Von Peter Ahrens
Die Suche nach dem aktuell ärmsten Hund der Liga ist nach 19 Spieltagen eröffnet. Schalkes kreuzunglücklicher Interims-Coach Jens Keller macht zwar Woche um Woche Ansprüche auf dieses Amt geltend. Aber gegen einen Anderen mit langer Schalker Vergangenheit hat er denn doch keine Chance: Fürths Trainer Mike Büskens wird wohl schon sehr oft bedauert haben, dass er im vergangenen Sommer seinen Vertrag beim Aufsteiger nach ausführlicher Bedenkzeit verlängert hatte. Der Spielvereinigung Greuther Fürth in deren erster Bundesligasaison beim wiederholten Verlieren zuzuschauen, ist ein einziges Trauerspiel. Mit vorhersehbarem Ausgang: dem sofortigen Wiederabstieg.
Die 0:3-Heimpleite gegen Mainz 05 am Samstag war bereits die zehnte erfolglose Partie nacheinander am heimischen Ronhof. Und noch ein paar Zahlen des Grauens für jeden Fürth-Anhänger: Nach 19 Spieltagen hat das Team von Büskens neun kümmerliche Pünktchen gesammelt. Die Mannschaft hat dabei gerade einmal elf Tore erzielt, das sind 35 weniger als der Tabellenführer FC Bayern. Nur ein Saisonerfolg, dafür zwölf Niederlagen, eine Tordifferenz von minus 22 - all das sind die schlechtesten Werte aller 18 Erstligisten. Nur in der Zahl der gefangenen Gegentreffer ist der direkte Tabellennachbar 1899 Hoffenheim noch schlechter.
Bei solchen Werten ist es eine wenig mutige, beinahe billige Vorhersage, die Fürther jetzt bereits als ersten feststehenden Absteiger zu benennen. Büskens muss mit seinem Team der traurigen Gestalt zudem noch bei den Mitkonkurrenten aus Düsseldorf, Augsburg und Nürnberg antreten. Obwohl: Ein Heimspiel wäre ja angesichts der desaströsen Heimbilanz auch kein echter Vorteil für die Mannschaft. Grün ist die Farbe der Hoffnungslosigkeit.
Der Job von Trainer Büskens ist trotz allem sicher
Die Euphorie, die in Franken nach dem perfekt gemachten Aufstieg im vergangenen Mai so groß gewesen war - sie ist mittlerweile vollständig gewichen. "Das, was wir an Energie in zweieinhalb Jahren investiert haben, steht jetzt auf dem Spiel", sagt Büskens. Es sei derzeit für ihn "die schlimmste sportliche Situation meiner Karriere", hat er am Samstagabend nach dem Spiel gesagt.
Der Coach wirkt dabei trotz allem so einsatzfreudig wie eh und je, er stirbt an der Seitenlinie Wochenende für Wochenende mehrere kleine Tode. Niemand kann ihm vorwerfen, dass er keine Lust mehr habe, sein Job wird deshalb auch nicht ernsthaft in Frage gestellt. Da im Verein längst die Erkenntnis gereift ist: Für dieses Team reicht es einfach nicht.
Fehlende Qualität lässt sich auch durch noch so großes Engagement nicht dauerhaft kompensieren. Das ist auch der große Unterschied zum FC Augsburg, der gerne mit den Fürthern verglichen wird. In Augsburg haben sie Fußballer, die nicht nur rennen können wie die beiden Koreaner Ja-Cheol Koo und Dong-Won Ji. Solche Typen fehlen in Fürth. Es ist eine Mannschaft ohne Erstligareife.
Dazu ist der nach Frankfurt gewechselte Torjäger Oliver Occéan nie adäquat ersetzt worden. Der mittlerweile 34-jährige Gerald Asamoah kann dem Angriff keine Impulse mehr geben. Auf dem Papier hat Fürth fünf Stürmer im aktuellen Kader. Getroffen hat von ihnen noch kein einziger. Und Edgar Prib, einer der wenigen, auf die Büskens in der Hinrunde bauen konnte, fällt mit einem Anriss des Syndesmose-Bandes erst einmal verletzungsbedingt aus, nachdem er beim Training in der Halle umgeknickt war.
Es fällt einem sehr, sehr wenig ein, was den Fürthern als Ermutigung dienen könnte. Höchstens die Aussicht auf die kommende Woche. Dann tritt der langjährige Schalker Mike Büskens mit seinem Team in Gelsenkirchen an. Bei Jens Keller, dem anderen ärmsten Hund der Liga.
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