Sieg gegen HSV Gladbach verschärft Hamburgs Abstiegssorgen

Lange sah es aus, als könne Hamburg in Mönchengladbach wichtige Punkte im Abstiegskampf einfahren. Tatsächlich verteidigte der HSV kompakt und ging sogar in Führung. Doch zwei Treffer in der Schlussviertelstunde sorgten für Ernüchterung.

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Hamburg - Ob Mirko Slomka sich noch erinnert, wie sich ein Punktgewinn im fremden Stadion anfühlt? Zwölfmal in Serie hat der Trainer nun auswärts verloren - neunmal mit Hannover, dreimal mit Hamburg. Beim Spiel seines HSV in Mönchengladbach sah es lange aus, als würde die Serie enden.

Denn Jacques Zoua hatte die Hamburger mit seinem zweiten Saisontreffer in Führung gebracht (28. Minute). Filip Daems gelang per Elfmeter-Nachschuss jedoch der Ausgleich (37.), spät drehte die Borussia dann die Partie: Raffael (75.) und Álvaro Dominguez (79.) trafen für die Gastgeber zum 3:1 (1:1)-Sieg. In der Tabelle steht Hamburg wegen des schlechteren Torverhältnisses im Vergleich zum punktgleichen VfB Stuttgart auf Platz 17. Gladbach ist nach dem Erfolg Sechster.

"Bis zur 75. Minute haben wir eigentlich gut gespielt, gekämpft, Chancen gehabt. Aber wenn man unten steht, braucht man Glück, um da rauszukommen", sagte HSV-Kapitän Rafael van der Vaart beim TV-Sender Sky und meinte mit Blick auf die Tabelle: "Wenn wir so weiterkämpfen, kommen wir da raus."

Zunächst war nicht viel los in Mönchengladbach. Die Hamburger formierten sich bei gegnerischem Ballbesitz in einem engen 4-4-1-1 und attackierten die Borussia geschlossen. Gladbach ließ den Ball zu langsam laufen, um die Defensive des HSV zu knacken. Wenn sich doch einmal die Möglichkeit für einen Pass vor das Gäste-Tor bot, ließen die Gastgeber diese meist verstreichen.

Wirklich gefährlich wurde es erst nach 28 Minuten - und zwar vor dem Tor der Borussia: Hakan Calhanoglu schlug eine Freistoßflanke aus dem linken Mittelfeld vor das Tor, wo sich Zoua gegen Martin Stranzl durchsetzte - 1:0 für den HSV. Fast wäre van der Vaart kurz darauf der zweite Treffer gelungen, doch der Niederländer verfehlte das Tor per Kopfball um Zentimeter (33.).

Lasogga muss verletzt vom Platz

Und Gladbach? Hatte sich jegliche Torgefahr für die Schlussphase der ersten Hälfte aufgespart. Nach einem Eckball köpfte Dominguez im Strafraum Michael Mancienne aus kurzer Distanz den Ball an den Arm. Weil der Hamburger diesen weit in die Luft gestreckt hatte, entschied Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer zu Recht auf Strafstoß. René Adler konnte den Schuss von Daems zunächst abwehren, den Nachschuss verwandelte der Kapitän der Borussia dann sicher.

Noch vor der Pause hätte Gladbachs Juan Arango das Spiel beinahe im Alleingang gedreht: Erst tauchte er frei vor Adler auf, scheiterte aber an der Fußabwehr des Torhüters. Nach der anschließenden Ecke köpfte Arango gefährlich auf das Tor, wieder konnte Adler einen Treffer verhindern (43.).

Die zweite Halbzeit musste Hamburg ohne seinen gefährlichsten Angreifer auskommen: Pierre-Michel Lasogga konnte wegen Muskelproblemen nicht weiterspielen, für ihn kam Ola John (46.). Es lag wohl nicht an diesem Wechsel, wirklich torgefährlich wurden die Gäste nach Wiederanpfiff jedoch lange nicht. Anders Gladbach: Nach Vorarbeit von Patrick Herrmann kam Max Kruse aus 14 Metern frei zum Schuss, mit seinem schwächeren rechten Fuß erwischte er den Ball aber nicht richtig - Adler konnte locker halten (54.). Christoph Kramer kam aus aussichtsreicher Position im Strafraum nicht zu einem kontrollierten Abschluss (73.).

