Bayern-Sieg in Köln Erfolgreich, aber müde

Beim knappen Erfolg der Bayern gegen Köln wirkten viele Spieler schlapp. Die Erkenntnis des Abends: Der Rekordmeister wäre zu schlagen gewesen.

Dominic Maroh, Robert Lewandowski
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Dominic Maroh, Robert Lewandowski


Als der Schiedsrichterassistent an der Außenlinie die drei Minuten Nachspielzeit anzeigte, war die Bank des FC Bayern München längst leer. Niemand saß mehr. Spieler, Trainer, Betreuer und der Sportdirektor starrten gebannt auf das Spielfeld.

Arme fuchtelten, Hände wurden vor Gesichter geschlagen, es waren Szenen, wie man sie normalerweise am Ende einer großen Europapokalpartie sieht. Kurz vor dem Abpfiff eines überaus durchschnittlichen Bundesligaspiels der Bayern, das am Ende auch noch den erwarteten Sieger gefunden hatte, war das ungewöhnlich.Thomas Müller sollte auch eine halbe Stunde später noch über die in seinen Augen viel zu lange Zugabe schimpfen.

1:0 (1:0) gewann der FC Bayern, aber der Tabellenführer war in der Schlussphase ganz nah dran an einem Gegentor, das den Verlust von zwei Punkten bedeutet hätte. Borussia Dortmund hätte dies die Chance geboten, im Sonntagsspiel gegen den FC Augsburg (17.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf drei Punkte an die Münchner heranzurücken. "Wir waren sehr erleichtert", sagte Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern. In Josep Guardiola reifte in jenen schweren Minuten eine grundlegende Erkenntnis: "Ich habe heute verstanden, wie schwer es ist, den Bundesligatitel zu verteidigen", sagte der Meistertrainer. Offensichtlich hatte er sich die Sache etwas leichter vorgestellt.

120 Champions-League-Minuten in den Knochen

Zum Glück für den Spanier verteidigten die Kölner in der ersten Halbzeit etwas zu ängstlich, sodass es den Bayern leicht fiel, die langen Phasen der Partie mit ihrer endlosen Ballzirkulation unter Kontrolle zu halten. Früh legte Dominique Heintz Bayern-Stürmer Robert Lewandowski mit einer allzu hastigen Abwehraktion das 0:1 auf (10. Minute). Dieser Beginn wirkte, als müssten die Gäste erstmal ihre Ehrfurcht ablegen. Erst nach und nach wurde den Kölnern klar, was für eine Chance sich hier bot.

Auf der Bank der Bayern saßen Philipp Lahm Arturo Vidal, Thomas Müller und Franck Ribéry, die geschont wurden. Auch deshalb agierte die Mannschaft ungewohnt harmlos. Hinzu kam eine wachsende Erschöpfung je weiter die Partie fortschritt. "Wir hatten eben 120 Minuten in den Knochen, das haben wir gemerkt", sagte Joshua Kimmich in Anspielung auf die große Champions League-Partie vom Mittwoch und sprach von einem "Kraftakt". Vielleicht gab es in dieser Saison noch keinen günstigeren Moment für Außenseiter, den Bayern ein paar Punkte abzunehmen.

Irgendwann erkannten die Kölner diese Gelegenheit: Sie begannen, couragierter zu verteidigen, und die Bayern machten Fehler. Trainer Peter Stöger hatte genau das offenbar schon vor dem Spiel gefordert, doch zunächst fehlte dem Team dazu der Mut. "Die Jungs sollten genauso an sich glauben, wie das Trainerteam das tut", sagte Stöger nach dem Spiel. Denn als die Ehrfurcht überwunden war, hatte der FC drei, vier gute Möglichkeiten zum Ausgleich. "Wir hatten wirklich Glück, dass wir so ein frühes Tor gemacht haben", sagte Rummenigge angesichts der wachsenden Müdigkeit, und der Kölner Torhüter Timo Horn erklärte: "Es ist schade, dass man nichts mitnimmt gegen die Bayern, wenn man so nah dran ist."

Zeit zur Regeneration für die Bayern

Das werden sich auch die Dortmunder und die vielen Fußballfreunde sagen, die weiterhin auf ein Drama im Titelrennen hoffen. Dass die Bayern noch oft so verwundbar sind, wie an diesem Tag, ist unwahrscheinlich. Zum einen steht nun die Länderspielpause an. In den kommenden zwei Wochen absolvieren die Profis höchstens zwei Testspiele in denen kaum einer an seine körperliche Grenzen gehen muss. Und dann folgt das Champions League-Viertelfinale gegen Benfica Lissabon. Die Portugiesen werden die Bayern vermutlich nicht ganz so intensiv fordern wie Juventus Turin im Achtelfinale.

Das ahnten wohl auch die Männer auf der Auswechselbank, die in den letzten Minuten der Partie vor lauter Aufregung nicht mehr still sitzen konnten. Der Hunger dieser Mannschaft nach Titeln ist weiterhin groß, allerdings zeigte dieser Nachmittag auch, dass sehr wohl Zweifel an der Verteidigung des Meistertitels im Nervensystem dieses Ensembles unterwegs sind.



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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
Nonvaio01 20.03.2016
1. war zu erwarten
nach dem spiel am Mittwoch war klar das man kein feuerwerk erlebt vom FCB. Wenn es nicht Koeln sondern eine etwas bessere mannschaft gewesen waehre haette der FCB wohl verloren.
gezi20 20.03.2016
2. 3 Punkte mitgenommen
Genau solche Siege machen einen (zukünftigen) D. Meister aus! Der glanzvolle 5:1-Sieg gegen Dortmund war in der Punkteverteilung auch nicht mehr wert. Am Ende werden die Bayern irgendwas mit 80 Punkten plus x aufweisen. (Und Platz 1) 3 davon sind heute eingefahren worden.?⚽️
brainstormerene 20.03.2016
3.
nein er waere nicht zu schlagen gewesen ein tor der koelner und bayern haette umgestellt und das spiel trotzdem gewonnen. dafuer ist der koelner fussball viel zu bieder
in-teressant! 20.03.2016
4. Merkwürdiger...
.., Artikel: 1. Das Spiel Köln gegen Bayern fand am Nachmittag statt, nicht am Abend. 2. Neben den erwähnten Lahm, Müller, Ribery und Vidal saßen auf der Bayern-Bank auch noch u.a. Götze und Martinez. Hätte Trainer Guardiola seine beste Mannschaft vom Start weg aufgestellt, hätte es für den FC vermutlich schlimmer kommen können. 3. Zweifel an der Meisterschaft bei den Bayern? Ich lach mich kaputt.
letitbe 20.03.2016
5. 26. Deutsche Meisterschaft
Gut wieder ein wichtiger Schritt!
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