HSV gegen Stuttgart: "Man sieht die Handschrift des Trainers"

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Der neue Trainer tut dem HSV offensichtlich gut. Gegen Stuttgart holte Bert van Marwijks Team dreimal einen Rückstand auf - mit einer Ruhe, die es unter Thorsten Fink nicht gab. Die wichtigste Erkenntnis des Tages: Die Hamburger können Stress ab.

HSV vs. Stuttgart: Spektakulärer Schlagabtausch Fotos
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Pierre-Michel Lasogga klang wie ein Sieger, als er nach dem Spiel des Hamburger SV gegen den VfB Stuttgart Auskunft gab. "Wir warten ab, glauben an unsere Chancen und lassen uns nicht aus der Ruhe bringen", sagte der von Hertha BSC an den HSV verliehene Angreifer. Seine Mitspieler waren ebenfalls durch und durch glücklich: "Dieses Spiel gibt uns Selbstvertrauen", sagte Maximilian Beister; und Marcell Jansen fand es "sehr, sehr positiv, dass wir weiter an uns geglaubt haben. Die Mannschaft lebt".

Dabei hatte der HSV gar nicht gewonnen. Mit einem 3:3 (1:2)-Unentschieden war die Partie gegen Stuttgart zu Ende gegangen.

Doch die Hamburger hatten gute Gründe, sich zumindest als moralischer Sieger zu fühlen. Dreimal hatten sie in Rückstand gelegen, dreimal war ihnen der Ausgleich geglückt. Mit dem einen Punkt belohnten sie sich für eine passable Leistung, vor allem im Spiel nach vorne: 20 Schüsse hatte der HSV abgegeben, der VfB schoss neunmal aufs Tor. Den zehn Hamburger Ecken stand kein einziger Eckball der Gäste gegenüber. Auch in den Kategorien Ballbesitz, gewonnene Zweikämpfe und Passgenauigkeit lagen die Hamburger vorne.

"Das Wichtigste ist, dass wir uns fußballerisch gesteigert haben. Das ist die Basis. Dann kommen auch die Ergebnisse", sagte Bert van Marwijk, seit knapp einem Monat Trainer des HSV.

Die Mannschaft scheint unter dem neuen Mann eine zuletzt ungekannte Stressresistenz entwickelt zu haben. Bei van Marwijks erstem Spiel in Frankfurt blieb der HSV trotz 1:2-Rückstand ruhig und schaffte kurz vor Schluss noch den Ausgleich. Auch beim 5:0 in Nürnberg spielten die Hamburger zunächst abwartend und geduldig. Dass sie gegen Stuttgart dreimal einen Rückstand aufholten, zeigt laut Sportchef Oliver Kreuzer, "dass die Mannschaft aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat".

"Wir haben nicht aufgegeben"

Er erinnerte an die Partie gegen Hoffenheim am zweiten Spieltag, in der der HSV 0:1 und 1:2 hinten gelegen hatte - und am Ende 1:5 verlor. "Da ist die Mannschaft ins Verberben gelaufen. Heute hat sie Ruhe bewahrt", sagte Kreuzer. Der Sportchef nahm den Namen Thorsten Finks nicht in den Mund in diesem Moment, doch auch so war diese Analyse ein deutlicher Seitenhieb gegen van Marwijks Vorgänger.

Abwegig ist dieser Zusammenhang nicht. Der HSV war gegen Stuttgart schon in der dritten Minute durch Alexandru Maxim in Rückstand geraten, kam durch Lasoggas sechstes Tor im sechsten Pflichtspiel für Hamburg erstmals zurück (22. Minute), lag aber kurz vor der Pause durch Christian Gentners Kopfballtor erneut hinten. Unter Fink wäre bei einem solch unglücklichen Spielverlauf möglicherweise Panik im Team ausgebrochen.

Doch der HSV blieb sachlich und schaffte zehn Minuten nach dem Wechsel das 2:2 durch den eingewechselten Beister. Auch mit dem erneuten Rückstand durch Johan Djourous Eigentor in der 64. Minute kamen die Hamburger gut zurecht. Beinahe im Gegenzug traf Kapitän Rafael van der Vaart zum Endstand. "Wir sind als Mannschaft dreimal zurück gekommen und haben nicht aufgegeben", sagte Lasogga - und deutete dies als van Marwijks Werk: "Man sieht die Handschrift des Trainers."

Van Marwijk lässt Kritik an Defensive nicht gelten

Doch die moralischen Entwicklungen in Hamburg können nicht darüber hinwegtäuschen, dass dort noch immer einiges im Argen liegt, vor allem in der Defensive. "Wir haben wenig Chancen zugelassen", behauptete van Marwijk - doch die drei Treffer gelangen den Stuttgartern recht mühelos. Die Abwehr ist und bleibt die Schwachstelle des HSV. Er hat in den ersten neun Saisonspielen zwar ein Tor mehr geschossen als der FC Bayern (19), aber er hat auch - zusammen mit Hoffenheim - die meisten Treffer kassiert (22).

Gegen Stuttgart zeigten sich diese Probleme deutlich: Bei Maxims 1:0 ließ sich die Innenverteidigung mit einem einfachen Doppelpass aushebeln, vor dem 2:1 durch Gentner fehlte die Abstimmung, Heiko Westermann ließ den Torschützen einfach gewähren. Djourous Eigentor dagegen war Pech.

Van Marwijk ließ Kritik an der Abwehrarbeit dennoch nicht gelten: "Wenn Sie gut geguckt hätten, hätten Sie gesehen, dass die Organisation gut war", sagte er. Vielleicht gehörte auch diese Aussage zu seinen neuen psychologischen Kniffen.

Hamburger SV - VfB Stuttgart 3:3 (1:2)
0:1 Maxim (3.)
1:1 Lasogga (22.)
1:2 Gentner (37.)
2:2 Beister (55.)
2:3 Djourou (64., Eigentor)
3:3 van der Vaart (67.)
Hamburg: Adler - Westermann, Tah, Djourou, Jansen - Badelj, Arslan - Zoua (46. Beister), van der Vaart, Calhanoglu - Lasogga
Stuttgart: Kirschbaum - Sakai, Schwaab, Rüdiger, Boka - Kvist, Gentner - Harnik (65. Werner), Maxim (87. Haggui), Traore (90.+2 Sararer) - Ibisevic
Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden)
Zuschauer: 53.167
Rote Karte: Rüdiger nach einer Notbremse (84.)
Gelbe Karten: Badelj - Kvist (3), Ibisevic (4)

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insgesamt 17 Beiträge
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1.
hjanko 20.10.2013
Zitat von sysopBundesliga: Hamburger SV spielt Remis gegen Stuttgart - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-hamburger-sv-spielt-remis-gegen-stuttgart-a-928934.html)
BlaBlaBla Die Stuttgarter können den Stress doch auch ab. Wer so klasse Kombinationen mitten in einer Druckphase des Gegners rraushaut, der kann auch mit Stress umgehen. Schon ok, wir wissen ja alle, dass der HSV, wie der Spiegel, in Hamburg beheimatet ist, aber jetzt kriegt euch wieder ein, die laufen noch lange nicht übers Wasser. Das 1. Tor des HSV war Dusel, das Eigentor war erzwungen und hatte nichts mit Pech zu tun. Und der in den Himmel gelobte Lasoga? Wenn der nicht als allerletzter am Ball ist, ist die Kombination in dem Moment wo er weiterspielen soll beendet. Kicken kann der nämlich nicht. Unter dem Strich bleibt eine Erkenntnis: Da standen 2 Mannschaften auf dem Feld, die dabei sind sich von schlechten Trainern zu erholen. Welche von den beiden die bessere ist bzw. wird, werden im Laufe der Saison sehen.
2. Rote Karte:
aurichter 20.10.2013
Rüdiger nach einer Notbremse. Welche Notbremse? Ein Schlag mit der Faust in die Rippen bzw unterhalb der Rippen (noch schmetzhafter) kann man wahrlich nicht als Notbremse bezeichnen. Was denkt sich ein junger Spieler bei so einer Tätlichkeit? Der schaut doch selbst im TV Fußball und obendrein in den theoretischen Trainingsphasen Videoanalysen mit der Mannschaft und dem Trainer. Wie in Gottes Namen will er jetzt so einen Bärendienst den Kameraden erklären? Soviel Dummheit gehört zusätzlich von der Mannschaft bestraft, aber so, daß der soetwas nicht nur Ansatzweise auch nur denkt zu tun. 3 Spiele vom DFB und eine saftige Geldstrafe für soziale Zwecke vom Verein. Mein Freund Rüdiger ohoh TV sieht alles, wenn es sein muss einen Pickel auf der Nase.
3. Stellingen?
widower+2 21.10.2013
Stellingen hat nur Glück gehabt und wird nach dieser Saison endlich den wohlverdienten Gang in die 2. Liga antreten.
4. Das hääte ich nie gedachte, dass das mit diesem Kader möglich ist
haltetdendieb 21.10.2013
Ich denke mal, noch ein zwei Monate, und der HSV steht im oberen Drittel der Liga. Dabei sind es doch genau die gleichen Spieler wie bei Torsten Fink. Was ist da passiert? Alles Gute und: NUR DER HSV!
5. Handschriftd des Trainers?
Kauzboi 21.10.2013
Unsinn! Das Spielermaterial hat einfach nur Angst. Keiner will es riskieren gleich mal aussortiert zu werden, also tun alle den Job für den sie hochbezahlt werden - normalerweise eine Selbstverständlichkeit, jedoch nicht bei Vereinen wie dem HSV. Womöglich wird aber auch dieses nicht lange anhalten.
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