FC Bayern gegen BVB Spitzenspiel (-chen)

Seit Sommer 2012 haben die Bayern in der Bundesliga 123 Punkte mehr geholt als der BVB. Auch in diesem Jahr ist der Abstand riesig. Trotz des Klassenunterschieds: Der Schlagabtausch heute wird interessant.

Jubelnder Thomas Müller (r.), enttäuschte BVB-Profis
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Jubelnder Thomas Müller (r.), enttäuschte BVB-Profis

Von Florian Kinast, München


Hans-Georg Schwarzenbeck wirkte wehmütig. Der frühere Mittelfeldspieler des FC Bayern und Weltmeister von 1974 feiert am kommenden Dienstag seinen 70. Geburtstag, bei einer Begegnung vergangene Woche sprach er über sein Leben und seine Karriere, aber auch über das Spiel am Samstagabend gegen den BVB (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky). "Leider ist das längst kein Gipfeltreffen mehr", sagte Schwarzenbeck: "Sehr schade, dass die Dortmunder keine Konkurrenz mehr sind für die Bayern."

Es klang wie ungestillte Sehnsucht nach einem Gigantentreffen auf Augenhöhe. Doch davon ist dieses Spiel weit entfernt. Dortmund sieht die Bayern seit Jahren nur noch durch das von Uli Hoeneß gern zitierte Fernglas.

Bayern gegen Dortmund, seit Mitte der Neunzigerjahre ein großes Duell. Doch seit dem Champions-League-Finale 2013 dominieren die Bayern. Und sieht man von den alljährlichen Begegnungen im DFB-Pokal ab, ist das, was immer gerne als Clásico beschworen wurde, ein wenig prickelnder Clásico light geworden. Ein Clásiquito. Wenn überhaupt.

Arjen Robben (l.) und Roman Weidenfeller im Champions-League-Finale 2013
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Arjen Robben (l.) und Roman Weidenfeller im Champions-League-Finale 2013

Wie übermächtig die Bayern sind, zeigen schon die Zahlen: Seit Sommer 2012 haben sie in der Bundesliga 123 Punkte mehr geholt als der BVB, es steht 496:373. In der Liga beträgt der Abstand aktuell 18 Punkte, genauso viel wie zwischen dem Tabellendritten Dortmund und Freiburg auf Rang 14.

Jupp Heynckes bemühte sich von einem wie immer besonderen Duell zu sprechen, als er meinte: "Wenn Dortmund nach München kommt, ist die Mannschaft immer hoch motiviert. Sie haben hier oft sehr gut gespielt und einige Male auch erfolgreich." Richtig. Doch bei aller traditioneller Rivalität, sportlich brisant ist die Partie längst nicht mehr. So sieht es auch Hans Gehrlein.

Gehrlein ist Vorsitzender der "13 Höslwanger", einem der größeren Bayern-Fanklubs, 3600 Mitglieder, bei jedem Heimspiel sind etwa 100 von ihnen in der Arena. "Eng wird das Spiel sicher, Dortmund wird über sich hinauswachsen", sagt er. "Nur um die Meisterschaft geht es halt nicht mehr. Dafür sind wir zu weit enteilt."

"Ganz gemütlich zurücklehnen"

Anders als Schwarzenbeck verspürt Gehrlein keine Entzugserscheinungen nach dem alten Gipfelduell, bei dem es oft vorentscheidend um die Meisterschaft ging. "Ist doch schön, wenn man so einen Vorsprung hat. Selbst wenn wir nicht gewinnen, kann man sich als Zuschauer im Stadion ganz gemütlich zurücklehnen." Zurücklehnen also, bei Bayern gegen Dortmund. Die Zeiten ändern sich.

Früher sorgten die Spiele auch auf den Rängen für brodelnd giftige Stimmung. Im Vergleich dazu erinnert der Spannungsgehalt heutzutage an diese fünfminütige meditative Spätabend-Schlummersendung, die in den Neunzigerjahren im Bayerischen Fernsehen lief, sie trug den Titel: "Zuschauen, entspannen, nachdenken."

Meist andächtige Ruhe ist auch in den einst angespannten Beziehungen der handelnden Führungspersonen eingetreten. Was waren das immer für Nickligkeiten zwischen Karl-Heinz Rummenigge und Hans-Joachim Watzke, Sticheleien und Scharmützel, die oft kleinkariert wirkten und kindisch, aber so ging es eben zu unter Konkurrenten. Das ist nun längst vorbei - weil Dortmund kein Konkurrent mehr ist.

Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Hans-Joachim Watzke
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Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Hans-Joachim Watzke

Immerhin ein bisschen Dissonanz zwischen den beiden gab es diese Woche beim Thema Abschaffung oder Fortbestand der 50+1-Regel. An diesem Samstag können das beide direkt besprechen, Rummenigge hat Watzke vor dem Spiel zum Essen eingeladen.

Viel wichtiger aber sind beim FC Bayern andere Themen. Das anstehende Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League beim FC Sevilla am Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ZDF und Sky) ist weitaus bedeutsamer für den Verlauf der restlichen Saison - und natürlich auch, gerade für Fans wie Hans Gehrlein, die Frage: "Ob wir endlich einmal in der Arena Meister werden."

Erster Meistertitel in der Allianz Arena?

