Von Christian Otto
Der Deal fiel ihm ganz leicht. Als Manager des VfL Wolfsburg wird Klaus Allofs auch dafür bezahlt, bestens darüber informiert zu sein, welcher Trainer unter welchen Bedingungen kurzfristig zur Verfügung steht. Zwei Tage vor Heiligabend hat sich Allofs nun quasi selbst beschenkt: Dieter Hecking, der seinen Vertrag beim 1. FC Nürnberg gerade erst bis 2014 verlängert hatte, wechselt nach Niedersachsen.
Die Verpflichtung machte eine Ausstiegsklausel in Heckings Vertrag möglich - und kommt auf den ersten Blick überraschend. Bis Freitag war der frühere Nationalspieler Bernd Schuster als aussichtsreichster Kandidat für den Posten des Cheftrainers gehandelt worden. Nun ist es Hecking, der in Wolfsburg einen Vertrag bis 2016 erhält. Seine Vorstellung folgt erst nach Weihnachten und damit zu einer Zeit, in der die Verantwortlichen in Nürnberg noch versuchen werden, sich mit dieser Bescherung zu arrangieren.
Still und heimlich hatte Allofs seine letzte Erledigung vor dem Weihnachtsfest vorbereitet. Als neuer Geschäftsführer des VfL Wolfsburg sollte er in der Saison einen neuen Trainer finden. Einen, der endlich für Konstanz steht - und zu den neuen Zielvorgaben beim vom Volkswagen-Konzern finanzierten Club passt.
Die Wolfsburger wollen den Eindruck widerlegen, dass bei ihnen mehr Finanzkraft als Fußball-Sachverstand vorhanden ist. Seit dem umjubelten Titelgewinn im Sommer 2009 steckt der VfL trotz millionenschwerer Investitionen regelmäßig im Abstiegsgkampf. Drei Jahre und sechs Trainer später ist bei VW die Erkenntnis gereift, dass es womöglich günstiger und zielführender sein könnte, den Erfolg des VfL langsam aufzubauen.
"Wir wollen, dass der VfL Wolfsburg ein sympathischer Verein wird" - mit dieser Vorgabe hatte VW-Vorstand Francisco Javier Garcia Sanz als Aufsichtsrat-Chef der VfL Wolfsburg Fußball GmbH seinen neuen Geschäftsführer Allofs ins Amt gehoben. Was mit Felix Magath nicht gelungen ist und Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner nicht zugetraut wurde, soll nun mit Hecking klappen. Die Chancen dafür stehen gut.
Proteste gegen Schuster
Der frühere Profi besticht mit seiner ruhigen und besonnenen Art. Dass er nicht immer gleich nach Verstärkungen ruft, sondern auch unerfahrene Spieler erfolgreich integriert, passt zur Arbeitsauffassung von Allofs. Der hatte bereits in Bremen jahrelang mit Thomas Schaaf auf eine junge, entwicklungsfähige Mannschaft gesetzt.
Drei Jahre lang hatte Hecking beim "Club" erfolgreiche Arbeit geleistet, das wichtigste Ziel, den Klassenerhalt, stets mit Bravour erreicht, obwohl er regelmäßig die besten Spieler ziehen lassen musste. In Wolfsburg wartet auf den 48-Jährigen jetzt das Gegenteil. Hecking hat dort einen Profikader zur Verfügung, dem rund 40 Spieler angehören. Im Winter soll dieser Kader signifikant verkleinert werden.
Das soll ebenso ruhig und konzentriert ablaufen wie die Aktion mit Hecking. Als die ersten Gerüchte über eine Verpflichtung von Bernd Schuster auftauchten, hatten der harte Kern der VfL-Fans und örtliche Medien voller Verzweiflung die Frage gestellt, warum man Schuster ausgerechnet in Wolfsburg die Chance auf seine erste Festanstellung in der ersten Liga geben sollte. Öffentlich reagierte Allofs auf all die Kritik nicht. Stattdessen verhandelte er in Ruhe mit Hecking weiter.
Der frühere Polizist kehrt nun in heimatliche Gefilde zurück. Nach seinem Abgang bei Hannover 96 im August 2009 nahm er eine Trennung von Heimat und Familie in Kauf, um für sich und den 1. FC Nürnberg einen Neuanfang zu wagen. Als Erklärung für seinen Wechsel nach Wolfsburg führt Hecking nun nicht nur wirtschaftliche, sondern auch familiäre Gründe an. Vom niedersächsischen Bad Nenndorf aus, wo der Vater von fünf Kindern immer noch lebt, bis zu seinem neuen Arbeitgeber sind es gerade einmal 110 Kilometer.
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