Hamburg - Wer ist die aktuelle Nummer eins im Norden? Das 98. Derby zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen sollte die Antwort liefern. Die jüngste Bilanz sprach für Bremen, hatte die Elf von Trainer Thomas Schaaf doch die vergangenen drei Duelle für sich entschieden. Diesmal erwischte Hamburg den besseren Tag: Die Gastgeber gewannen dank Toren von Heung-Min Son (23. Minute), Dennis Aogo (46.) und Artjoms Rudnevs (52.) 3:2 (1:1). Für Werder trafen Assani Lukimya (9.) und Sokratis (54.). Hamburg bleibt damit seit vier Spielen zu Hause ungeschlagen, verharrt aber in der Tabelle auf Platz neun (28 Punkte), drei Ränge vor Bremen (22).
HSV-Trainer Thorsten Fink, der als Spieler und Trainer keine seiner letzten sieben Partien gegen Bremen hatte gewinnen können, musste auf den verletzten Michael Mancienne verzichten, für ihn rückte Jeffrey Bruma in die Innenverteidigung. Bremens Coach Schaaf nahm nach der 0:5-Pleite gegen Dortmund drei Personalwechsel vor: Für Sebastian Prödl, Aaron Hunt (muskuläre Probleme) und Eljero Elia durften Lukimya, Aleksandar Ignjovski und Mehmet Ekici auflaufen.
Bei unangenehmem Schneeregen starteten beide Teams schwungvoll in die Partie. Die erste Chance für die Gastgeber hatte Rudnevs bereits in der 1. Minute nach einem Pass von Rafael van der Vaart, Bremens Nils Petersen scheiterte kurz darauf an HSV-Keeper René Adler (5.). Vier Minuten später machte Lukimya es besser, der eine Flanke von Ignovski mit dem Hinterkopf versenkte.
Die Hamburger suchten eine Antwort, doch die Bremer zeigten sich im Vergleich zur Vorwoche selbstsicherer und drängender. Immer wieder zwangen sie ihre Gegner zu Ungenauigkeiten im Aufbau und Fehlern im Passspiel. Umso überraschender fiel eine Viertelstunde später der Ausgleich: Heung-Min Son ließ Theodor Gebre Selassie stehen und überwand Bremens Sebastian Mielitz mühelos mit einem strammen Schuss ins rechte Eck.
Drei Tore in acht Minuten
Ein wichtiges Signal für die Hamburger, die mehr und mehr die Kontrolle übernahmen. Rudnevs hätte sogar das 2:1 machen können (29.), doch Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer hatte zuvor abgepfiffen. Immer wieder versuchte es der HSV mit van der Vaart und Son über die an diesem Tag sehr schwache rechte Abwehrseite der Bremer.
In der zweiten Hälfte machte der HSV furios weiter: Nicht einmal eine Minute war gespielt, da verwandelte Aogo eine etwas unglückliche Flanke von Son, nahm dabei aber den Arm zur Hilfe. Referee Kinhöfer zählte den Treffer trotzdem und eröffnete damit ein zwischenzeitiges Schützenfest - sehr zur Freude der knapp 55.000 Derby-Besucher. Rudnevs traf in der 52. Minute aus abseitsverdächtiger Position nach einem Pass von Aogo, bevor Sokratis zwei Minuten später den Anschluss für die Bremer herstellte. Adler sah dabei schlecht aus.
Es dauerte einige Minuten, bis sich die Partie wieder beruhigt hatte. Doch es schien, als hätten beide Teams den Großteil ihres Pulvers in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit verschossen; das Spiel wurde unpräziser, Chancen seltener. Bremen drängte auf den Ausgleich, war aber zu sehr mit der eigenen, wackeligen Defensive beschäftigt, als dass nach vorne nennenswerte Aktionen stattfinden hätten können.
Als zehn Minuten vor Abpfiff auch noch Kapitän Clemens Fritz mit Gelb-Rot vom Platz musste, war die Entscheidung zugunsten der Hamburger eigentlich bereits gefallen. Die Gelb-Rote Karte von Marko Arnautovic eine Minute vor Abpfiff war nicht mehr als eine unnötige Ergänzung zum unglücklichen Bremer Spiel.
"Das war ein echtes Derby. Da haben zwei Mannschaften gespielt, die sich beweisen wollten. Wir sind nicht gut aus der Halbzeit gekommen, haben uns jedoch wieder gefangen, aber unsere Möglichkeiten nicht nutzen können", sagte Werder-Coach Schaaf. Sein Hamburger Kollege Fink resümierte: "Ich weiß, wie wichtig dieser Sieg für die Region ist. Wir haben gelernt mit Rückschlägen umzugehen und haben uns nach dem 0:1 wieder ins Spiel zurückgekämpft."
Hamburger SV - Werder Bremen 3:2 (1:1)
0:1 Lukimya (9.)
1:1 Son (23.)
2:1 Aogo (46.)
3:1 Rudnevs (52.)
3:2 Sokratis (54.)
Hamburg: Adler - Diekmeier, Bruma, Westermann, Jansen - Badelj - Skjelbred (62. Arslan), Aogo - van der Vaart (82. Rincon) - Son (90. Rajkovic), Rudnevs
Bremen: Mielitz - Gebre Selassie (56. Arnautovic), Lukimya, Sokratis, Schmitz - Fritz - Ignjovski, Junuzovic, Ekici (89. Prödl), De Bruyne - Petersen
Schiedsrichter: Kinhöfer
Zuschauer: 54.758
Gelb-Rote Karten: Fritz wegen Foulspiels (80.), Arnautovic wegen unsportlichen Verhaltens (90.+1)
Gelbe Karten: Rudnevs (2), Adler (4) - Sokratis (4), Petersen (2)
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