Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Hamburg besiegt Braunschweig: Eintracht-Therapie für den HSV

Von , Hamburg

Der erste Saisonsieg des HSV: Hamburg jubelt, Braunschweig taumelt Fotos
Getty Images

Der HSV hat gegen Braunschweig den ersten Saisonsieg geschafft. Der deutliche Erfolg trotz mäßiger Leistung war jedoch nur dank der desolaten Eintracht möglich. Der Aufsteiger zeigte, warum es für die Bundesliga nicht reicht. Trainer Lieberknecht ließ seinen Frust in einer Wutrede heraus.

Die Fans des Hamburger SV haben am späten Samstagnachmittag die vermutlich schönsten 60 Sekunden der jüngeren Vergangenheit erlebt. Erst erfuhren sie über die Videowände in der Arena im Volkspark, dass Erzrivale Werder Bremen in Mönchengladbachkurz ein weiteres Tor kassiert hatte, das 1:4. Dann trat Hamburgs Mittelfeldspieler Hakan Calhanoglu zum Freistoß an und brachte den Ball zum 4:0 (2:0)-Endstand im Tor von Eintracht Braunschweig unter.

Dem HSV gelang damit im vierten Spiel der Saison der ersehnte erste Sieg. Entsprechend ausgelassen war die Stimmung auf den Rängen.

Die Hamburger Profis reagierten weniger überschwänglich auf den deutlichen Erfolg gegen den Aufsteiger. Sie waren vor allem erleichtert, dass sie nach dem misslungenen Saisonstart mit nur einem Punkt und neun Gegentoren in den ersten drei Spielen, dem öffentlichen Wirbel um Mallorca-reisende Spieler und um die Revolutionspläne von Investor Klaus-Michael Kühne endlich gewonnen hatten. "Es wurde in den vergangenen Tagen viel an uns herangetragen. Deshalb war es ein besonderes Spiel", sagte Verteidiger Heiko Westermann - und gab das allgemeine Empfinden im Team wieder. Und, natürlich: "Wir werden uns jetzt nicht hochjubeln."

"Fußballerisch war das kein Schmankerl"

Dafür besteht tatsächlich kein Anlass. Denn das Ergebnis gegen Braunschweig war zwar deutlich dank der Treffer von Kapitän Rafael van der Vaart (7. Minute), Jacques Zoua (17.) und dem eingewechselten Calhanoglu, der vor seinem Freistoß-Tor in der Nachspielzeit zum 4:0-Endstand auch schon das 3:0 erzielt hatte (80.). Doch der HSV hatte nur mäßig gespielt. Die Partie eignet sich nicht als Kampfansage an die Konkurrenten um den angepeilten Einzug in die Europa League. "Fußballerisch war das kein Schmankerl", stellte Westermann fest.

Gegen Braunschweig genügen offensichtlich auch mittelprächtige Leistungen. Der Aufsteiger ist als heißer Kandidat auf den direkten Wiederabstieg in die Saison gestartet. Die ersten vier Spiele haben diesen Eindruck bestätigt. Die triste Bilanz des Traditionsvereins: Vier Niederlagen, neun Gegentore, erst ein selbst erzielter Treffer. Für Trainer Torsten Lieberknecht ist das allerdings keine Überraschung - zumindest sagt er das. Ob er damit gerechnet habe, so schlecht in die Saison zu starten, wurde er nach dem Spiel in Hamburg gefragt. "Ja", lautete die knappe Antwort. Dennoch macht ihm die finstere Zwischenbilanz zu schaffen. "Das ist sehr bitter für uns", sagte er, und wahrscheinlich meinte er damit sowohl die 0:4-Niederlage als auch die Gesamtsituation.

Für die zweite Liga ist Braunschweig zu gut. Aber für die erste reicht es noch nicht, das war in Hamburg erneut zu erkennen. Die Verteidigung agierte viel zu zaghaft gegen die Angriffe des HSV, immer wieder konnten die Hamburger passieren. "Wir müssen defensiv noch besser stehen. Wir dürfen uns nicht so wegschubsen lassen", sagte Eintracht-Profi Karim Bellarabi.

