vorlage von Müller das 4:0 (56.). Der zweiter Ex-HSVer in den Reihen der Münchner, Ivica Olic, stellte schließlich den 5:0-Endstand her (80.). "Wir haben die einfachsten Dinge nicht hinbekommen, das war erschreckend und darf nicht vorkommen. Das war eine derbe Niederlage, die richtig wehtut", sagte HSV-Coach Oenning.
Den Bayern gelang mit diesem Sieg vorübergehend der Sprung auf Platz zwei hinter Überraschungsspitzenreiter Borussia Mönchengladbach, der am Freitagabend den VfL Wolfsburg 4:1 besiegt hatte. Der VfB Stuttgart verpasste dagegen die Tabellenführung. Nach vier Punkten aus zwei Spielen verlor die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia daheim gegen Bayer Leverkusen 0:1 (0:1). Den Treffer des Spiels erzielte Stürmer Stefan Kießling (28.). Stuttgarts Khalid Boulahrouz (90.+1) sah die Gelb-Rote Karte wegen unsportlichen Verhaltens.
Vor 53.000 Zuschauern bestimmten die Leverkusener in der Anfangsphase das Geschehen, waren das aktivere Team. Besonders agil zeigte sich Kapitän Simon Rolfes, der für Michael Ballack spielte. Die Stuttgarter wirkten zu Beginn unkonzentriert und leisteten sich zahlreiche Fehler im Spielaufbau. Allerdings konnten sich auch die Leverkusener trotz ihrer Überlegenheit zunächst keine Chancen erarbeiten.
Nach knapp 20 Minuten entwickelte sich ein ausgeglichenes, aber schwaches Spiel. Den Akteuren auf beiden Seiten schien die Hitze große Probleme zu bereiten, temporeiche Szenen waren Mangelware. Auch der Treffer Kießlings resultierte nicht aus einem gelungenen Angriff, sondern aus einem Patzer von Sven Ulreich. Der VfB-Torwart ließ einen Schuss von Michal Kadlec nach vorne abprallen, Kießling staubte ab.
Auch nach dem Seitenwechsel leisteten sich die Stuttgarter zunächst viele Fehlpässe und entwickelten kaum einen vernünftigen Spielaufbau. Aber die Gastgeber gingen mit mehr Einsatzwillen und Engagement als in Hälfte eins zu Werke. Bei der bis dahin besten Möglichkeit schoss Martin Harnik nach Flanke von Cristian Molinaro knapp vorbei (68.). Leverkusen konnte nur noch selten Entlastungsangriffe starten, rettete den Sieg aber über die Zeit.
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