Mainz schlägt Schalke Mit leisen Schritten nach oben

Auch Schalke 04 kann den Höhenflug von Mainz 05 nicht stoppen. Während die Königsblauen ihren Ansprüchen wieder einmal hinterherhinken, mausert sich der FSV klammheimlich zu einem Europapokal-Anwärter.

Von , Mainz

DPA

Als Klaas-Jan Huntelaar in der Nachspielzeit auch die letzte Schalker Torgelegenheit vergeben hatte, feierte Mainz 05, Fastenzeit hin oder her, als hätte es nie einen Aschermittwoch gegeben. Wieder hatte Mainz gewonnen, diesmal 2:1 gegen Schalke 04. Ein verdienter 2:1-Sieg, wie man unbedingt nachschieben muss, denn zumindest ein Augenzeuge der Partie schien das anders zu sehen: Schalkes Coach André Breitenreiter hatte in der ersten Halbzeit ein "fußballerisches Übergewicht" seiner Mannschaft gesehen und ein Schalker Team, das wie das der Mainzer in "guter Verfassung" sei, beim ersten Gegentor nur nicht ganz so fantastisch verteidigt habe.

Nun ja, Mainz ist tatsächlich das Team der Rückrunde, und Schalke zeigte zumindest phasenweise eine ordentliche Auswärtspartie, bei der es sich einem druckvolleren, engagierteren Gegner zu Recht geschlagen geben musste. Doch die Kategorien "verdient" und "unverdient" sind subjektiv, Torchancen hingegen werden statistisch erfasst, sie sind relativ leicht als solche zu erkennen. Insofern war es schon ein wenig verwunderlich, dass Breitenreiter bei seiner Spielanalyse behauptete, man sei in der zweiten Halbzeit "drauf und dran" gewesen, "das zweite Tor zu machen".

Nun soll es ja Menschen geben, die an Jungfrauengeburten glauben: Aber Tore ohne Torchancen? Bis zu Huntelaars Freistoß mussten die Schalker Fans jedenfalls 48 Minuten warten, bis vor ihrer Kurve wieder etwas passierte. Unmittelbar nach dem Wiederanpfiff hatte Younès Belhanda den 1:1-Ausgleich geschossen.

Warum Breitenreiter wie schon so oft in dieser Saison sein Team stärker sieht, als das neutralere Zuschauer tun, ist schwer zu ergründen. Ist es der Versuch, Kritik an der eigenen Arbeit gar nicht erst aufkommen zu lassen? Ist es der Versuch, überzogene Erwartungen einzubremsen und sich vor seine Mannschaft zu stellen? Oder ist da tatsächlich einer so von sich und seiner Arbeit überzeugt, dass er mit dem, was er sieht, vollauf zufrieden ist?

Mainz pirscht sich an Europapokalplätze heran

Dabei gab es auch am Freitag natürlich einiges, das den Schalker Anspruch (Champions League) realistisch erscheinen lässt: Leroy Sané zeigt selbst an Tagen, an denen es nicht ganz so doll läuft, dass er eigentlich schon lange in einer anderen Liga spielt als in der Bundesliga. Mit seinen Ideen riss er Max Meyer oder den starken Leon Goretzka mit - doch das Schalker Mittelfeld hängt nach hinten und nach vorn in der Luft. Huntelaar ist ein Stürmer alter Schule, der fürs Kombinationsspiel weitgehend ausfällt. An Tagen wie diesen braucht er einen Freistoßpfiff in der 94. Minute, um erstmals aufzufallen. Zudem beschränkt sich der Schalker Spielaufbau zu oft auf lange Bälle. Und an halbwegs erwähnenswerten Torchancen hatte Schalke dann eben insgesamt auch nur eindreiviertel.

Martin Schmidt, der Mainzer Trainer, pflegt eine ganz andere Rhetorik als sein Schalker Pendant. Er schlüsselt Erfolg und Misserfolg in seine Einzelbestandteile auf, erklärt schon am Freitagabend ziemlich detailliert, worauf es beim Spiel acht Tage später in Hoffenheim ankommen wird, zuckt dafür aber regelrecht zusammen, wenn er auf die europäischen Ambitionen seines Teams angesprochen wird.

Dabei hat der FSV Mainz 05 nicht nur eine prima Hinrunde gespielt. Er hat seither drei von vier Rückrundenpartien gewonnen, gegen alle vier Gegner die bessere Zweikampfbilanz gehabt und dabei mal eben Gladbach und Schalke geschlagen. Dabei wissen sie in Mainz ganz genau, dass es viele Fußballfans gibt, die große Probleme hätten, wenn sie drei, vier Mainzer Spieler benennen müssten.

Dennoch ist genau das der Beweis dafür, wie gut in Mainz in den letzten Jahren gearbeitet wurde. Wenn es stimmt, dass die Tabelle nicht lügt, dann bleibt festzustellen, dass Mainz nach dem 21. Spieltag punktgleich mit Schalke und deutlich vor teuren Teams wie dem VfL Wolfsburg ums internationale Geschäft mitspielt. Seit 2001 hatte Mainz 05 fünf Trainer. Einer davon wurde schnell entlassen. Zwei - Jürgen Klopp und Thomas Tuchel - kennen auch diejenigen, die keinen aktuellen Mainzer Spieler kennen.

Der Dritte heißt Schmidt und trainiert eine Mannschaft, die man eine Spitzenmannschaft nennen würde, wenn die Spieler am Freitag vor dem Anpfiff die Trikots getauscht hätten.



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brainstormerene 13.02.2016
1.
Ist ha nett das main oder herthas oben mitspielen. ....zeigt aber wie schwach die bundesliga ist was man auch an den vielen schlechten spielen diese saison sehen kann. nur dortmund muenchen und an guten tagen moenchengladbach und leverkusen sind in der lage wirklich guten fussball zu spielen alle anderen .....viel kampf krampf und gegurke.
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