Hannover-Aufholjagd in Stuttgart 17 Minuten Rausch

"Wir müssen uns absolut in den Hintern beißen" - Bruno Labbadia war nach der Heimpleite gegen Hannover bedient. Der Gegner hatte einen 0:2-Rückstand gedreht und schaffte vier Tore in 17 Minuten. 96 profitierte erneut von seiner enormen Qualität im Sturm, doch ein Problem bleibt bestehen.

Hannovers Trainer Slomka: 4:2-Sieg in Stuttgart
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Hannovers Trainer Slomka: 4:2-Sieg in Stuttgart

Von Nils Lehnebach


Hamburg - Wenn Bruno Labbadia Fahrt aufnimmt, kann es unschön enden. Anfang Oktober legte er eine denkwürdige Wutrede hin, am Sonntag wurde es erneut deftig. "Wir müssen uns absolut in den Hintern beißen", so Stuttgarts Trainer. Gerade hatte seine Mannschaft gegen Hannover einen sicher geglaubten Sieg verspielt und nach einer 2:0-Führung noch 2:4 verloren. Zu viel für Labbadia, der von einer "brutalen Niederlage" und "extremer Enttäuschung" sprach.

Es war der erste Dämpfer für den VfB nach zuletzt fünf Partien ohne Niederlage, in der sich das Team aus dem Tabellenkeller ins Mittelfeld gespielt hatte. Bei einem Sieg gegen Hannover wäre man gar auf Rang sieben vorgerückt, nun stagniert Stuttgart auf Platz zwölf. Dabei hatte das Team am Sonntag "in der ersten Hälfte super gespielt", wie Torwart Sven Ulreich nach der Partie zu Recht feststellte.

Doch im zweiten Durchgang war davon nur noch wenig zu sehen. Artur Sobiech (57.), Jan Schlaudraff (65./Handelfmeter) sowie Mohammed Abdellaoue (68., 73./Foulelfmeter) drehten die Partie in nur 17 Minuten, Hannover spielte wie im Rausch und entriss dem VfB den sicher geglaubten Sieg. "Es war ein unglaubliches Spiel", sagte Abdellaoue: "Wir haben uns in der Halbzeitpause gesagt, dass wir nach vorne schauen müssen. Und es hat unglaublich funktioniert."

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11. Spieltag: Hannovers glanzvolle Viertelstunde
Dabei verdeutlichte die Partie, was Hannover vom VfB unterscheidet: die breite Qualität im Angriff. Stuttgart hat mit Vedad Ibisevic eigentlich nur einen Spieler, der zuverlässig trifft. Wettbewerbsübergreifend 13 Tore erzielte der Bosnier in dieser Spielzeit, auch gegen Hannover war er erfolgreich. Allein Martin Harnik (6 Tore) liefert im Angriff noch beständige Leistungen ab, konnte bisher aber auch nicht an seine starke Vorsaison anknüpfen. Neben dem Duo hat kein Stuttgarter mehr als zwei Saisontore erzielt.

Dagegen verfügt Hannover über eine ganz anderes Offensiv-Arsenal. In Stuttgart standen Sobiech (6) und Mame Diouf (7) in der Startelf. Nach schwachen 45 Minuten brachte Trainer Mirko Slomka Schlaudraff (5) für Huszti (7), der ehemalige Nationalspieler erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich.

Damit nicht genug: In der 66. Minute kam Abdellaoue (4) beim Stand von 2:2, sieben Minuten später führten die Gäste 4:2, beide Tore hatte der Norweger erzielt. Und im Zweifel hätte Slomka mit Didier Ya Konan (5) sogar noch eine weitere Angriffsalternative auf der Bank parat gehabt. Hannover verfügt in der Offensive über eine herausragende Auswahl. Erwischt ein Stürmer einen schlechten Tag, hat Slomka direkt zwei Alternativen parat. Ein Privileg, das den Club von fast allen Konkurrenten in der Liga unterscheidet.

Slomkas irritierendes Zögern

Und eines, das die Arbeit von Trainer Slomka erleichtert. In der Europa League hat der Verein bereits nach vier von sechs Partien die K.o.-Runde erreicht. Als Tabellen-Sechster ist man zudem auf einem guten Weg, sich auch für die kommende Saison einen internationalen Startplatz zu erspielen. Hannover, die einst graue Maus, hat sich zu einem dauerhaften Anwärter für das obere Tabellendrittel entwickelt.

Die Erfolgsformel ist dabei recht simpel: Sportdirektor Jörg Schmadtke verpflichtet in Reihe günstige Spieler, die trotzdem gehobenes Bundesliga-Niveau haben. Trainer Slomka formt aus diesen eine harmonische Einheit. Doch ob das Duo künftig weiter zusammenarbeiten wird, ist nach wie vor ungewiss. Schmadtke hatte sich eigentlich schon verabschiedet, blieb dann aber doch.

Slomka zögert seit Wochen mit der Verlängerung seines zum Saisonende auslaufenden Vertrags. Der 45-Jährige hat sich mit seiner guten Arbeit auch für andere Clubs interessant gemacht, zuletzt wurde über ein angebliches Interesse des FC Bayern spekuliert. Nun sagte er vor der Partie in Stuttgart über seine Situation bei 96: "Es liegt momentan kein unterschriftsreifes Angebot von Hannover 96 vor. Ich glaube auch nicht, dass es so schnell geht."

Dabei hatte Club-Boss Martin Kind schon Mitte Oktober gesagt, er gehe davon aus, "dass wir spätestens in vier Wochen ein Ergebnis präsentieren". Slomka sagte in Stuttgart: "Wir müssen ein wenig Gas rausnehmen. Wir sollten uns im Dezember nach dem letzten Spiel zusammensetzen."

VfB Stuttgart - Hannover 96 2:4 (2:0)
1:0 Gentner (21.)
2:0 Ibisevic (37., Foulelfmeter)
2:1 Sobiech (57.)
2:2 Schlaudraff (65., Handelfmeter)
2:3 Abdellaoue (68.)
2:4 Abdellaoue (73., Foulelfmeter)
Stuttgart: Ulreich - Sakai, Tasci, Niedermeier, Boka (80. Molinaro) - Kuzmanovic - Gentner, Holzhauser (75. Hajnal) - Harnik (72. Okazaki), Traore - Ibisevic
Hannover: Zieler - Cherundolo (87. Sakai), Eggimann, Haggui, Rausch - Schmiedebach, Schulz - Stindl, Huszti (46. Schlaudraff) - Sobiech (66. Abdellaoue), Diouf
Schiedsrichter: Brych
Zuschauer: 50.600
Gelbe Karten: Kuzmanovic, Boka - Huszti (2), Schmiedebach (2), Diouf (2)

insgesamt 1 Beitrag
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MulleBelling 12.11.2012
1. Slomka bleibt bei 96
da diese Mannschaft langfristig Deutscher Meister werden wird, so wird es mit Herrn Slomka langfristig auch bei 96 weitergehen...so sieht das nämlich aus ;-))
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