HSV-Fans vor dem Abstiegsfinale Jetzt hilft nur beten

Eigentlich wollte der HSV im Geheimen trainieren. Dann öffnete der Verein doch seine Tore und wurde von 2000 Anhängern überrascht. Selbst die Konkurrenz verspricht Schützenhilfe.

Was bleibt den Fans anderes übrig?
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Was bleibt den Fans anderes übrig?


Im Volksparkstadion zählt die dieser Tage viel beschriebene Bundesliga-Uhr weiter munter die Minuten, Stunden, ja sogar Tage, die der ewige Hamburger SV in der höchsten deutschen Spielklasse verbleibt. Bei den meisten Fußball-Fans, die es mit dem HSV halten, läuft die Uhr indes eher runter: Noch drei Tage bis zur Entscheidung, noch zwei, noch einer. Und sie können wenig tun, um den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte zu verhindern. Also besinnen sie sich dieser Tage auf eine ureigene Aufgabe ihres Fanseins: Sie unterstützen ihren Verein. Einige beten.

Rund 2000 Fans wollen Beobachter am Donnerstag am Volksparkstadion gezählt haben. Sie bildeten ein Spalier auf dem Weg zum Trainingsplatz. Als erster kam Trainer Christian Titz die Treppen vom Stadion hinunter, nahm Aufmunterungen entgegen, schüttelte Hände. "Es ist gut, dass die Spieler merken, dass die Menschen an sie glauben. Das tut gut und gibt Selbstvertrauen", sagte er nach dem Training. "Es zeigt die große Leidenschaft in der Stadt. Es ist sehr wichtig, dass wir einen zwölften Mann haben."

Die öffentliche Einheit ist Teil einer Charmeoffensive des HSV, der kurzfristig sein Geheimtraining absagte. Am Dienstag hatten die HSV-Profis allen Zuschauern Eis spendiert.

Am Donnerstag nun gab es Applaus und Sprechchöre - erst für Titz, dann für die Spieler, die kurz nach ihrem Trainer die Treppen hinunterkamen. "Auf geht's Hamburg, kämpfen und siegen", schallte es ihnen entgegen. Die Sportler klatschten mit den Kids in erster Reihe ab, lächelten. Doch so ganz geheuer schien ihnen die Situation nicht, fast unangenehm schien ihnen diese offensive Unterstützung zu sein. Wer will es ihnen verdenken? Noch haben sie nicht viel erreicht - außer natürlich, dass es überhaupt noch zu so etwas wie einem Abstiegsfinale am letzten Spieltag kommt.

Spieler des Hamburger SV
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Spieler des Hamburger SV

Die Tabellenvorletzten müssen am Samstag gegen Mönchengladbach gewinnen (15.30 Uhr, alle Partien des 34. Spieltags im Liveticker auf SPIEGEL ONLINE). Die Fans haben ihren Teil getan. Ihre Unterstützung hat sich gar bis zum Gegner herumgesprochen. "Jeder HSV-Fan wird alles dafür tun, damit sie dieses Spiel gewinnen", sagte Trainer Dieter Hecking bei der Spieltags-Pressekonferenz: "Man hörte von Fan-Spalier, da müssen wir auch durch."

Doch selbst wenn der Sieg gegen die Borussia mit Spalieren, Fanchören und Gebeten gelingen sollte, muss der HSV gleichzeitig auf einen Sieg von Absteiger Köln in Wolfsburg hoffen, um den VfL vom Relegationsplatz verdrängen zu können.

Auf Hilfe ihres ehemaligen Retter-Trainers und heutigen VfL-Coachs Bruno Labbadia, der sein Team wiederum abschirmte, können die Hamburger dabei nicht hoffen. Kölns Jonas Hector aber verspricht Hilfe. "Das soll keine Kaffeefahrt für uns werden", sagte der Verteidiger. "Wer uns die letzten Spiele hat spielen sehen, der weiß, dass wir nichts abschenken. Wir haben bislang immer alles reingeworfen, egal, wie aussichtslos es war. So gehen wir das letzte Spiel auch an. Das will keiner, dass einer fragt: Was haben die denn da gemacht?" Alles andere, als solch ein Bekenntnis wäre für einen Profi allerdings auch skandalös.

sak/sid



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