Der schönste Spielzug der Partie besorgte dann das 2:1: Kramer hob den Ball zu Kruse, der in den Lauf von Raffael lupfte. Der Brasilianer umkurvte Adler und schob zur Gladbacher Führung ein (75.). Dominguez stellte nach einer Ecke den Endstand her. Van der Vaart (84.) und Zoua (85.) vergaben noch beste Gelegenheiten auf den Anschlusstreffer, Gladbachs Lukas Rupp verpasste nach starker Vorarbeit von Kruse das vierte Tor für die Borussia (90.).

Borussia Mönchengladbach - Hamburger SV 3:1 (1:1)
0:1 Zoua (28.)
1:1 Daems (37.)
2:1 Raffael (75.)
3:1 Dominguez (78.)
Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Stranzl (63. Brouwers), Dominguez, Daems - Nordtveit, Kramer - Herrmann (86. Rupp), Arango - Max Kruse, Raffael (90.+2 Hrgota)
Hamburg: Adler - Diekmeier (83. Jiracek), Djourou, Mancienne, Westermann - Rincon, Arslan (83. Tesche) - Zoua, van der Vaart, Calhanoglu - Lasogga (46. John)
Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)
Zuschauer: 53.650
Gelbe Karten: - Mancienne

mon

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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
j.cotton 30.03.2014
1. Mirko Slomka
Zitat von sysopGetty ImagesLange sah es aus, als könne Hamburg wichtige Punkte im Abstiegskampf einfahren. In Mönchengladbach verteidigte der HSV kompakt und ging sogar in Führung. Zwei Treffer in der Schlussviertelstunde sorgten jedoch für Ernüchterung. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-gladbach-besiegt-hsv-3-1-a-961561.html
Ich denke, er ist kein Schlechter (Zweitligatrainer) So gesehen trainiert er mit dem HSV den richtigen Club.
leser75 30.03.2014
2. Wieso wird gerade der schwächste
HSVer zitiert. Der Mann trabt locker übern Platz und lebt von seinem ehemaligen Ruf-im Club ist er längst nur noch als Handicap zu sehen; zeigt keinen adäquaten Einsatz, nur beim Interview ist er wach.
BettyB. 30.03.2014
3. Ein Traum könnte wahr werden.
HSV Vorletzter, St. Pauli bestenfalls auf Platz 4 und schon gibt es demnächst die "Hamburger Saison"...
moonriver1000 30.03.2014
4. Überfällig
Es ist an der Zeit, dass die "Führung" des HSV den Freiraum für Besinnung bekommt. Solange im AR weiterhin eine Horde Egomanen und Selbstdarsteller "das Sagen" haben, und Ihre Funktion zur Schmückung ihrer Vita brauchen, und Fussball-Sachverstand eher störend ist, wird´s nichts mehr mit einer soliden, langfristig tragbaren Erstliga Perspektive. Wo könnte der HSV heute stehen? Zwei Jahre länger in der BL als der FCB. Immer schon ein grosses Stadion. Treue, fast schon ans masochistische gehende Fans. Das Beispiel (mit Nezter) wie´s geht, wenn man Fachleute ranlässt... Aber: hätte, hätte Fahrradkette... Erst der Abstieg hat wohl das Potential, einen Reset auf die harte Tour zu ermöglichen. Schade.
benedetto089 30.03.2014
5.
Ich hab das Spiel gesehen und fand im Gegensatz zu van der Vaart nicht das der HSV bis zur 75 min. gut gespielt hat. Lange hab ich nicht an einen Abstieg des HSV geglaubt. In den nächsten Spielen kommen noch Leverkusen, Hannover, Wolfsburg, Augsburg und Bayern. Irgendwie wird das mit dem Abstieg doch immer wahrscheinlicher.
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