Tumulte im Braunschweiger Block

Außerdem funktionierte der Spielaufbau der Braunschweiger nicht, weil der Abstand zwischen der Abwehrkette und einer offensiven Mittelfeldreihe zu groß war. Trainer Lieberknecht hatte mit Norman Theuerkauf nur einen Spieler im defensiven Mittelfeld aufgeboten. Er sollte die Reihen verbinden. Doch es gelang nicht. So gingen viele Bälle irgendwo zwischen Defensive und Offensive verloren. Außerdem stießen die Hamburger immer wieder in den Freiraum zwischen den Reihen und konnten das Spiel so ohne größere Mühen dominieren.

Zu Tumulten im Stadion kam es eine Viertelstunde vor Schluss in der Ecke, in der die Eintracht-Fans standen. Mehrere Braunschweiger Anhänger kletterten über den Zaun, der den Stehblock der Gästefans von einem Sitzblock trennt. Polizisten tauchten auf. Die Hintergründe blieben zunächst unklar.

Nach der deutlichen Niederlage beim angeschlagenen HSV war der Frust bei den Braunschweigern groß. "Es gab dann wieder Momente, wo du merkst: Du bist dieser kleine Piss-Verein. Du bist dieser Piss-Verein, der auch bei den Schiedsrichtern nicht die Wahrnehmung hat", sagte Trainer Lieberknecht im NDR-Radio. "50:50-Entscheidungen" fielen in der Bundesliga "immer für den Großen" aus. "Und damit kämpfen wir. Seit dem ersten Spieltag", so der Coach. Es ist nicht nur so, dass meine Mannschaft auf dem Platz kämpft wie die Berserker und alles versucht, sondern wir müssen mit viel mehr Dingen kämpfen."

Lieberknecht haderte aber nicht nur mit den Unparteiischen, sondern auch mit dem Schicksal: "Und der erste abgefälschte Fuck-Ball geht dann rein." Sollte die Eintracht so weitermachen wie in Hamburg, dürften noch einige Wutreden ihres Trainers in dieser Saison folgen.

Hamburger SV - Eintracht Braunschweig 4:0 (2:0)
1:0 van der Vaart (7.)
2:0 Zoua (17.)
3:0 Calhanoglu (80.)
4:0 Calhanoglu (90.+1)
Hamburg: Adler - Diekmeier, Djourou (72. Sobiech), Westermann, Lam - Badelj (30. Rincon) - Arslan, Jiracek - van der Vaart (79. Calhanoglu) - Zoua, Beister
Braunschweig: Davari - Kessel, Bicakcic, Dogan, Reichel - Theuerkauf (64. Boland) - Bellarabi, Hochscheidt (64. Oehrl) - Vrancic - Kumbela, Jackson
Schiedsrichter: Kircher
Zuschauer: 54.958
Gelbe Karten: Zoua (2) - Bicakcic, Theuerkauf (4), Bellarabi, Jackson

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Nailbender 31.08.2013
Ich denke der Spiegel täte gut daran, diesen Europa-League Firlefanz im Kontext HSV endlich gut sein zu lassen. Was da vor der Saison von weniger kompetenten Vereinsmitgliedern geäußert wurde, stand für jeden Anhänger, der auch Zwei und Zwei zusammenzählen kann, nie zur Debatte.
2.
rauhen 31.08.2013
Na ja, bei 0-4 braucht man glaube ich nicht mit dem Schicksal zu hadern.
3. dèja-vu...
jedernureinkreuz 01.09.2013
Tja, ich fühle mit den Braunschweigern. Sie erleben das Gleiche, wie wir letztes Jahr. Eigentlich kann man mithalten und macht dann Anfänger-Fehler und zahlt kräftig Lehrgeld. Dazu kommen noch die Schiedsrichter, die teils unbewusst, teils ganz offen den "Kleinen" benachteiligen. Das wird leider ganz schwer für die Braunschweiger.
4. Na.
tomy1983 01.09.2013
Da gab's ja nun wirklich nix über den Schiedsrichter zu meckern. Aber die Leistung vom HSV machte jetzt wirklich nicht sehr viel Lust auf mehr.
5. Hm,
similakchild 01.09.2013
wer sich selbst so klein macht, muss auch nicht wie Rumpelstilzchen durch die Kabine wüten.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Hamburger SV: "Uns Uwe" und immer wieder Juve

Fotostrecke
Eintracht Braunschweig: Zurück in Liga zwei


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: