Von Sara Peschke
Hamburg - Ausgerechnet gegen Borussia Dortmund sollte die Wende her. Ausgerechnet gegen den Deutschen Meister und Pokalsieger, der bis dato seit 31 Bundesliga-Spielen in Folge ungeschlagenen war und zuletzt auch international geglänzt hatte. Der Hamburger SV hatte es sich fest vorgenommen: Im ersten Heimspiel mit Hoffnungsträger Rafael van der Vaart wollte der Club die drohende historische Negativbilanz von fünf Niederlagen zum Auftakt abwenden. Die Mission schien eigentlich unmöglich. Doch dann geschah, was kaum einer erwartet hatte: Der HSV besiegte den BVB tatsächlich 3:2 (1:0). Ausgerechnet den Deutschen Meister.
Es war ein Duell zwischen Ungleichen. Während der HSV sich von Beginn an mit aller Kraft darauf konzentrierte, wenigstens unentschieden zu spielen, trat Dortmund ohne letzten Biss an. Das rächte sich: Die Hamburger vereitelten dem BVB nicht nur den sicher geglaubten Sieg, sondern auch einen neuen Rekord, den der HSV in der Zeit von Ernst Happel selbst aufgestellt hatte. In 36 aufeinander folgenden Partien waren die Hanseaten 1982 und 1983 ungeschlagen geblieben.
So groß die Erleichterung auf Seiten des HSV über diesen Befreiungsschlag ist: Das Spielergebnis ist vor allem ein Resultat der desolaten Abwehrleistung der Dortmunder. Vor allem Nationalspieler Mats Hummels hatte keinen guten Tag erwischt, aber auch die anderen Defensivmänner leisteten sich immer wieder gravierende Stellungsfehler. "Wir wussten, dass wir viele Fehler machen müssten, um in Hamburg zu verlieren. Und die haben wir gemacht", sagte Hummels nach der Partie.
HSV ging erstmals diese Saison in Führung
Der BVB-Verteidiger war es auch, der bereits in der zweiten Minute versagte: Der erste gefährliche Angriff der Hamburger führte zum Kopfballtor durch den Südkoreaner Heung-Min Son. Vorbereitet hatte ihn van der Vaart - doch ermöglicht erst Hummels, der die Flanke des Niederländers eigentlich hätte klären müssen. Erstmals in dieser Saison ging der HSV in Führung. Es war ein wichtiger Treffer, denn er bestärkte die Hamburger in ihrem Glauben an sich selbst: Sie haben das Fußballspielen nicht verlernt.
Dortmund wehrte sich nach den eigenen Fehlern zwar gegen die Niederlage - Trainer Jürgen Klopp setzte nach gut einer Stunde auf Angriff und wechselte Jakub Blaszczykowski als zusätzliche Offensivkraft ein -, kam aber nicht gegen den Kampfgeist der Gastgeber an. Zudem zeigte sich die zuletzt gescholtene Abwehr der Hamburger diesmal erstaunlich geordnet - selbst van der Vaart half hinten aus.
"Wir wollten von Anfang an beweisen, dass wir noch eine Mannschaft sind. Wir hatten uns vorgenommen, den Gegner früh unter Druck zu setzen", sagte der Niederländer. "Die Leidenschaft und der Siegeswille waren groß, wir haben die drei Punkte verdient."
Klopp hält sich mit Kritik zurück
Der BVB hingegen offenbarte nicht nur in der Defensive zu wenig Sorgfalt, er ging auch - wie zuletzt im Champions-League-Spiel gegen Ajax Amsterdam - mit seinen Torchancen zu nachlässig um. Bereits vor der Halbzeit hätte er das Spiel drehen können, doch es fehlte der letzte Zug zum Tor. Das gleiche Bild in der Schlussphase: Blaszczykowski und der eingewechselte Julian Schieber vergaben gleich zwei große Chancen zum Ausgleich.
"Wir sind zu spät in das Spiel hineingekommen, waren fahrlässig in der Anfangsphase. Aber mir hat insgesamt nicht viel gefallen - obwohl die Mannschaft die Qualität eigentlich hat", analysierte Klopp. Aber zu viel Kritik wollte er sich nicht bewegen lassen: "Dafür spielt das Team sonst einfach zu gut." Der Gegner habe vor allem auch "Glück gehabt", stimmte Dortmunds Neven Subotic zu. Angesichts von 26 zu 6 Torschüssen für den BVB liegt diese Aussage nahe.
Doch man braucht nicht nur Glück, um drei Tore gegen Borussia Dortmund zu schießen. Wenngleich der HSV von den Fehlern des Gegners profitierte, scheint er sich selbst allmählich wiederzufinden.
Hamburger SV - Borussia Dortmund 3:2 (1:0)
1:0 Son (2.)
1:1 Perisic (46.)
2:1 Ilicevic (55.)
3:1 Son (59.)
3:2 Perisic (60.)
Hamburg: Adler - Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen - Badelj, Arslan - Son, van der Vaart (87. Sala), Ilicevic (69. Beister) - Rudnevs (77. Berg)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Leitner, Kehl (63. Blaszczykowski) - Perisic, Götze, Reus (63. Schieber) - Lewandowski
Schiedsrichter: Perl
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Badelj, van der Vaart / Schmelzer
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