Remis zwischen dem HSV und Werder Grausam

Zweitligafußball ist nicht viel schlechter: Das Nordderby zwischen Hamburg und Bremen war schwach wie selten. Werder musste zudem auf einige Fans verzichten.

Hamburgs Aaron Hunt (l.) und Vasilije Janjicic (r.) im Duell mit Bremens Thomas Delaney
REUTERS

Hamburgs Aaron Hunt (l.) und Vasilije Janjicic (r.) im Duell mit Bremens Thomas Delaney


Die Szene des Spiels: In der 52. Minute lag Hamburgs Tatsuya Ito von Krämpfen geplagt auf dem Rasen, die Muskeln des quirligen Japaners hatten schlapp gemacht. Zu viele Tempodribblings hatte sich der 20 Jahre alte Startelf-Debütant in der ersten Hälfte zugemutet. Bei seiner Auswechslung zollten ihm Mitspieler und Zuschauer Tribut. Normalerweise spielt Ito in der U23 des HSV, an diesem Abend war er der auffälligste Spieler der Partie. Das sagt einiges über das Niveau der Partie aus.

Das Ergebnis: Der Hamburger SV und Werder Bremen trennen sich in einem trostlosen 107. Nordderby torlos. Hier geht's zum Spielbericht.

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Unentschieden im Nordderby: Nullnummer

Die erste Hälfte: Werder war in der ersten Viertelstunde das weniger schlechte von zwei schlechten Teams, hatte durch Thomas Delaney eine gute Kopfballchance (9. Minute). Das war's. Danach fand offensiv nur noch der HSV statt: Gotuko Sakai scheiterte knapp (30.), Ex-Bremer Aaron Hunt schoss einen Ball freistehend aus elf Metern in Richtung Volkspark. Kurz gesagt: Die ersten 45 Minuten hatten wenig mit Fußball zu tun. Werders englischer Twitter-Account sah das anders.

Die zweite Hälfte: Auch nach Wiederanpfiff nahm die Qualität der Partie nicht zu. Chancen hatte erneut überwiegend der HSV: André Hahn (56.) und Bobby Wood (60.) scheiterten jedoch an Werder-Keeper Jiri Pavlenka. Werder hatte durch Fin Bartels die Gelegenheit zum Führungstreffer (71.), diesmal parierte Hamburgs Torhüter Christian Mathenia glänzend.

Ito, der Hoffnungsschimmer: Von Trainer Markus Gisdol als Linksaußen aufgeboten, zeigte Ito eine starke Leistung. Der Japaner mit einer Körpergröße von 1,66 Metern stellte Werders Verteidigung immer wieder vor Probleme. Manchmal wirkte der U23-Spieler übermotiviert, wollte es mit zu vielen Gegenspielern gleichzeitig aufnehmen. Dennoch: Ito tut dem HSV gut, macht das Spiel flexibler - und wirkt dabei unbekümmert. In der aktuellen Situation des Klubs sicherlich kein Nachteil. Vielleicht fiel er aber nur auf, weil die Partie so schlecht war.

HSV-Profi Tatsuya Ito
Getty Images

HSV-Profi Tatsuya Ito

Keine Fahnen, keine Stimmung: Bereits vor dem Spiel gab es Gerüchte, dass Bremer Ultras von der Hamburger Polizei an der Anreise zum Nordderby gehindert wurden. Während der Partie bestätigte Werder es dann via Twitter. Der Auswärtsblock der Werder-Fans wirkte so trostlos wie das Spiel selbst - Fahnen und Fangesänge waren nahezu nicht vorhanden. Eine offizielle Erklärung der Hamburger Polizei oder von Werder gibt es bislang noch nicht.

Die Null steht: Zum fünften Mal in Folge hat der HSV nun schon kein Tor geschossen. Das war den Hamburger zuletzt in der Vorsaison zwischen dem dritten und sechsten Spieltag passiert. Bei Werder sieht es aber auch nicht besser aus: Nach sieben Bundesligaspielen haben die Bremer noch kein Spiel gewonnen. Das ist das Nordderby 2017.

Erkenntnis des Spiels: Das einstige Spitzenspiel unterscheidet sich vom Niveau kaum noch von einer besseren Zweitligapartie. Von der sind beide Nordklubs übrigens nicht weit entfernt. Der HSV steht auf Platz 15, Werder drei Punkte dahinter auf dem Relegationsplatz. Für beide Klubs geht es in dieser Saison (wieder einmal) um den Ligaverbleib.

Hamburger SV - Werder Bremen 0:0
Hamburger SV:
Mathenia - Diekmeier, Papadopoulos, Jung, Sakai - Ekdal (74. Walace), Janjicic - Hahn, Hunt, Ito (53. Ito) - Wood (89. Arp)
Werder Bremen: Pavlenka - Bauer, Veljkovic, Moisander - Gebre Selassie, Bargfrede (63. M. Eggestein), Garcia - Kainz (63. Junuzovic), Delaney - Belfodil, Bartels (90. Hajrovic)
Zuschauer: 55.000
Schiedsrichter: Deniz Aytekin
Gelbe Karten: Bauer, Gebre Selassie - Papadopoulos



insgesamt 14 Beiträge
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ralle58 30.09.2017
1. Beide verunsicherten Teams
wollten auf keinen Fall verlieren. Und gaanz eventuell sogar drei Punkte holen.Unter diesen Voraussetzungen war das immer noch prestigebeladene Derby noch in Ordnung.
rüpelrudi 30.09.2017
2. zutreffend
,die Überschrift des Artikels. Ein Spiel, das die Armseligkeit der Liga widerspiegelt. Was diese Woche eindrucksvoll in CL und EL bestätigt wurde. Dortmund konnte vor lauter Kraft kaum noch geradeaus laufen und wurde dann von Real (ohne drei Stars) gnadenlos die Grenzen aufgezeigt.Bayern, na ja, ob´s wirklich nur am Trainer liegt...Der Rest :reden wir nicht drüber....Jedenfalls hatte meine Frau heute Grund zur Freude: Nach 30 Minuten der 1.Halbzeit war der Fernseher für sie frei, ich hab dieses erbärmliche Gebolze nicht mehr ansehen können.
Nonvaio01 01.10.2017
3. sehe ich genauso
Zitat von rüpelrudi,die Überschrift des Artikels. Ein Spiel, das die Armseligkeit der Liga widerspiegelt. Was diese Woche eindrucksvoll in CL und EL bestätigt wurde. Dortmund konnte vor lauter Kraft kaum noch geradeaus laufen und wurde dann von Real (ohne drei Stars) gnadenlos die Grenzen aufgezeigt.Bayern, na ja, ob´s wirklich nur am Trainer liegt...Der Rest :reden wir nicht drüber....Jedenfalls hatte meine Frau heute Grund zur Freude: Nach 30 Minuten der 1.Halbzeit war der Fernseher für sie frei, ich hab dieses erbärmliche Gebolze nicht mehr ansehen können.
aber das wollen ja viele poster hier so "echten" fussball, keine hochbezahlten spieler die auch mit dem ball umgehen koennen. Ich hab auch nach 20min abgeschaltet, das spiel wurde life in Irland uebertragen.....welch eine werbung fuer die BL. Und dann wundert man sich warum die PL soviel Geld einnimmt und die BL nicht. Das spiel heute haette den grund nicht besser darstellen koennen.
salkum 01.10.2017
4. Also.....
....man kann es aus Kommentatorensicht auch übertreiben: ich habe schon schwächere Spiele gesehen. Auch von anderen als vom HSV und Bremen.
herr.x 01.10.2017
5. Falscher Vergleich:
"Zweitligafußball ist nicht viel schlechter"! Im Gegenteil, wer heute im Holstein Stadion in Kiel war, weiß wie Fußball im Norden geht! Holstein Kiel steht für Spielfreude und guten Fußball. SPON sollte sich mal in der 2 Liga vor Ort Spiele ansehen, dann würden solche Vergleiche gar nicht erst entstehen.
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