Hertha-Verteidiger Weiser und Plattenhardt Zwei Berliner für Löw

Gnadenlose Effizienz, stabile Defensive und Euphorie im Klub: Der beeindruckende dritte Platz von Hertha BSC hat mehrere Gründe. Im Top-Spiel gegen Borussia Dortmund könnten sich vor allem die Außenverteidiger für höhere Aufgaben empfehlen.

Hertha-Profis Weiser (oben) und Plattenhardt: Vom Offensivjuwel zum Verteidiger
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Hertha-Profis Weiser (oben) und Plattenhardt: Vom Offensivjuwel zum Verteidiger

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Verkleidete Jecken, Narren, Kamelle und Strüßjer - der Karneval regiert derzeit in weiten Teilen Deutschlands. Als Hochburg der ausgelassenen Straßenfeste und der Büttenreden kann man Berlin zwar nicht bezeichnen, doch auch in der Hauptstadt könnte bald gefeiert werden - aus anderen Gründen: Hertha BSC, aktuell Dritter der Bundesliga, kann mit zwei Siegen in den kommenden fünf Tagen den Grundstein für eine extrem erfolgreiche Saison legen.

Am nächsten Mittwoch trifft die "Alte Dame" auf Zweitligist Heidenheim im DFB-Pokal-Viertelfinale (19 Uhr, SPIEGEL ONLINE Liveticker). Die Chancen auf das erste Pokalfinale im eigenen Stadion überhaupt stehen gut. Zuvor wartet am Samstag das Top-Spiel in der Bundesliga. Dritter gegen Zweiter: Hertha, 34 Punkte, gegen Borussia Dortmund, 44 Zähler (15.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE). Beim 1:3 im Hinspiel waren die Berliner lange ebenbürtig, diesmal wollen sie die Borussia als ihr erster "Verfolger" nicht nur ärgern.

"Jeder weiß, welches Potenzial Dortmund hat. Aber wir sind auch heimstark", sagte Hertha-Coach Pál Dárdai, der vor kurzem sein einjähriges Jubiläum als Cheftrainer feierte. Erstmals in dieser Saison wird das Olympiastadion ausverkauft sein.

Die Euphorie rund um den Klub ist groß - trotz des mäßigen Rückrundenstarts von zwei Punkten aus zwei Partien und der hangreiflichen Auseinandersetzung zwischen Änis Ben-Hatira und Mitchell Weiser. Der Verein reagierte schnell, transferierte Ben-Hatira zu Eintracht Frankfurt und betonte mit dem Verkauf des einstigen Nachwuchsstars auch den sportlichen Stellenwert von Weiser für das Team. Ben Hatira nein, Weiser ja, so das Credo.

Weisers Umschulung vom Offensiv- zum Abwehrspieler

Der Sommerzugang von Bayern München ist einer der Gründe für Herthas Erfolgssaison. Weiser ist schnell, technisch begabt, aber vor allem vielseitig einsetzbar und lief in elf seiner insgesamt 16 Saisoneinsätze als Rechtsverteidiger auf. Dabei galt Weiser eins als Offensivjuwel.

Hertha-Profis Weiser (l.), Keeper Jarstein: 34 Punkte
DPA

Hertha-Profis Weiser (l.), Keeper Jarstein: 34 Punkte

Doch bereits sein Ex-Trainer Josep Guardiola erkannte Weisers Talent in der Defensive und hatte ihn in der Saison 2014/2015 in sechs Partien auf der rechten und linken Verteidigerposition getestet. Für die bayerischen Ansprüche genügte die Qualität nicht, erst unter Dardai gelang dem 21-Jährigen der Durchbruch zum Stammspieler.

Weisers beeindruckende Entwicklung könnte noch weitergehen. Denn angesichts der Problematik auf der Außenverteidigerposition in der deutschen Nationalmannschaft könnte er zum Kandidatenkreis für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich gehören. Auch wenn seine Fehlpassquote von 24 Prozent verbesserungswürdig ist, und der 21-Jährige sich in der Offensive mit seiner technischen Veranlagung noch mehr zutrauen könnte.

Kampf um die EM-Nominierung

Aktuell fehlt Weiser auf der vorläufigen Teamliste von Bundestrainer Joachim Löw mit 31 Namen, die für das Euro-Turnier infrage kommen sollen. Das überrascht, zumal der 21-Jährige regelmäßig auf meist überdurchschnittlichem Niveau spielt und sich kaum individuelle Fehler leistete.

Abwehrspieler Plattenhardt: 2014 aus Nürnberg gekommen
REUTERS

Abwehrspieler Plattenhardt: 2014 aus Nürnberg gekommen

Ein anderer Verteidiger, der ebenfalls auf dieser Liste fehlt, ist Weisers Teamkollege Marvin Plattenhardt. Der Linksverteidiger gehört zum erfolgreichen Stammpersonal der Berliner. Zuletzt konnte der 24-Jährige mit einem direkten Freistoßtor gegen Bremen auf sich aufmerksam machen, zuvor war ihm solch ein Treffer bereits beim 4:0 gegen Aufsteiger Darmstadt in der Hinrunde gelungen. In der Defensive sorgt der 24-Jährige für Stabilität.

Plattenhardt und Weiser - das klingt natürlich weit weniger namhaft als Philipp Lahm und Benedikt Höwedes, die bei der WM in Brasilien spielten. Aber nach Lahms Rücktritt und wegen Höwedes' anhaltender Verletzungsprobleme sind die Positionen derzeit vakant - das könnte noch zu einer Nominierung der beiden Herthaner in einem der kommenden Testspiele (26. März gegen England, 29. März gegen Italien) führen.

Der Einzug ins Pokalhalbfinale würde ihre Chancen auf eine baldige Einladung gewiss vergrößern. Oder eine bestandene Reifeprüfung gegen internationale Spitzenspieler. Zum Beispiel am Samstag gegen Marco Reus und Henrich Mchitarjan.

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
kleines1x1 05.02.2016
1.
Als Berliner kann man hier keinen Sieg erwarten, ein schönes Spiel wäre aber wünschenswert :)
cimarol 05.02.2016
2. Oh mein Gott
Ich habe ja schon viel Blödsinn gehört aber auf diese beiden "Juwelen" für den EM Kader zu kommen, da gehört schon eine Menge Fehleinschätzung dazu.
phboerker 05.02.2016
3. Witzig
In der Hinrunde wurden die Leistungen der Hertha durchgehend ignoriert, seit sie als Tabellendritte in die Winterpause gegangen ist, wird sie dafür in ständigen Jubelartikeln überhöht. Die Alte Dame aus Berlin spielt eine bisher unerwartet starke Saison, in der aber noch viel passieren kann. Immerhin galt sie nicht ohne Grund zu Saisonbeginn als Abstiegskandidat. Solide Arbeit, die sich aber noch durch Kontinuität selbst bestätigen muss. Wenn die Hertha dann mal wieder ein paar Jahre in Folge unter den ersten fünf steht, hat sie sich von den Abstiegsjahren erholt und bietet wieder Anlass für langfristige Hoffnungen. Alles andere ist übereilt.
taahm 05.02.2016
4. Makel
Die beiden haben einen entscheidenden Makel: Sie spielen nicht im Südwesten der Republik. Wenn es anders wäre, hätte Herr Löw sie schon längst auf dem Zettel.
taahm 05.02.2016
5. Makel
Die beiden haben einen entscheidenden Makel: Sie spielen nicht im Südwesten der Republik. Wenn es anders wäre, hätte Herr Löw sie schon längst auf dem Zettel.
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