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Fußball: Bundesliga verzichtet auf Torlinientechnik

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War der Ball drin oder nicht? Diese Frage wird in der Bundesliga künftig weiter diskutiert - die Mitglieder der DFL haben eine Einführung der Torlinientechnologie vorerst mehrheitlich abgelehnt.

Hamburg - In der Fußball-Bundesliga und in der 2. Bundesliga wird es auch bis auf weiteres keine Torlinientechnologie geben. Das beschlossen die 36 Clubs auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL). "Es ist gar nicht erst zu einer Diskussion um diesen Punkt gekommen", sagte DFL-Präsident Reinhard Rauball.

Bei den Erstligisten stimmten je neun Vereine für und gegen die Einführung eines technischen Hilfsmittels. Bei den Zweitligisten fiel die Abstimmung noch deutlicher aus, nur drei Clubs votierten für die Torlinientechnologie. Für die Einführung wären jeweils Zweidrittelmehrheiten nötig gewesen. "Bis auf weiteres hat sich dieses Thema für uns damit erledigt", sagte Rauball.

Das Ergebnis ist zumindest für die erste Liga eine Überraschung. Nach dem Phantomtor von Leverkusens Stürmer Stefan Kießling in Hoffenheim war die Diskussion um Torlinientechnik neu entfacht worden. Ursprünglich war die Einführung eines Hilfsmittels frühestens für 2015 geplant gewesen.

DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig hatte sich zuletzt die vier lizenzierten Techniken vorführen lassen, zwei davon basieren auf Kameras. Die deutschen Spitzenreferees hatten sich für die Einführung im Ligabetrieb ausgesprochen. Rettig ließ anklingen, dass das Abstimmungsergebnis für ihn überraschend kam: "Wir hatten einen Entscheid erwartet, nach dem wir in die Ausschreibung für die Art der technischen Hilfsmittel gehen."

Kosten offenbar Grund für Ablehnung

Dazu kam es nicht, weil sich die Befürworter wie der FC Bayern München, Bayer Leverkusen, Werder Bremen, Borussia Mönchengladbach, 1899 Hoffenheim und Mainz 05 nicht durchsetzen konnten. "Wir bedauern diese Entscheidung. Als Demokraten haben wir das zu akzeptieren", sagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und fügte hinzu: "Wir werden in Zukunft weiter mit Fehlentscheidungen leben müssen. Diejenigen, die gegen die Torlinientechnik gestimmt haben, sollten dann aber auch nicht mehr lamentieren."

Aus Kostengründen hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bereits im Vorfeld erklärt, eine mögliche Torlinientechnologie nicht in den ersten Runden des DFB-Pokals einzusetzen, um die Amateurvereine vor erheblichen Ausgaben zu bewahren.

Am Ende setzten sich die Traditionalisten wie Heribert Bruchhagen durch. "Der Fußball soll überall unter gleichen Bedingungen gespielt werden. Es war eine pragmatische und basisdemokratische Entscheidung, die man zu akzeptieren hat", sagte Eintracht Frankfurts Vorstandsboss. Er sieht das Votum aber nicht als endgültig an: "Ich glaube nicht, dass es ein Nein für alle Zeiten war." Liga-Boss Rauball hakte das Thema dagegen ab: "Ich erwarte in naher Zukunft keinen neuen Antrag." Laut "Kicker" war auch der FC Schalke 04 gegen die Torlinientechnik.

Eine große Rolle bei der Ablehnung vor allem in der zweiten Liga dürften die finanziellen Aspekte gespielt haben. Ein Kamerasystem wie das in England verwendete Hawk Eye oder das WM-Hilfsmittel Goal Control hätte jeden Verein rund 500.000 Euro gekostet. Der Chip im Ball wurde mit rund 250.000 Euro veranschlagt. "Die Kosten sind so exorbitant, dass das nicht tragbar ist", sagte Jörg Schmadtke, Geschäftsführer des Zweitliga-Spitzenreiters 1. FC Köln, seine Ablehnung.

Damit bleibt die englische Premier League die bislang einzige Liga, in der eine Torlinientechnik (Hawk-Eye) zum Einsatz kommt, der Weltverband Fifa baut bei der WM in Brasilien (12. Juni bis 13. Juli) ebenfalls auf ein kamerabasiertes System (GoalControl).

Der Einsatz von Torrichtern wie in Italien und Spanien steht für die DFL ebenfalls nicht zur Debatte. "Wir haben ein klares Votum abgegeben, dass die Torrichter für uns überhaupt nicht infrage kommen, weil letztlich das menschliche Auge nur eine bestimmte Anzahl an bestimmten Bildern pro Sekunde aufnehmen kann", sagte Rettig.

max/dpa/sid

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insgesamt 57 Beiträge
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1.
cs01 24.03.2014
Wäre mal interessant, wer dafür und wer dagegen war. Aber das wird nirgens veröffentlicht.
2. Wieso dann immer diese Jammerei...?
schwaebischehausfrau 24.03.2014
komisch: Jedes Mal, wenn ein Verein Opfer einer Tor-Fehlentscheidung wird, ist das Gejammere groß. Und fast alle Clubs/Trainer waren bereits Opfer solcher Torlinien-Entscheidungen. Jetzt findet sich aber nicht die Mehrheit für eine längst überfällige Neuerung. Tja, dann sollen sie einen wenigstens das nächste Mal mit ihrem Rumgejammere hoffentlich verschonen.
3. optional
tobiasl 24.03.2014
Da fragt man sich doch: warum? Für die zweite Liga verstehe ich das, kostet ja schliesslich Geld. Aber für einen Erstligaclub kann so ein System doch finanziell kein Problem sein.
4. Die meisten Verantwortlichen
hermes69 24.03.2014
haben doch schon offen dazu Stellung bezogen.
5.
pepe_sargnagel 24.03.2014
Wie soll man denn mit der Technik noch Spiele verschieben und es auf den Schiri abwälzen?! Ich finde es gut, dass man nichts gegen mögliche "menschliche Fehlentscheidungen" unternimmt - das könnte das Volumen der Wetten senken.
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