Tatsächlich sicherte sich der FC Bayern keine einzige seiner letzten elf Meisterschaften seit 2001 im heimischen Stadion. Stattdessen in Wolfsburg (dreimal), in Kaiserslautern und Berlin (je zweimal), in Hamburg, Frankfurt und Ingolstadt. Und einmal Zuhause auf der Couch, weil Verfolger Wolfsburg 2015 das Sonntagabendspiel in Gladbach verlor und die Bayern damit nach dem 30. Spieltag uneinholbar vorne lagen.

Um sich nun die Schale zu sichern, dürfte Schalke am Nachmittag gegen Freiburg nicht gewinnen. Ansonsten feiert Bayern eben kommenden Samstag in Augsburg. Dann ist das meisterliche Auswärtsdutzend voll.

Hans-Georg Schwarzenbeck jedenfalls hofft, dass die Meisterschaft in den kommenden Jahren wieder spannender wird und die Entscheidung, wie zuletzt 2010, erst am letzten Spieltag fällt. "Ein Titelrennen bis ganz zum Schluss wäre wieder schön". Aber natürlich nur, wenn am Ende Bayern gewinnt.



insgesamt 5 Beiträge
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derdude57 31.03.2018
1. Die Bundesliga hat ein Problem
Der BVB kann heute schon froh sein, wenn er keine Klatsche bekommt. Die Qualität der BL hat insgesamt erheblich gelitten, weil weit und breit kein ernsthaften Konkurrent des FCB in Sicht ist, auch nicht auf mittlere Sicht. Ohne Spannung in der Meisterschaft hat die Bundesliga insgesamt ein Problem. Wen interessiert schon, ob die Bayern mit 10 oder 20 Punkten Vorsprung oder zu welechem Zeitpunkt und in welchgen Stadion Meister wird. Nachdem auch die Frage geklärt ist, wann der HSV endlicch absteigt, muss ich mir das Gegurke um die restlichen Plätze nicht mehr antun, zumal abzusehen ist, dass sich die deutschen Teams in den internationalen Wettbewerben auch nächste Saison wieder blamieren werden, bis auf die Bayern natürlich. Auch der FCB bekommt zumindest international langsam ein Problem, ob seiner Dominanz in der heimischen Liga. Gegen Sevilla wird der FCB anders als in der Bundesliga mal wieder richtig gefordert werden. Es könnte ein böses Erwachen geben.
cmann 31.03.2018
2. Wenn der Katsche
sich die "alten Zeiten zurückwünscht kann ich das schon nachvollziehen, allerdings wird das, wie es aussieht, in nächster Zeit wohl nicht passieren. Wenn die Aussage von Jupp Heynckes auf der letzen PK stimmt hat die Bayern Führung offensichtlich ihre Hausaufgaben für die Zukunft gemacht und schon die Weichen für eine weiterhin erfolgreiche Zeit des FCB entsprechend gestellt. Mal abgesehen von der "Trainerdiskusion" hat der FC Bayern offensichtlich weder personelle, noch finanzielle Probleme die nicht zu beherrschen sind. Auch der häufig geforderte "Umbruch" der Mannschaft erfolgt relativ unspektakulär. Mit Goretzka, Gnabry und wer weiß, eventuell noch Julian Brand und Jonas Hector könnte es weitere Veränderungen im Kader geben selbst wenn Vidal und Bernat den Verein verlassen würden und "Robery" nicht mehr zur Verfügung stehen, ist der Kader immer noch stark genung die BL weiter zu dominieren. Ganz abgesehen von eventuell noch geplanten Verpflichtungen die beim FCB. noch in der Pipeline sind.
hoppelkaktus 31.03.2018
3. Der BVB plus die anderen 16 Tiefbaufirmen
Im Artikel wird die seinerzeitige TV-Sendung "Zuschauen-Entspannen-Nachdenken" des Bayrischen Rundfunks erwähnt. Im Hinblick auf die seit Jahren lahmpopoige Bundesliga-Meisterschaft und die große Sehnsucht nach einem Meisterschaftsrennen mit wieder spannendem Verlauf, ließe sich ganz zurecht sagen: Zuschauen und Entspannen, das gilt wohl bis auf weiteres ausschließlich für den FC Bayern. Gründlich n a c h d e n k e n aber sollte ansonsten der ganze Rest dieser entäuschend mausgrauen Liga mit ihren - unterhalb der Bayern - überwiegend ein- und durchschlaffördernden spielerischen Darbietungen.
torflut 31.03.2018
4. Ja, aber bitte keinen Hochmut
Hochmütig sollte aber NIEMAND sein! Bayern = Meister ist schließlich kein Naturgesetz. Die Dinge können sich auch schnell wieder ändern. In anderen Vereinen wird auch gearbeitet und nach Wegen zum Erfolg gesucht. Ich sehe eher Leipzig als Anwärter für einen zukünftigen Partner auf Augenhöhe. Oder bringt Sammer die richtige Dynamik in den BVB-Betrieb? Für heute wünsche ich mir ein gutes Spiel und keine verletzten N11-Spieler nach Abpfiff!
hamburger.jung 31.03.2018
5.
Viel zu viel Theater um das Spiel. Jupp wird rotieren, denn heute ist es unwichtig. Gegen Sevilla müssen sie da sein und das weiß er.
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